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02.03.2009 |  Walter Gasperi

Hexe Lilli - Der Drache und das magische Buch

Nach seinem Oscar-Erfolg mit „Die Fälscher“ hat Stefan Ruzowitzky erstmals ein Kinderbuch verfilmt. Knallbunt und an der Oberfläche durchaus unterhaltsam ist die Hexengeschichte, aber leider zu sehr verliebt in Zaubertricks und Special-Effects.

Der Montafoner Pfarrer Eberhard Amann hätte mit diesem Film so wenig Freude wie mit Harry Potter. Auch wenn der böse Zauberer mit Hieronymus einen im wahrsten Sinne des Wortes heiligen Namen trägt, spielen Christentum und Katholizismus in den millionenfach verkauften Büchern der „Hexe Lilli“-Serie von Ludger Jochmann, der unter dem Pseudonym Knister schreibt, keine Rolle. Weil es hier um nichts anderes als Hexerei gehen kann, muss es auch in Stefan Ruzowitzkys Verfilmung darum gehen.

Längst schon strebt der böse Zauberer Hieronymus, unterstützt vom Mops Serafim, nach der Weltbeherrschungsmaschine, hat aber keine Chance gegen Hexe Surulanda. Weil diese sich aber im auch in Zeiten der Erhöhung des Pensionsantritts kaum erreichbaren Alter von 427 Jahren zur Ruhe setzen will, muss eine Nachfolgerin gesucht und gefunden werden. Zur Erfüllung dieses Auftrags wird Drache Hektor mit dem Hexenbuch auf den Weg geschickt. Völlig unvermutet landet er im Dachzimmer der etwa zehnjährigen Lilli, die sich zwar als geeignete Nachfolgerin Surulandas erweist, aber im Zauberer Hieronymus auch einen bösen Widersacher hat.

Reizvoll ist die Ausgangssituation, Einiges an Potential bietet die Story, doch Ruzowitzky verschenkt das Meiste zugunsten von Zaubertricks und Special-Effects. Nicht die kleine Lilli ist der Star des Films, sondern vielmehr der computeranimierte, knuddelige Drache Hektor, dem der deutsche Kabarettist Michael Mittermeier die Stimme leiht. Dieses ebenso pummelige wie liebenswerte Kerlchen, das Kinder sicher rasch ins Herz schließen - und so auch den Verkauf der entsprechenden Spielzeugfigur ankurbeln - werden, ist nicht nur von Beginn an präsent, sondern hat auch die einprägsamsten Szenen, sei es dass es Flugversuche startet, sich in seiner Gefräßigkeit das größte Tortenstück in sein Maul schiebt oder im Kühlschrank oder Marmeladeglas festsitzt.

Lilli (Corinna Mehner) darf daneben zwar hexen, darf die Schule fluten, ihr Zimmer durch Affen und Ziegen in Unordnung bringen lassen und am Ende gar die Welt vor dem bösen Zauberer retten, aber ihr Alltag kommt entschieden zu kurz. Kurzlebige Effekte stehen im Vordergrund, nur angerissen wird aber Lillis Verliebtheit in einen Mitschüler, ihre nicht gerade einfache Beziehung zu ihrem jüngeren Bruder Leon oder ihre familiäre Situation insgesamt.

Im Plot wird dann eine James Bond-Story auf Kinderniveau heruntergebrochen. Der Superverbrecher ist hier der Zauberer, der aber in seiner Dämlichkeit nur als Karikatur eines Bösewichts funktioniert. Lilli als Bond-Ersatz muss ihn mit ihren Freunden beim Streben nach der Weltherrschaft aufhalten, wobei ein großer Showdown mit einer spektakulären Hypnotisierungs-Maschine – Dr. Mabuse lässt grüßen – nicht fehlen darf.

Verwundern kann diese Verlagerung auf die oberflächliche, universell – oder zumindest im ganzen westlichen Kulturraum - zu verkaufende Unterhaltung kaum, wenn man weiß, dass der amerikanische Konzern Walt Disney dahinter steckt. Ein Angebot, dabei Regie zu führen, konnte wohl auch Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky nicht ausschlagen.

Für Disney hat Ruzowitzky nun wohl einen sauberen Job erledigt. Die Handlung plätschert munter dahin, Leerlauf gibt es nicht, und die knallbunten Farben der Kostüme des ersten Teils, die Lebensfreude ausstrahlen, stehen in starkem Kontrast zum trostlosen Grau der für kurze Zeit vom bösen Zauberer beherrschten Welt. Reminiszenzen an den Nationalsozialismus und „Die Fälscher“ kann man da im Betonen von Ordnung und Uniformität auch sehen, aber leider wird dieser Gegensatz von kindlicher Fantasie und Spielfreude und Versinken in monotonem automatisiertem und einzig auf Profit ausgerichtetem Alltag – ein Kontrast, für den auch Michael Endes „Momo“ Pate gestanden haben könnte – nicht wirklich ausformuliert, sondern nur angerissen und als Hintergrund für die Rettungsaktion in letzter Minute eingesetzt.

Mit Filmende zerplatzt so dann auch die flotte Hexerei wie eine Seifenblase, wie Fastfood oder Popcorn. – Viel Spektakel, aber wenig Gehalt wurde geboten, aber kein Bezug zur Lebenswelt der Kinder und unter der effektvollen Verpackung wird die große Leere sichtbar.

 

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