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30.05.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (31.5. - 6.6. 2010)

Luminawa: Thomas Lüchinger schildert in seinem Dokumentarfilm die Bemühungen eines philippinischen Lehrers mit seiner Familie die durch den westlichen Einfluss und das Christentum verschütteteten Traditionen der Kalingas wie ihre Musik und Tänze, ihre Webkunst und ihr Handwerk wiederzubeleben. Ziel des Lehrers ist es die Kalinga so zum „Luminawa“, zum besseren Leben, zu führen, indem sie  wieder ihre eigene Identität finden.
Unklar bleibt in Lüchingers Film, was da authentisch und was für die Kamera geschönt und gestellt wurde. Zu bedauern ist auch, dass keine Hintergrundinformationen über diesen Stamm und seine Unterdrückung sowie über die philippinischen Verhältnisse im Allgemeinen geboten werden.
Da sich der Ostschweizer Filmemacher ganz auf die Bemühungen des Lehrers konzentriert, bleibt die Sicht eingeschränkt und wirklich in die Tiefe geht Lüchinger in seinem kommentarlosen Film auch nicht, schlägt aber am Ende mit einem Schnitt den Bogen zum Westen und zur Schweiz: Wenn da die Kalinga-Gruppe bei einem Auftritt auf dem Säntis mit Ostschweizer Musikgruppen sowie beim beim Naturmusiktreffen im toggenburgischen Alt St. Johann gezeigt wird, wird klar, worum es Lüchinger im Kern geht: Nicht um das fremde Volk an sich, sondern ganz allgemein darum die Tradtionen von ursprünglichen Kulturen zu bewahren und darin Identität und damit ein besseres Leben zu finden.
Kino Madlen, Heerbrugg: Mo, 31.5., 20.15 Uhr


Pianomania: Ein Dokumentarfilm über einen Klaviertechniker, der dafür sorgt, dass der Klang der Flügel von Starpianisten wie Lang Lang oder Pierre-Laurent Aimard passt. – Das stellt man sich recht trocken vor, doch innerhalb von wenigen Minuten sind diese Bedenken weggewischt, stellt sich ein Schmunzeln und Leuchten im Gesicht des Zuschauers ein.
Das liegt teilweise an der Kunst der Selbstinszenierung des Protagonisten Stefan Knüpfer, zum anderen aber auch am geschickten Aufbau den Robert Cibis und Lilian Franck gewählt haben, sowie an der Vielfalt des Films.
Die Regisseure begleiten und dokumentieren mit der Kamera nicht nur die sich über ein Jahr hinziehenden Vorbereitungen für eine Aufnahme von Bachs „Die Kunst der Fuge“ durch Aimard – ein Moment, das sich wie ein roter Faden durch „Pianomania“ zieht und für den erzählerischen Rahmen sorgt -,  sondern bieten auch einen genauen Einblick in die Präzisionsarbeit, die Knüpfer leisten muss. So lehrt der Film, der auf jeden Off-Kommentar verzichtet und den filmischen Raum ganz Knüpfer und den Pianisten überlässt, auch den Zuschauer genau zu hören und unterschiedliche Klänge wahrzunehmen.
Genau abgestimmt ist dabei die Mischung von Musikmitschnitten und Arbeitsbeobachtung, sodass nie Langeweile aufkommt und das lockere und völlig natürliche Reden der Porträtierten vor der Kamera lässt spüren, dass ein Nahverhältnis zwischen Filmemachern und Beobachteten bestand, das auch dem Zuschauer die Protagonisten vertraut werden lässt.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 2.6., 20 Uhr + Fr, 4.6., 22 Uhr


Zug des Lebens: 1941 - Der Idiot eines kleinen osteuropäischen Schtetl berichtet von Judendeportationen. Um diesem Schicksal zu entgehen, schlägt er vor das Dorf selbst zu deportieren - allerdings nicht in ein Vernichtungslager, sondern in die Freiheit. Vorbereitungen werden getroffen, ein Zug wird gekauft, einige Juden verkleiden sich als Nazi-Wachpersonal, andere als Deportierte.
In warmen Bildern beschreibt Radu Mihaileanu sein idyllisches Dörfchen, volkstümliche Szenen mit skurrilen Typen spielen sich ab, Klischees werden im Übermaß bedient, ein problemloser Alltag, wie es ihn in der Realität wohl kaum gibt, wird beschrieben, und schließlich rollt der putzige KZ-Zug durch eine liebliche Landschaft. Als Klamotte gibt sich "Zug des Lebens", die sich in ihrer Maskerade mit krass überzeichneten Nazis, Kommunisten und Partisanen an Lubitschs "To Be or Not to Be" anlehnt.
Eine kitschige und sentimentale Verharmlosung der Shoah scheint dies zu sein, doch schon der erste Satz des Films sollte stutzig machen: "Es war einmal" - So viel Glück gibt´s nur im Märchen, die Realität ist deprimierend und wie öfters im modernen Kino gibt es eine Schlusswendung, eine Einstellung von maximal einer Minute Dauer, die vom Publikum eine Neubetrachtung des Gesehenen erfordert. Indem der Film im Kopf nochmals rekonstruiert werden muss, erweist sich das Kino als eine Maschine der produktiven Fantasie, als eine Maschine, die Fantasie freisetzt statt sie zu binden: Das utopische Märchen auf der Leinwand - der Wahnsinn des Genozids im Kopf: Das Unglaubliche entzieht sich jeder Abbildung.
Club Vaudeville, Lindau: Do, 3.6., 20 Uhr

Luminawa

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Zug des Lebens

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