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29.04.2021 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (30.4. - 6.5. 2021)

Am Spielboden Dornbirn steht mit "Space Dogs" ein visuell starker Essayfilm über Straßenhunde in Moskau auf dem Programm. Das TaSKino Feldkirch zeigt dagegen nochmals Miranda Julys herrlich schräge US-Indie-Perle "Kajillionaire".

Space Dogs: Die Geschichte der Hündin Leika, die die Sowjetunion Anfang der 1960er Jahre als Versuchshund in den Weltraum schoss, dient Levin Peter und Elsa Kremser als Ausgangspunkt für ihren Essayfilm. Laika starb zwar bald in der Kapsel und umkreiste tot die Erde, bis sie beim Eintritt der Kapsel in die Atmosphäre verglühte, doch deren Geist soll der Legende nach seither durch Moskau streunen.
Mit zwei Straßenhunden folgen Peter / Kremser nun quasi zwei Nachfahren Laikas auf ihren Wegen durch Moskau. Von der bewohnten Gegend immer weiter in die Natur am Rand der Stadt geht es dabei, während gleichzeitig mit Archivmaterial auf den Einsatz von Hunden, aber auch eines Schimpansen durch die Amerikaner im Weltraumflug geblickt wird.
Der Vereinnahmung des Tiers durch den Menschen, der Eingrenzung der Freiheit und Einspannung in Maschinen, aber auch deren physischer Verstümmelung steht die Rückeroberung der Freiheit in der Gegenwart gegenüber, in der die Hunde freilich auch eine Katze töten. Im Wechselspiel von Einsatz der Tiere im menschlichen Forschungsprojekt, bei dem sich der Mensch zum Gott erhöht, und dem Streifen durch die Stadt wirft der Film implizit Fragen nach dem Wesen des Tieres, den moralischen Grenzen des Menschen und einem richtigen Umgang mit Tieren und der Umwelt auf. Im Hintergrund öffnen die Streifzüge der Hunde durch Moskau auch immer den Blick auf Zerstörungen durch menschliche Zivilisation, auf Autowracks und Beton.
Der nur reduziert eingesetzte Erzähler lässt in dem ruhig erzählten Film, der in den Weltraumszenen von einem starken Sounddesign unterstützt wird, dem Publikum dabei immer wieder viel Zeit, um zu schauen und seine Gedanken schweifen zu lassen.
Spielboden Dornbirn: Fr 1.5., 15 Uhr

Kajillionaire: Das amerikanische Multitalent Miranda July erzählt in ihrer Komödie von dem sehr schrulligen Paar Theresa (Debra Winger) und Robert (Richard Jenkins) und deren 26-jährigen Tochter Old Dolio (Evan Rachel Wood), die sich mit ebenso originellen wie schrägen Betrügereien durchs Leben schlagen. Bei diesen Gaunereien liegt die Hauptlast bei der Tochter, doch die spärliche Beute wird immer auf alle drei gleichmäßig aufgeteilt.
July interessiert sich weniger für eine stringente Handlungsführung als vielmehr für kleine Szenen. Ihr Film lebt vom Blick für eigenwillige Details wie wiederholten kleinen, aber folgenlos bleibenden Erdbeben und den großartig besetzten Figuren. Im Zentrum steht dabei Tochter Old Dolio, der im Zuge einer Therapiesitzung, in die sie eher zufällig gerät, bewusst wird, dass Eltern-Tochter-Beziehungen auch ganz anders aussehen können und sollen.
So erzählt July von einem Selbstfindungs- und Abnabelungsprozess. An die Stelle der Distanz zu den Figuren am Beginn tritt mit dieser Entwicklung auch ein zunehmend einfühlsamerer Blick auf die junge Frau und das Schrullige wird durch bewegende emotionale Tiefe abgelöst.
Ein typischer US-Indie-Film ist dies in seiner völlig befreiten und verspielten Erzählweise, bei der weitgehend nur beobachtet und kaum etwas erklärt wird. Aber gerade durch diese Unbekümmertheit und Freiheit entwickelt "Kajillionaire" eine Frische und Echtheit, die am Reißbrett entworfenen Mainstream-Filmen zumeist fehlen.
TaSKino Feldkirch im Kino Rio: Sa 1.5., 17.45 Uhr

Weitere Filmkritiken, Streamingtipps, DVD-Besprechungen und Regisseur-Porträts finden Sie auf meiner Website https://www.film-netz.com.

Space Dogs

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