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16.09.2022 |  Gunnar Landsgesell

Ticket ins Paradies

George Clooney und Julia Roberts als Ex-Paar, das sich nicht riechen kann, aber auf Bali eine Zweckallianz schließt, um die Hochzeit ihrer Tochter mit einem Bauernsohn zu verhindern – Wohlfühlkomödie und Star-Vehikel nach bewährtem Muster.

Ehekrieg – ein recht antiquierter Begriff, wenn es um Ehepaare im Film geht, die sich schon lange nichts mehr zu sagen haben, es aber dennoch tun. Gerade deshalb passt der Begriff auch für das Paar, das der mittlerweile ergraute George Clooney und Julia Roberts in „Ticket to Paradise“ spielen. Die beiden sind bereits zu Beginn des Films getrennt, dennoch sucht das Drehbuch jede Gelegenheit, um sie zum Amüsement des Publikums wieder zusammenzuführen. Zuerst zum Abschluss des Jus-Studiums ihrer Tochter Lily (Kaitlyn Dever), dann, weil sich diese auf Bali in einen Algenfarmer verliebt hat und ihr restliches Leben lieber im Holzhaus zwischen Palmen eine Familie großzieht als in schmucklosen Gerichtssälen Klienten zu vertreten. Die Kamera pflichtet ihr bei, setzt schwelgerisch Palmen, Strände, Meer ins Bild, während Clooney und Roberts anreisen, um die Ehe zu verhindern. Deren simple Logik: Es habe ja bei ihnen auch schon nicht funktioniert. Auch wenn die beiden keine moderne Version von Spencer Tracy und Katharine Hepburn werden (es fehlt die Chemie), so scheint Clooney an der Rolle des zynischen Grantlers durchaus Gefallen zu finden, während Roberts eine Frau spielt, der man mit der Vergangenheit nicht mehr zu kommen braucht. Sie hat sich ihre eigene Version über die gescheiterte Ehe zurechtgelegt. Ein französischer Pilot, ewig gut gelaunt, tröstet sie darüber hinweg.

Ein heiteres Bild

Konventioneller als „Ticket to Paradise“ lässt sich eine Hollywood-Komödie nicht inszenieren. Schon nach wenigen Minuten sind die Rollen so klar verteilt, dass es kaum noch zu Missverständnissen kommen kann. Tochter Lily und ihr neuer Freund in Bali geraten dabei ebenso zur Kulisse wie die schöne Inselwelt von Bali selbst, in der die beiden fortan bleiben wollen. So rollt sich die romantische Komödie in erster Linie in Form eines Starvehikel, das ganz auf Clooney und Roberts zugeschnitten ist, aus. Man zankt sich mal wie Katz und Maus, um dann gemeinsam und scheinbar widerwillig das bevorstehende Ehezeremoniell zu hintertreiben. Das alles ist durchaus unterhaltsam, ebenso wie ein Urlaub in einer Postkartenidylle. Regisseur Ol Parker („Mamma Mia“) hält die Handlung so glatt wie die Meeresoberfläche des Morgens, und er weiß auch, wie er dennoch ein paar Emotionen abholt. Die Großfamilie aus Bali gibt mit lustigen Ritualen und farbenfroher Ethno-Bekleidung ein heiteres Bild ab, sodass am Ende auch die Misanthropie Clooneys verraucht, während Julia Roberts sich in Selbstkritik übt. Beim Beer-Pong-Spiel lassen es die Alten dann emotional richtig krachen. George verschwitzt sein Hemd und zeigt verwegene Tanzgrooves vor der Kamera, Julia lacht sich schief. Und die Jungen, die während des gesamten Films über ihre eigene Entscheidung keinerlei Zweifel hegen, finden das nur befremdlich. Es ist allerdings schon auch befremdlich, dass ein Film über diese Generation – über das kaltschnäuzig behauptete Beziehungsglück zwischen der angehenden Anwältin und dem smarten Algenfarmer hinaus – kaum etwas zu sagen hat. So wird dieser Film selbst auch das Opfer seiner eigenen Behauptung, dass man auf Bali leicht sein Glück findet. Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf und man selbst wurde dabei auf durchaus angenehm leichte Weise unterhalten.

Traumhochzeit mit Tücken: Die Eltern kommen, um das zu verhindern. Auf Clooney und Roberts ist diese Komödie zugeschnitten.

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Achtung, die Alten im Anmarsch. Auf der Insel machen sie genau das, was man von ihnen erwartet.

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Teils hoher Exotikfaktor im Paradies

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Romantik wird in "Ticket ins Paradies" nicht unbedingt neu definiert.

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