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24.03.2016 |  Gunnar Landsgesell

Mein ein, mein alles

Eine wilde Liebe, ein Film von ungeheurer Intensität und zwei Figuren, an denen man sich reiben kann: "Mon roi" von Regisseurin Maiwenn mit Vincent Cassel und Emmanuelle Bercot als Schlachtteilnehmer.

Wenn Liebe das Zusammenfinden zweier Menschen bedeutet, dann erzählt „Mon roi“ / „Mein König“, wie der bewusst ironisch gehaltene Originaltitel heißt, dass das nur ein Aspekt einer Beziehung ist. Wo alles zusammenstrebt, folgt bald die Explosion. Vincent Cassel („La haine“), Spezialist für extravertierte Rollen, küsst die Welt oder reißt ihr den Arsch auf, je nachdem, ob sie macht, was er will. Georgio (Cassel) gefällt sich als gealterter Playboy, der glaubt, nun eine Familie zu gründen, weil er seinen Narzissmus von früher abgelegt hat. Dazu hat er sich eine Frau ausgesucht, die ihm ganz anders als seine Model-Freundinnen von früher erscheint, nämlich ganz normal. Marie-Antoinette (Emmanuelle Bercot) findet Gefallen an der Impulsivität von Georgio, Sex in der Großküche und verrückte Einfälle halten den Alltag der Juristin fern. Die verrückte Liebe wird aber bald schon zur Nervensache. Wenn Marie sich entzieht, retardiert Georgio zum kleinen Kind, das um sich schlägt. Die Narben, die er bei Marie hinterlässt, heilen kaum bis zur nächsten Verwundung. Regisseurin Maiwenn inszeniert einen Liebesreigen als Schlacht, in der jeder Sieg mit Opfern verbunden ist. Mit einer physischen Verletzung durchbricht Maiwenn auch immer wieder das Geschehen, das sich über zehn Jahre spannt. In mehrfachen Einschüben ist Marie nach der Beziehung zu sehen, nun in einer Rehab-Klinik, wo sie nach einem Schiunfall versehrt gelandet ist – und ihr Knie repariert. Die Stimmung gestaltet sich hier ganz anders, die Sorge gilt nun der eigenen Körperlichkeit. In einer kleinen Runde französischer und arabischer Jugendlicher aus den Banlieues findet sie jene Unabhängigkeit und jenen Respekt, die sie zu zweit vermisste.

Intensität und Präzision


„Mon roi“ ist der vierte Film, den die Schauspielerin Maiwenn Le Besco inszeniert. Nach dem adrenalingetriebenen „Poliezei“ („Polisse“) zeigt sich, welche die künstlerische Sprache von Maiwenn ist: Wieder liegt es ihr daran, ihre Geschichte mit ungeheurer Wucht und einer Intensität zu erzählen, die entfernt an Filme von Jacques Audiard („Un prophet“) erinnern. Mit Vincent Cassel fand sich ein Schauspielertyp, an dem man sich reiben kann, der das Manipulative seiner Rolle spürbar bis ins Publikum trägt. Dem Getöse dieses Mannes setzt Maiwenn aber in der Figur von Emmanuelle Bercot (die auch selbst als Regisseurin arbeitet) einen Blick entgegen, der auf die weibliche Regie zurückverweist. Hier lässt sich ganz präzise beobachten, wie sich die Figur der Marie-Antoinette verändert, während Georgio auch am Ende noch glaubt, Territorien und andere Menschen erobern zu müssen. Das schöne an diesem Film ist, dass er seinem Publikum den Raum gibt, diese Beziehung selbst zu beurteilen und das Geschehen weitgehend offen hält.

Cassel, Bercot: manipulativ, exzessiv, depressiv - Verluste eingeplant.

Cassel, Bercot: manipulativ, exzessiv, depressiv - Verluste eingeplant.

Ex-Playboy, der noch immer von Narzissmus und Bubengehabe getrieben wird.

Ex-Playboy, der noch immer von Narzissmus und Bubengehabe getrieben wird.

Eine Frau (Bercot), die sich nicht lösen kann. Die Juristin, die Bercot hier spielt, merkt man ihr allerdings selten an.

Eine Frau (Bercot), die sich nicht lösen kann. Die Juristin, die Bercot hier spielt, merkt man ihr allerdings selten an.

Maiwenn Le Besco, Schauspielerin und formidable Regisseurin mit dem Hang zum Exzess.

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  • Eine Frau (Bercot), die sich nicht lösen kann. Die Juristin, die Bercot hier spielt, merkt man ihr allerdings selten an. Eine Frau (Bercot), die sich nicht lösen kann. Die Juristin, die Bercot hier spielt, merkt man ihr allerdings selten an.
  • Maiwenn Le Besco, Schauspielerin und formidable Regisseurin mit dem Hang zum Exzess. Maiwenn Le Besco, Schauspielerin und formidable Regisseurin mit dem Hang zum Exzess.