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23.03.2017 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (24.3. - 30.3. 2017)

TaSKino Feldkirch und Filmforum Bregenz zeigen diese Woche mit „La fille inconnue – Das unbekannte Mädchen“ den neuen Film der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne. In der Kammgarn Hard bietet Gianfranco Rosi mit seinem Dokumentarfilm „Sacro Gra – Das andere Rom“ Einblick in das alltäglichen Leben an der Stadtautobahn Roms.

La fille inconnue – Das unbekannte Mädchen: Eine junge Afrikanerin wird in der Nähe der Praxis einer jungen Ärztin tot aufgefunden. Weil diese auf das Klingeln der Afrikanerin nicht reagiert hat, wird sie von Schuldgefühlen geplagt und versucht die Identität der Toten zu klären, um ihr wenigstens eine würdige Bestattung zu ermöglichen.
Einerseits bieten die belgischen Regiebrüder Jean-Pierre und Luc Dardenne einen quasidokumentarischen Einblick in die alltägliche Arbeit der Hausärztin mit Hausbesuchen bei alten und sozial schwachen Patienten, andererseits entwickelt sich mit den zunehmend verbissenen Recherchen eine Krimihandlung.
Auf Schritt und Tritt folgt der Film der jungen Ärztin, in jeder Szene ist sie präsent. Kaum einmal weitet sich der Blick zu einer Totalen, weniger Beklemmung als vielmehr Dichte erzeugen aber die nahen Einstellungen. Denn eingebettet wird dadurch zwar die Handlung in ein soziales Umfeld, aber der Fokus liegt ganz auf den Menschen.
Ganz erreicht „La fille inconnue“ zwar nicht die Intensität der bisherigen Arbeiten der Dardennes, da die Verschränkung von Arztalltag und Krimihandlung teilweise bemüht wirkt. Aufzurütteln vermag aber auch dieses Sozialdrama, weil hier eben nicht doziert wird, sondern sich der Appell zu Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Schwachen ganz aus der Geschichte und glaubwürdig gezeichneten Figuren heraus entwickelt.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Do 23.3., 20.30 Uhr; Fr 24.3., 22 Uhr; Sa 25.3., 22 Uhr; Mo 27.3., 18 Uhr
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi 29.3., 20 Uhr; Fr 31.3., 22 Uhr

Sacro Gra – Das andere Rom: Gianfranco Rosi blickt in seinem 2013 mit dem Goldenen Löwen von Venedig ausgezeichneten Dokumentarfilm auf den Alltag von Menschen, die am Rande der Autobahn GRA – der Grande Raccordo Anulare – wohnen, die die italienische Hauptstadt Rom auf 70 km Länge umkreist.
Die heilige Straße heißt diese Ringautobahn und ihr Name erinnert auch an den heiligen Gral, doch was Rosi am Rande der Autobahn aufspürt, ist ein Gegenpol zum Glanz der Palazzi und prächtigen Kirchen der Ewigen Stadt. Tristesse dominiert hier, hässliche Plattenbauten bestimmen das Landschaftsbild, mancher lebt im Campingwagen oder einer einfachen Hütte.
Auf Hintergrundinformationen verzichtet Rosi, er beschränkt sich darauf die hier lebenden Menschen zu beobachten, schweift vom einen zum anderen und kehrt dann wieder zu früheren zurück. Ruhig schaut er hin, lässt die Menschen reden  und verortet sie mit Totalen der Autobahn oder auch Luftansichten in ihrem Lebensraum.
Undramatisch reiht Rosi so Momentaufnahmen aneinander, erzählt keine Geschichten, sondern vermittelt nur Bruchstücke menschlicher Leben, zeichnet ein tristes Bild und dennoch wirkt sein Film, für den er zwei Jahre lang an der Autobahn filmte, im Vagabundierenden und im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten leicht.
Kammgarn Hard: Mi 29.3., 20.30 Uhr

La fille inconnue - Das unbekannte Mädchen

La fille inconnue - Das unbekannte Mädchen

Sacro Gra - Das andere Rom

Sacro Gra - Das andere Rom

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