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07.11.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (8.11. - 14.11. 2010)

Le concert - Das Konzert: Unter Breschnew wurde der Dirigent Andrej Filipov zur Putzkraft im Bolschoi-Theater degradiert. Rund 25 Jahre später fängt er während seines Dienstes im Büro des Direktors zufällig ein Fax ab, in dem das Bolschoi-Orchester zu einem Konzert ins Pariser Théâtre du Châtelet eingeladen wird. Diese Chance zur Verwirklichung eines großen Traums will sich Filipov nicht entgehen lassen. Er leitet das Fax nicht weiter, sondern beginnt selbst in aller Eile aus alten Kumpanen ein Orchester zusammenzustellen und mit dem Veranstalter in Frankreich zu verhandeln.
Wie die Geschichte ausgehen wird, ist von Anfang an klar. Nicht die Haupthandlungslinie kann so interessieren, sondern die Details sowie die Aufklärung diverser Hintergründe. Geschickt hält hier Radu Mihaileanu Informationen zurück, gibt nur sukzessive Einblick in Filipovs Lebensgeschichte und den Terror des früheren kommunistischen Regimes. Bruchstückhaft bleibt „Das Konzert“ allerdings hinsichtlich Letzterem, setzt eine minimale Kenntnis zur sowjetischen Politik voraus und legt den Schwerpunkt insgesamt auf die mit Pannen und Hindernissen gespickte Reise, sowie die lustvolle und alle diesbezüglichen Klischees pflegende Gegenüberstellung von russischen und französischen Charaktereigenschaften sowie der unterschiedlichen Lebensweise. Großer Höhepunkt ist dann freilich das Finale mit Tschaikowskijs Violinkonzert D-Dur op. 35, bei dem mächtig auf die Tränendrüsen gedrückt und – ähnlich wie im schwedischen Erfolgsfilm „Wie im Himmel“ - die erlösende und befreiende Kraft der Musik gefeiert wird.
TaSKino Feldkirch im Kino Namenlos: bis Donnerstag 11.11.


Na Putu – Zwischen uns das Paradies: Luna und Amar sind ein modernes Paar im heutigen Sarajewo. Sie arbeitet als Flugbegleiterin, er gehört zum Bodenpersonal des Flughafens. Religion spielt in ihrem Leben keine Rolle. Man genießt das Leben, zieht nachts durch die Discos und denkt daran dem bislang unerfüllten Kinderwunsch durch künstliche Befruchtung nachzuhelfen. Zu schaffen macht Amar aber ein Alkoholproblem, das ihn bald den Job kostet. Als Arbeitsloser ist er für neue Angebote offen und, als er zufällig einem Kameraden vom Militär wieder begegnet, nimmt er dessen Einladung in ein Camp zur Computerausbildung an. In eine ganz andere Welt führt Jasmila Zbanic nun nicht nur Amar, sondern auch den Zuschauer, denn das Lager in idyllischer Seenlandschaft entpuppt sich als Trainings- und Schulungsstätte der radikalen Wahhabiten. Als Amar von dort zurückkehrt, ist er völlig gewandelt: Alkohol und Rauchen lehnt er plötzlich ab, ist gegen die zuvor besprochene künstliche Befruchtung und wünscht dafür eine moslemische Hochzeit. – Fremd ist er nun Luna, Gräben tun sich zwischen ihnen auf, die die Beziehung vor eine übergroße Belastungsprobe stellen.
Zu schematisch und schulbuchmäßig mögen die gegensätzlichen Welten gezeichnet sein, zu holzschnittartig speziell die Wahhabiten. Aber Zbanic versteht es, unterstützt von hervorragenden Darstellern, ihre Geschichte konsequent und packend zu entwickeln. Dabei wird die individuelle Identitätssuche ganz selbstverständlich mit dem Gesellschaftlichen verknüpft und am privaten Auseinanderdriften die Zerrissenheit der bosnischen Gesellschaft zwischen  Moderne und konservativem islamischen Denken sichtbar.   
Takino Schaan: Do, 11.11., 20 Uhr; Sa, 13.11. – Mo, 15.11. – jeweils 18 Uhr

Le concert - Das Konzert

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Na Putu - Zwischen uns das Paradies

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