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29.09.2016 |  Walter Gasperi

Findet Dorie

13 Jahre nach „Findet Nemo“ legt Pixar/Disney eine Fortsetzung vor. Auch mit „Findet Dorie“ wird flotte, familiengerechte Unterhaltung geboten, aber die Überraschungen halten sich in Grenzen.

„Surprise me!“ war die Forderung des Gourmetkritikers Anton Ego im Pixar-Film „Ratatouille“ (2007) an den Küchenchef und zu überraschen vermochte auch das Animationsstudio Zuschauer und Kritiker seit „Toy Story“ (1995), dem ersten vollständig am Computer animierten Langfilm, immer wieder.

Pixars Wunderwelten

Während Hollywood bei den Realfilmen in den letzten Jahren mit Sequels, Remakes und standardisierten Mustern langweilte, schufen Pixar und andere Animationsstudio stets neue Welten und verliehen ihren animierten Figuren eine Gefühlstiefe, die die der realen Schauspieler oft übertraf. Von der zerstörten Erde in „Wall E“ (2008) über den berührenden „Oben“ (2009) bis zur fantastischen Reise durch die Psyche eines Mädchens in „Inside Out – Alles steht Kopf“ (2015) spannte sich der Bogen. Weniger Tiefgang hatte zwar „Findet Nemo“ (2003) vermochte aber mit seiner gefühlvollen Familiengeschichte, seiner knallbunten Meereswelt und erzählerischem Einfallsreichtum auch bestens zu unterhalten.

Nemo reloaded

Der Überraschungseffekt fällt nun bei „Findet Dorie“ aber weg, denn die orangen Clownfische Marlin und sein Sohn Nemo kennt man ebenso schon wie den blauen Paletten-Doktorfisch Dorie. War Dorie in „Nemo“ ein Sidekick, der für Witz sorgte, steht sie hier im Zentrum. Obwohl sie an Amnesie leidet, kann sie sich plötzlich dunkel erinnern, dass ihre Eltern an der Küste von Kalifornien lebten. So macht sie sich gemeinsam mit Marlin und Nemo auf die Suche und wie sie im Vorgängerfilm Schildkröten mit dem ostaustralischen Strom nach Sidney brachten, so bringen sie nun Schildkröten mit dem Kalifornienstrom an die Westküste der USA.
In 3D wird das nun freilich alles geboten, aber wie diese Szene zeigt, halten sich die Regisseure Andrew Stanton und Angus MacLane mit ihrem Team sehr nahe an „Findet Nemo“. Gewohnt detailreich und technisch perfekt ist das zwar gemacht, bleibt aber an visuellem und erzählerischem Einfallsreichtum deutlich hinter anderen Pixar-Filmen zurück. Gering bleiben die Variationen in der Story, wenn als Schauplatz an die Stelle des Aquariums eines Zahnarztes in „Nemo“ ein meeresbiologisches Institut tritt.

Der Wert der Familie

In der leicht überschaubaren Geschichte, in dem im Vergleich zu Filmen wie „Inside Out“ gedrosselten Erzähltempo, aber auch im Verzicht auf einen doppelten Boden ist „Findet Dorie“ sehr kindgerecht angelegt. Großartig freilich ist schon wieder, wie die Macher es verstehen, diese Fische mit Emotionen aufzuladen, ihnen Menschlichkeit einzuhauchen, sodass man mit ihnen mitfühlt. Fast penetrant wird zwar der Wert der Familie betont, interessant wird das gewohnt leichthändig zwischen Spannung und Witz balancierende Animationsabenteuer aber, wenn man auf die Figurenzeichnung blickt.

„Was du willst, schaffst du!

Denn hier hat nicht nur die an Amnesie leidende Dorie mit einer Behinderung zu kämpfen, sondern auch ein siebenarmiger Octopus – gewissermaßen ein Septopus -, ein kurzsichtiger Walhai oder ein Beluga, dessen Echolot defekt ist. Jedes Selbstbewusstsein fehlt diesen Tieren. Sie wollen lieber im sicheren Aquarium dahinvegetieren als den Schritt in die Freiheit zu wagen, bis sie sich gegenseitig motivieren.
Ganz unaufdringlich und organisch aus der Handlung heraus wird so nicht nur für Akzeptanz von Menschen mit Behinderung plädiert, sondern auch die Betroffenen selbst werden aufgemuntert und aufgefordert, sich trotz Defiziten nicht zu verkriechen, sondern sich ihren Schwächen zu stellen, sie selbstbewusst zu akzeptieren und sich auf ihre Stärken zu besinnen: „Was du willst, schaffst du!“, lautet folglich auch das zentrale Motto.

 

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