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11.11.2022 |  Gunnar Landsgesell

Black Panther: Wakanda Forever

Fortsetzung von „Black Panther", des ersten Schwarzen Superhelden-Comics aus dem Hause Marvel. Eine gelungene Mischung aus Action und Wokeness, die entschieden durch die Perspektive der Anführerinnen von Wakanda geprägt ist.

Der überraschende Tod von Chadwick Boseman, der 2018 in „Black Panther“ den König T’Challa (und damit den Black Panther) gespielt hatte, brachte in der Fortsetzung des afro-amerikanischen Superhelden-Epos auf erfrischende Weise die Frauen an die Macht – nicht ohne zu Beginn des Films einen Abschied zu inszenieren, dessen Choreografie gleichermaßen der Filmfigur wie Boseman selbst gewidmet ist. Schon hier zeigt sich, dass „Wakanda Forever“ exakt an der Schnittstelle realer politischer Kommentare und der Fantastik des Genres selbst angesiedelt ist. So wird eine UN-Versammlung (in Wien) zum Beleg dafür, wie der Westen mit afrikanischen Staaten umspringt. Im vermeintlichen Moment der Schwäche entsandte Frankreich Soldaten nach Wakanda, doch der neuen Königin Ramonda (expressiv: Angela Bassett) gelingt es nicht nur, das Komplott abzuwehren, sondern Frankreich während der UNO-Versammlung zu demaskieren. Das Spiel zwischen der Verletzlichkeit der nunmehr vorwiegend weiblichen Elite (mit Letitia Wright als Prinzessin Shuri) und den ausgiebigen Kampfszenerien, die dank Vibranium mit ultra-stark-machenden Kräften ausagiert werden, zieht sich durch den gesamten Film. Auf diese Weise gelingt es, die Emotion des Publikums recht geschickt zu steuern und selbst den Superhelden eine spezifische dramatische Note zu verleihen. Überhaupt ist es erstaunlich, wie der afro-amerikanische Regisseur Ryan Coogler (gemeinsam mit Joe Robert) seinen Weg vom dezidierten Realismus seines Erstlingsfilms „Fruitvale Station“ ins Marvel Universum bewältigt hat.

Fresh

Jedenfalls gefällt „Wakanda Forever“ vor allem auch durch seine Schauwerte. Der Film wirkt bis in Details so genau produziert, als wären die Ästhetik und die Prosperität der Bewohner:innen selbst das Narrativ. So stört es auch nicht, dass die eigentliche Geschichte keine besonders komplexe ist (wiewohl mit einer Botschaft versehen). Während „Wakanda“ floriert, taucht ein anderes Volk aus den Tiefen des Meeres auf, das ebenfalls über Vibranium und damit wunderliche Kräfte verfügt. Die Talocani haben blaue Haut und sind einst von der mexikanischen Halbinsel Yucatan in die Tiefen des Meeres migriert, wo sie nun im Verborgenen leben. Mit dem Reden unter Wasser tun sie sich überraschend leicht, reiten gemütlich auf Blauwalen herum, führen aber mit ihrem unversöhnlichen Anführer Namor (Tenoch Huerta) vernichtende Angriffe gegen die Wakanda durch. Namor und Shuri bekämpfen sich in der Art eines verhinderten Liebespaares. Das Wasser, der Begleiter der Talocan-Krieger, wirkt zudem wie eine Anspielung auf die Klimaerwärmung und damit verbundene zerstörerische Extremwetter-Ereignisse. Dass es im Film die Falschen trifft, ist offensichtlich, denn der Konflikt der beiden Staaten verläuft definitiv nicht entlang der postkolonialen Bruchlinien. So erweist sich auch die Fortsetzung von „Black Panther“ als dichtes Geflecht aus politischen Verweisen und einer etwas anders gelagerten Erzählperspektive. War der Film ein großer Publikumserfolg und mehrfach Oscar-nominiert, so sollte die Fortsetzung mit seiner fragil wirkenden Heldin Shuri, die den Black Panther neu zum Leben erweckt, zumindest an diesen Erfolg anschließen. Gemeinsam mit Filmen wie „The Woman King“ wirkt „Wakanda Forever“ neu und frisch, indem bisher ungeahnte Räume besetzt werden. Allerdings kann man diese Filme durchaus in einer Linie mit dem afro-amerikanischen Kino der 1970er-Jahre („Blaxploitation“) sehen, in dem Schwarze Held:innen schon einmal das Terrain vorbereitet haben.

Stark: Angela Bassett als neue Königin Ramonda.

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Funeral Tribute an den verstorbenen Chadwick Boseman.

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Allegorie auf Naturzerstörung: das Unterwasservolk der Talocan

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Rise of the Black Panther – in überzeugender Besetzung.

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