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24.01.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (25.1. - 31.1. 2010)

Whatever Works: Nach seinen filmischen Ausflügen nach London („Match Point“, „Scoop“, „Cassandra´s Dream“) und nach Barcelona („Vicky Cristina Barcelona) ist Woody Allen wieder in sein Manhattan – und auch zu den Themen und zum Stil seiner Meisterwerke der 1970er Jahre wie „Annie Hall – Der Stadtneurotiker“ oder "Manhattan" - zurückgekehrt. Verwundern kann das kaum, beruht „Whatever Works“ doch auf einem Drehbuch, das Allen schon vor 30 Jahren schrieb, dann aber aufgrund des Todes von Zero Mostel, der die Hauptrolle spielen sollte, nicht realisiert hatte.
Den Part von Mostel übernahm nun Larry David. Als misanthropischer Quantenphysiker ist die Figur des Boris Yellnikoff natürlich auch Allens Alter Ego. Sich über jeden und alles mokierend tritt er in direkten Kontakt mit dem Kinopublikum und belegt dann anhand einer Geschichte seine Lebensphilosophie, dass alles Zufall und alles erlaubt sei, sofern man dabei nur ein Quäntchen Glück erhasche: Denn so unmöglich die Beziehung des 60jährigen Intellektuellen zu einer naiven 20jährigen Südstaatenblondine angesichts der konträren Charaktere am Anfang auch zu sein schien, sie hat doch überraschenderweise eine Zeit lang funktioniert und beiden ein harmonisches Leben beschert, bis sich durch Zufall wieder neue Konstellationen ergaben.
Auf formale Feinheiten und Schlenker verzichtet Woody Allen ganz, lässt einen Großteil des Films in Yellnikoffs Wohnung spielen und vertraut ganz auf die schnellen pointenreichen Dialoge und die lustvoll aufspielenden Schauspieler. – Neues wird man in diesem Film nicht viel sehen und hören, aber es ist immer noch ein rasantes Vergnügen mit den gewohnten bissigen Seitenhieben auf Amerika und speziell die puritanischen Südstaaten.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 27.1., 20 Uhr; Fr, 29.1., 22 Uhr

Agnes und seine Brüder: Schrill und überdreht waren die ersten Filme Oskar Roehlers, und Grelles lässt hier schon der Titel erwarten. Drastisch beginnt dieses Melodram dann auch, aber mit Fortdauer schlägt Roehler gefühlvollere Töne an: Erzählt wird von drei Brüdern, die innerlich gespalten sind. Der transsexuelle Martin (Martin Weiß), der sich seit seiner Geschlechtsoperation Agnes nennt, ist zwar das Bindeglied, das den Film zusammenhält, im Zentrum der Handlung stehen aber seine völlig verschiedenen Brüder, der eine ein sexsüchtiger Bibliothekar (Moritz Bleibtreu), der andere ein Politiker der Grünen (Herbert Knaup). Gemeinsam ist allen dreien die Suche nach dem Glück …
Roehler ist mit „Agnes und seine Brüder“ ein bunt schillerndes, glänzend gespieltes Kaleidoskop gelungen, das souverän zwischen Farce, Satire und Gefühlskino pendelt. Mit einer für das deutschen Kino seltenen Lockerheit und Unverkrampftheit inszeniert, unterhält dieser Film bestens, lässt aber auch die Radikalität, die frühere Filme Roehlers auszeichnete, vermissen.
Kammgarn Hard: Mi, 27.1., 20.30 Uhr

Inland Empire: Noch weniger als bei anderen Filmen von David Lynch kann man bei diesem dreistündigen Opus magnum die Handlung nacherzählen. Da mischt sich eine TV-Sitcom, in der Menschen mit Kaninchenköpfen Hausarbeit verrichten, mit der Geschichte der von Laura Dern phänomenal gespielten Schauspielerin Nikki Grace, die mit der Hauptrolle in einem neuen Film ihr Comeback schaffen will. Wenn die Dreharbeiten beginnen, verschwimmen aber nicht nur zunehmend die Grenzen zwischen „Realität“ und Film, sondern auch jegliche Zeitstruktur und das räumliche Gefühle, wenn Lynch in die in Kalifornien spielenden Szenen Bilder einer verschneiten Straße in Polen schneidet.
Gezielt nicht entschlüsselbar will „Inland Empire“ sein und so durch Auflösung jeder Kausalität dem Zuschauer stets den Boden unter den Füßen wegziehen. Mehr noch als die von Lynch gewohnten beunruhigenden Bilder und das alptraumhafte Sound-Design erzeugt bei diesem wild wuchernden und auch inkohärenten Film die Struktur tiefste Verunsicherung und die Angst, von der schon am Beginn eine Stimme spricht. – Sicher kein rundes Meisterwerk, sondern ein Film durch den man sich teilweise auch durchkämpfen muss, dann aber immer wieder durch geniale Szenen für seine Geduld belohnt wird.
Takino Schaan: Fr, 29.1. + Sa, 30.1. – jeweils 22 Uhr

Whatever Works

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Agnes und seine Brüder © Filmladen Filmverleih

Agnes und seine Brüder © Filmladen Filmverleih

Inland Empire

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