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21.07.2022 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (22.7. - 28.7. 2022)

Im TaSKino Feldkirch und im Filmforum Bregenz wird diese Woche Michel Francos an Camus´ „Der Fremde" erinnerndes Thriller-Drama „Sundown" gezeigt. Das Kunsthaus Bregenz startet sein heuriges, Wes Anderson gewidmetes Open-Air mit „The Grand Budapest Hotel".

Sundown – Geheimnisse in Acapulco: Der Brite Neil (Tim Roth) verbringt mit seiner Schwester Alice (Charlotte Gainsbourg) und deren beiden Kindern im Teenageralter den Urlaub im mexikanischen Acapulco. Mit lichtdurchfluteten Sommerbildern und langen Einstellungen evoziert Michel Franco („The New Order") intensiv die lethargische Urlaubsstimmung, bis ein Anruf aus England Alice erschüttert: Die Mutter wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Wenig später folgt die Nachricht, dass sie verstorben sei. Während für Alice klar ist, dass sie so schnell wie möglich mit ihren Kindern nach London zurückkehren will, erklärt Neil am Flughafen, dass er seinen Pass im Hotel vergessen habe und mit dem nächsten Flug nachkommen werde.
Doch Neil kehrt nicht ins Luxushotel zurück, sondern bezieht in einer einfachen Absteige Unterkunft, beginnt mit einer jungen Verkäuferin eine Affäre, verbringt mit ihr mit den einheimischen Massen die Tage an einem Strand. Die Welt scheint ihn nicht mehr zu interessieren.
Mit größter Zurückhaltung und betont ausdruckslos spielt Tim Roth diesen Mann, der aus lange unerklärlichen Gründen mit seinem bisherigen Leben abgeschlossen zu haben scheint. Seine Distanz zum Leben und seine Teilnahmslosigkeit, die auch Assoziationen an Albert Camus „Der Fremde“ weckt, werden dabei durch Francos unaufgeregte Inszenierung meisterhaft verstärkt.
Für Dramatik sorgen einzig einzelne abrupt einbrechende Momente brutaler Gewalt. In diesen, aber auch in der Verlagerung der Handlung vom Luxusresort in die Welt der einfachen Mexikaner weitet sich „Sundown“ vom individuellen Drama zum gesellschaftskritischen Film, der – wie schon „Nuevo Orden“ – die große Kluft zwischen Ober- und Unterschicht und das daraus resultierende Aggressions- und Gewaltpotential sichtbar macht.
Dieser gesellschaftskritische Aspekt bleibt aber im Hintergrund gegenüber dem Schicksal Neils, hinter dessen Verhalten sich schließlich ein existentielles Drama enthüllt.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Fr 22.7. bis Mo 25.7.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 27.7.

The Grand Budapest Hotel:  In seinem achten langen Spielfilm versetzt Wes Anderson sein Publikum in ein Hotel in einem fiktiven osteuropäischen Staat während der Zwischenkriegszeit. Wie bei Anderson, der als Inspirationsquelle die Werke von Stefan Zweig nennt, nicht anders zu erwarten, ist diese Welt freilich geträumt und mehr von den Hollywoodfilmen der 1930er als von der historischen Realität inspiriert.
Im Zentrum steht der Concierge (Ralph Fiennes) der von Berufs wegen zu den verschiedenen Gästen des Hotels Kontakt hat. Als ihm eine Lady für seine Bemühungen ein wertvolles Gemälde vermacht, zieht sich der Concierge den Zorn der Familie der Verstorbenen auf sich, die bald auch einen psychopathischen Killer auf die Mitwisser des Testaments ansetzt.
Nur ansatzweise ist damit die Handlung skizziert, denn Anderson erzählt in dieser im Stil der Filme der 1930er Jahre im fast quadratischen 4:3 Format gedrehten Tragikomödie entfesselt. Von Animationsszenen über die für diesen Regisseur typischen kräftigen Farben bis zu Schwarzweiß im Finale spannt sich die formale Vielfalt. Bezaubernd ist auch, wie Anderson nicht anders als in „The Life Aquatic“ oder „Moonrise Kingdom“ zusammen mit Kameramann Robert Yeoman und Ausstatter Adam Stockhausen mit viel Liebe zum Detail und atemberaubendem Einfallsreichtum eine ganz eigene Welt entwirft, aber im Hintergrund auch die Realität der anbrechenden Barbarei des Nationalsozialismus oder der Tristesse des Sowjet-Kommunismus einfließen lässt. Fast etwas erschlagen lässt allerdings die Überfülle und das horrende Erzähltempo den Zuschauer am Ende zurück.
KUB Open Air, Kunsthaus Bregenz: Mi 27.7., 21.15 Uhr

Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website 
https://www.film-netz.com.

Sundown

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The Grand Budapest Hotel

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