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29.04.2022 |  Gunnar Landsgesell

Downton Abbey II: Eine neue Ära

Zweites Spin-off der Netflix-Erfolgsserie „Downton Abbey": Während dem Adel das Geld ausgeht, hat das anrüchige, aufkommende Filmgewerbe genug davon. Damit treffen Aristos auf Filmcrew, was in „Downton Abbey II" zum Auftakt für eine launige, ironische Begegnung mit geschliffenen Dialogen wird.

Man kann einen Text wie diesen auch einmal mit einem Drehbuchautor beginnen. Im Fall von „Downton Abbey“ ist das berechtigt. Der 72-jährige Baron, Filmschauspieler, Autor und Abgeordnete der Tories im britischen Parlament, Julian Fellowes, hat die Netflix-Serie nicht nur erfunden, sondern sie auf zweierlei Weise geprägt: er beweist eine hervorragende dramaturgische Übersicht für große Ensembles (Fellowes schrieb auch „Gosford Park“ für Altman), für präzise Dialoge sowie ein Gespür für die Umbrüche der Zeit, über die er erzählt. Kein Wunder, dass die erfolgreiche Serie in die sechste Staffel ging. Zugleich ist Fellowes aber als erklärter Konservativer keinesfalls motiviert, den Ruf der Aristokratie zu bekleckern. Moralisch leisten sich die Ladies and Lords niemals einen Fauxpas, im Gegenteil, man bewahrt Haltung, auch wenn es gerade schwerfällt. Das gilt im Übrigen auch für die Angestellten, die noch Ende der 1920er Jahre so diskret und steif ihren Dienst verrichten, als befänden sie sich im tiefsten viktorianischen Zeitalter. Diese noble Fernsehfamilie macht mit ihren kleinen Luxusproblemen auch im Kino gute Figur, womit man beim Thema wäre. Weil den Aristokraten das Geld ausgegangen ist, die Fassade des Schlosses (Highclere Castle) bröckelt und am löchrigen Dachboden bereits die Regeneimer stehen, lässt man die unkultivierten Filmleute aus Hollywood ins Haus. Die haben einen Haufen Geld und kaufen sich für den Dreh auf dem Anwesen ein. Der Wandel der Zeit, das Gefühl von Verlust und die Vorahnung einer neuen Ordnung ist damit als Thema voll etabliert.

Apartes Drama

„Downton Abbey II: Eine neue Ära“ ist bereits das zweite Spin-off der Netflix-Serie und setzt jene Art von Unterhaltung fort, die wohl den Erfolg dieses Projekts ausmacht. Die Dramaturgie ist frei von Skandalen und grellen Effekten, Regisseur Simon Curtis lässt die zwei Welten der Filmleute und Adeligen mit gekonnter Ironie recht sanft aufeinanderprallen. Die Matriarchin der Crawleys, Violet (Maggie Smith) kann ihrem Sohn Robert (Hugh Bonneville) und seiner Frau Cora (Elizabeth McGovern) verkünden, dass sie eine Villa in Frankreich geerbt hat, wodurch ein paar Familiengeheimnisse vor Ort gelüftet werden. Währenddessen kämpft Laura Haddock als Stummfilmstar Myrna Dalgleish mit den Tücken des aufkommenden Tonfilms. Ihre Stimme klingt weit weniger glamourös als es ihre theatralischen Leinwandauftritte sind. Dass ausgerechnet Mary (Michelle Dockery), die zukünftige Herrin in Downtown Abbey, die Texte für den gefeierten Star einspricht, ist eines von zahlreichen Beispielen, wie im Film die zeitlichen Um- und Aufbrüche produktiv verarbeitet werden. „Downton Abbey“ baut himmlische Brücken zwischen den proletarischen Schlossangestellten und dem aus der Arbeiterschaft aufgestiegenen Stummfilmstar. Es gibt amouröse Angebote, die zwar nicht immer angenommen werden, die aber die diskrete Tonalität des Films fortführen. Immer wieder verwebt der Film seine Mikrodramen gekonnt in seinen größeren geschichtlichen Stoff ein, und lässt diesen in feinen Farbspielen schillern. Im zeitgenössischen Kinobetrieb fällt das aparte Historiendrama ohne triefende oder effekthascherische Dramatik zurecht auf.

Wirkt wie Wes Anderson, ist aber ernst gemeint: Die Saga der Crawleys von Downton Abbey geht im Kino weiter.

Wirkt wie Wes Anderson, ist aber ernst gemeint: Die Saga der Crawleys von Downton Abbey geht im Kino weiter.

Maggie Smith als Matriarchin: Bemerkenswert, auf welche präzise wenngleich unkritische Weise der Torie-Abgeordnete Julian Fellowes dieses Aristokratenporträt entworfen hat.

Maggie Smith als Matriarchin: Bemerkenswert, auf welche präzise wenngleich unkritische Weise der Torie-Abgeordnete Julian Fellowes dieses Aristokratenporträt entworfen hat.

Downton Abbey erzählt auf sanfte Weise, wie die Zeiten sich ändern. Auch für den Stummfilmstar (Laura Haddock), die mit dem aufkommenden Tonfilm zu kämpfen hat.

Downton Abbey erzählt auf sanfte Weise, wie die Zeiten sich ändern. Auch für den Stummfilmstar (Laura Haddock), die mit dem aufkommenden Tonfilm zu kämpfen hat.

Die Angestellten bewahren Haltung, hier wird eine Britishness bis ins Untergeschoss zelebriert.

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  • Wirkt wie Wes Anderson, ist aber ernst gemeint: Die Saga der Crawleys von Downton Abbey geht im Kino weiter. Wirkt wie Wes Anderson, ist aber ernst gemeint: Die Saga der Crawleys von Downton Abbey geht im Kino weiter.
  • Maggie Smith als Matriarchin: Bemerkenswert, auf welche präzise wenngleich unkritische Weise der Torie-Abgeordnete Julian Fellowes dieses Aristokratenporträt entworfen hat. Maggie Smith als Matriarchin: Bemerkenswert, auf welche präzise wenngleich unkritische Weise der Torie-Abgeordnete Julian Fellowes dieses Aristokratenporträt entworfen hat.
  • Downton Abbey erzählt auf sanfte Weise, wie die Zeiten sich ändern. Auch für den Stummfilmstar (Laura Haddock), die mit dem aufkommenden Tonfilm zu kämpfen hat. Downton Abbey erzählt auf sanfte Weise, wie die Zeiten sich ändern. Auch für den Stummfilmstar (Laura Haddock), die mit dem aufkommenden Tonfilm zu kämpfen hat.
  • Die Angestellten bewahren Haltung, hier wird eine Britishness bis ins Untergeschoss zelebriert. Die Angestellten bewahren Haltung, hier wird eine Britishness bis ins Untergeschoss zelebriert.