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06.06.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (7.6. - 13.6. 2010)

Zerkalo – Der Spiegel: Die sieben großen Spielfilme, die Andrej Tarkovskij in den 26 Jahren seines filmischen Schaffens gedreht hat, gelten allgemein aufgrund ihrer poetischen Bildsprache, ihren vielfältigen Bezügen und ihres langsamen, aber intensiven Erzählrhythmus nicht gerade als einfach zu lesen. Unbestritten sein persönlichster und damit auch sein schwierigster Film ist aber „Der Spiegel“. Mehr noch als bei anderen Filmen musste Tarkowskij ihn deshalb der sowjetischen Filmbehörde förmlich abringen, indem er versuchte den Vorwurf des Subjektivismus zu entkräften. Keinen linearen Erzählfaden gibt es hier, sondern eine konvulsivische Vermischung von Erinnerung und Traum, von Privatem und öffentlichen Ereignissen, von Archivmaterial und Inszeniertem.
Es beginnt mit der Therapie eines jungen Mannes, der hypnotisiert wird und dann sagt „Ich kann sprechen“. So geht es im Film auch um filmische Sprache und die Protagonisten reden immer wieder direkt in die Kamera. Die klassischen Tarkovskij-Bilder – vor allem die in einer Idylle gelegene Datscha, aber auch das Feuer eines brennenden Dornbusches, ausgeschüttete Milch oder Hundegebell -  gibt es auch hier. Wie in den anderen Filmen dieses Meisterregisseur wird auch hier eine große Sehnsucht nach Heimat, nach der heilen Kindheit, auch nach einer Familie, deren Zerrissenheit hier auch thematisiert wird, spürbar.
Tief taucht Tarkowskij in diesem Film in seine eigene Erinnerung und Lebensgeschichte ein, im Jungen, der im Zentrum steht ist der Regisseur selbst zu sehen, gleichzeitig wird das Private und das Subjektive mit schwarzweißem Archivmaterial vom Zweiten Weltkrieg, von Atombomben-Versuchen, vom Spanischen Bürgerkrieg, dem maoistischen China und einem russisch-chinesischen Grenzzwischenfall am Ussuri in die Weltgeschichte eingebettet. – Erschließen kann man diesen assoziativen Bilderstrom sicher auch nach mehrmaligem Sehen kaum, man kann nur vor ihm kapitulieren oder sich am filmsprachlichen Reichtum erfreuen.
Takino Schaan: Do, 10.6., 20.30 Uhr


Der Kameramörder: 2001 gelang Thomas Glavinic mit dem Roman „Der Kameramörder“ ein Bestseller. Glavinic lässt darin einen Ich-Erzähler retrospektiv über ein Wochenende mit Freunden, das von einem in der Nähe verübten Verbrechen überschattet wird, Bericht ablegen. In der radikal subjektiven Perspektive, den protokollartigen, kurzen abgehackten Sätzen entwickelt der Roman suggestive Kraft und verstört gleichzeitig.
In den ersten Einstellungen von Robert Adrian Pejos Verfilmung wird diese Perspektive mit Handkamera noch übernommen, doch gleich darauf folgt eine Flugaufnahme des Schauplatzes und alles Verstörende wird eliminiert durch eine Hochglanzästhetik, die alle Ecken und Kanten vermissen lässt. Nicht die mediale Vermarktung der Mordserie und der Voyeurismus der Massen steht im Mittelpunkt, sondern die Labilität der Beziehung der vier Protagonisten, die sich in einem Designer-Haus am Ufer des Neusiedlersees treffen, wohin die Handlung des Romans aus der Weststeiermark verlegt wurde.
Statt die Spannung zu steigern, verflüchtigt sich diese zunehmend und „Der Kameramörder“ entwickelt sich in die Richtung eines beliebigen, ziemlich zähen  „Whodunnit“-Krimis von TV-Format, wobei dann auch das von Glavinics Roman abweichende Ende in keiner Weise schlüssig wirkt, sondern einzig darauf angelegt scheint, den Zuschauer zu irritieren.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 9.6., 20 Uhr + Fr, 11.6., 22 Uhr


Bock for President: Zwei Jahre lang haben Houchang und Dariusz Allahyari die Wienerin Ute Bock, die sich mit ihrem Einsatz für sozial am Rand Stehende und Flüchtlinge einen Namen gemacht hat, mit der Kamera begleitet. Eine Fülle an Szenen und Eindrücken haben die beiden Dokumentarfilmer eingefangen, aber manchmal kann man vielleicht auch zu nahe an einem Thema oder einer Person sein, um einen überzeugenden Überblick zu vermitteln. Das große Ganze ist nicht mehr erkenntlich, weil der Blick sich ganz auf das Detail richtet. So bekommt man zwar einen Eindruck vom Engagement Ute Bocks und mehr noch von der unermesslichen Not der Asylsuchenden, doch vieles sowohl hinsichtlich ihres Lebens als auch ihrer Arbeit bleibt bruchstückhaft.
Eine Konzentration auf einen speziellen Aspekt oder wenige markante Begegnungen wäre hier sicher von Vorteil für den Film gewesen. So reihen die Allahyaris relativ beliebig Büroszenen, Gespräche mit Bocks Schwester über ihre Kindheit, ein Schnipsel von einer Pressekonferenz, einer Benefizveranstaltung oder einer Messe mit Pater Sporschil, der sie fördert, aneinander, leuchten aber weder Zusammenhänge noch Hintergründe in ihrem auf Off-Kommentar verzichtenden  Film aus. Die einzige Konstante ist Ute Bock, ansonsten treten Helfer und Flüchtlinge Auf und Ab, ohne dass man Näheres über sie erfahren würde.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: Fr, 11.6. – Di, 15.6.

Zerkalo - Der Spiegel

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Der Kameramörder © Lotus Film (Laszlo Bolyki)

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Bock for President

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