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26.09.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (27.9. - 3.10. 2010)

Das Kabinett des Dr. Parnassus: Terry Gilliam gehört zu den großen Zauberern des gegenwärtigen Kinos, den Regisseuren, die über eine überbordenden Phantasie verfügen und ihre Fabulierlust und Begeisterung für Bilderfindungen vielfach kaum in Zaum halten können. Seine Monty Python-Filme wie „Jabberwocky“ oder „The Life of Brian“ zeugen ebenso davon wie seine eigenen Projekte von der vor Einfallsreichtum schier berstenden Orwell-Paraphrase „Brazil“ bis zum „Märchenfilm“ „The Brothers Grimm“.
Zahlreicher als Gilliams Filme sind die Projekte, die er in Angriff nahm, dann aber nicht fertig stellen konnte. Dieses Schicksal wäre beinahe auch „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ widerfahren, da nach dem Tod Heath Ledgers im Januar 2008 die Dreharbeiten abgebrochen wurden. Die Lösung des Problems fand Gilliam dann darin, dass er die Figur Ledgers in den Verwandlungsszenen einerseits von Johnny Depp, andererseits von Jude Law und drittens von Colin Farrell spielen ließ.
Ideal passend zum filmischen Universum Gilliams steht im Zentrum von „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ ein Wandertheater, in dem Besucher durch einen Spiegel in eine Parallelwelt eintreten können. Dort entfaltet Gilliam einen knallbunten Bilderrausch und eine visuelle Opulenz, die einem die Augen übergehen lässt. In einem Wald von Pappbäumen kann man sich da verirren und alle Wünsche werden wahr: der Alkoholiker sieht überdimensionierte Schnapsflaschen und eine Bar, der Junge eine Welt aus Süßigkeiten, die Frau aus dem gehobenen Bürgertum ins Gigantische vergrößerte Schuhe in Überfülle, ein Motel für einen One-Night-Stand oder eine romantische Gondel.
So visuell überbordend „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ aber auch ist, so ist doch auch unübersehbar, dass Gilliam die eigentliche Handlung immer wieder aus den Augen verliert. Nicht Bändigen kann er seine Lust am Fabulieren und an spektakulären Bildern, vergisst dabei aber die Geschichte vom faustschen Pakt, den der Leiter des Wandertheaters geschlossen hat, von der Sehnsucht nach Unsterblichkeit und ewiger Jugend weiter zu entwickeln und zu verdichten.
Auf die Dauer kann so diese maßlose Bilderflut Augen und Kopf auch müde machen, gleichzeitig erweist sich der Film aber gerade darin als leidenschaftliche Hymne auf die Macht der Phantasie und das Geschichtenerzählen, die den Menschen aus dem tristen Alltag in eine fantastische Welt der Magie und Wunder entführen.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do, 30.9., 20 Uhr + Sa, 2.10., 22 Uhr


Peter Madsen & CIA play Silent Movies - Der Glöckner von Notre Dame: Victor Hugos 1831 erschienener Roman um den missgestalteten Glöckner Quasimodo, der sich in die unter Zigeunern aufgewachsene rassige Esmeralda verliebt, wurde seit der frühen Stummfilmzeit immer wieder für die Leinwand adaptiert - bis hin zu einem Disney-Zeichentrickfilm im Jahre 1997. Neben den Tonfilmversionen von William Dieterle von 1939 (mit Charles Laughton und Maureen O´Hara) und Jean Delannoy von 1956 (mit Anthoy Quinn und Gina Lollobrigida)  gehört auch Wallace Worsley Stummfilm von 1923 zu den klassischen Verfilmungen.
Die Initiative für den Film ging von seinem Hauptdarsteller Lon Chaney aus, der 1921 die Filmrechte erwarb und bald Irving Thalberg als Produzenten gewinnen konnte. Neben den monumentalen Kulissen beeindruckt vor allem das Spiel Chaneys. Im Bemühen um Originaltreue trug er eine künstliche Warze auf dem rechten Auge und fertigte aus Gips einen 10 Kilo schweren künstlichen Buckel an. Einfühlsame Charakterzeichnung und für die damalige Zeit rasantes Erzähltempo  ergänzen sich hier, sodass diese Verfilmung lange Zeit prägend  für das Genre des Monumentalfilms war.
Spielboden Dornbirn: Mi, 29.9., 20.30 Uhr

Das Kabinett des Dr. Parnassus

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Der Glöckner von Notre Dame

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