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07.03.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (8.3. - 14.3. 2010)

Away From Her - An ihrer Seite: Seit 44 Jahren sind Grant und Fiona verheiratet. Angedeutet wird, dass die Ehe nicht immer problemlos verlief, aber verlassen haben sie sich nie und im Alter sind sie nun ein zufriedenes Paar, das die gemeinsame Geschichte und eine tiefe innere Liebe verbindet. Doch Fionas Gedächtnis lässt immer mehr nach. Zuerst verräumt sie eine frisch gespülte Bratpfanne im Kühlschrank, später kann sie sich an das Wort „Wein“ nicht mehr erinnern oder findet bei einem ihrer Langlaufausflüge den Weg nach Hause nicht mehr.
Auf eigenen Wunsch lässt sie sich in eine Pflegeanstalt für Menschen, die an Demenz leiden, einweisen. Die strikte Hausregel sieht vor, dass Grant seine Frau einen Monat lang nicht besuchen darf, damit sie sich eingewöhnen kann. Als er schließlich voller Sehnsucht zurückkehrt, nimmt sie kaum Notiz von ihm, kümmert sich dafür liebevoll um einen anderen Heiminsassen…
Weniger von den Beschwerden der Krankheit als vielmehr von den Auswirkungen dieser auf den liebenden Mann erzählt die Schauspielerin Sarah Polley in ihrem Regiedebüt. Vom Thema her ein Drama ist „An ihrer Seite“ letztlich ein ebenso zarter wie warmherziger Liebesfilm, denn Grant muss angesichts des schmerzenden Identitätsverlusts seiner Frau lernen, loszulassen und selbstlos zu handeln.
Haarscharf an der Kitschgrenze bewegt sich Polley hier, stürzt aber dank der zurückhaltenden Inszenierung, wohlüberlegtem Soundtrack und einem wunderbaren Gespür für den richtigen Ton nie in Sentimentalität ab. Die Kanadierin schürt nicht groß Emotionen, sondern vertraut auf das Spiel der Schauspieler. Bewegend ist Julie Christie als Fiona, die sich zuerst über ihre Vergesslichkeit lustig macht, bald ihren Mann entlasten will und Entscheidungen fällt, und schließlich im Pflegeheim trotz aller Erinnerungslosigkeit immer wieder die Nähe des möglichen Erinnerns oder eines lichten Moments durchschimmern lässt. Und Christie ebenbürtig ist Gordon Pinsent mit seiner zurückhaltenden Verkörperung des liebenden, aber auch von Schuldgefühlen geplagten Mannes.
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz (in Zusammenarbeit mit aktion demenz): Mi, 10.3., 20 Uhr; Fr, 12.3., 22 Uhr


The Cove - Die Bucht: In den 60er Jahre hat Ric O´Barry als Trainer der fünf Delfine, die in der TV-Serie „Flipper“ eingesetzt wurden, wesentlich zum Boom von Freizeitparks mit Delfinen als Touristenattraktion beigetragen. Durch den intensiven Kontakt mit den Meeressäugern änderte sich aber O´Barrys Einstellung radikal. Er erkannte, dass Delfine ein Bewusstsein haben und nicht für das Leben in Gefangenschaft geschaffen sind. Seit 35 Jahren kämpft er deshalb gegen ihren Fang sowie ihre grausame Tötung, speziell in Japan.
Mit Louie Psihoyos zieht er in diesem Dokumentarfilm im Stil von Michael Moore gegen das Schlachten der Delfine los. Aufgebaut wie ein Thriller wird die Vorbereitung und Durchführung einer Aktion in einer idyllischen Bucht des japanischen Dorfs Taiji geschildert: 23.000 Delfine sollen dort jeden Herbst abgeschlachtet werden, nachdem sie mit Lärm verängstigt und in die enge Bucht Richtung Küste getrieben werden.
Ausgehend von dieser Erzählebene beleuchtet Louie Psihoyos, der auch selbst an der Aktion teilnimmt, andere Aspekte des Umgangs mit den Delfinen. Er skizziert die Geschichte des Kampfes gegen den Walfang, die Methoden, mit denen Japan bei der Internationalen Walfangkonferenz gegen Beschränkung seiner Fänge kämpft, aber auch die hohe, gesundheitschädliche Quecksilberkonzentration im Delfinfleisch, das oft falsch etikettiert als Fleisch von größeren Walen angeboten wird und in Japan sogar gratis in Schulkantinen ausgegeben werden soll.
Dass „Die Bucht“ aufgrund der Szenenfülle oberflächlich und sehr einseitig bleibt, ist eine nicht zu übersehende Tatsache, kann man dem Film aber kaum vorwerfen, da es Psihoyos und O´Barry in erster Linie darum geht, aufzurütteln und den Zuschauer zur Parteinahme für die Sache zu bewegen.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: Mi, 10.3., 19.30; Do, 11.3., 21.30 Uhr


Un prophète: Nach einem Angriff auf einen Polizisten muss der 19-jährige arabischstämmige Malik für sechs Jahre ins Gefängnis. Für gut 150 Minuten wird die geschlossene Anstalt zur fast ausschließlichen Welt von Jacques Audiards soeben mit neun Césars ausgezeichneten Drama. Keinen Resozialisierungsprozess, sondern eine Entwicklung ganz anderer Art macht Malik hier durch: Muss er zunächst für einen ebenfalls inhaftierten korsischen Mafiaboss Aufträge erledigen, erweist er sich als gelehriger Schüler, der seinen Ziehvater schließlich aussticht, Korsen und Araber im Gefängnis geschickt gegeneinander ausspielt und bei seinen Freigängen auch draußen die Fäden zu ziehen beginnt. – Kein Film über das Leben im Knast, sondern vielmehr eine Entwicklungsgeschichte erzählt „Un prophète“ somit, wobei sich das Taktieren in diesem Milieu von jenem in der „sauberen“ Wirtschaftswelt nicht grundlegend unterscheiden dürfte.
Mühelos hält Jacques Audiard in seinem mitreißenden Gefängnisdrama den Spannungsbogen über zweieinhalb Stunden aufrecht. Die konzentrierte Regie mit dem genauen Blick auf die Machtstrukturen innerhalb des Gefängnisses, die Unmittelbarkeit und Direktheit der Inszenierung sowie ein überragender Tahar Rahim in der Hauptrolle verleihen „Un prophète“ enormen Drive und Kraft. Einzig über die Visionen Maliks, die dem Film einerseits den Titel geben, mit denen andererseits aber auch der ansonsten konsequente Realismus durchbrochen wird, kann man geteilter Meinung sein.
Takino Schaan: Fr, 12.3. bis Di, 16.3. – jeweils 20 Uhr

Away From Her - An ihrer Seite

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The Cove - Die Bucht

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Un prophète

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