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06.09.2013 |  Gunnar Landsgesell

White House Down

Einmal mehr muss das Weiße Haus vor Terroristen gerettet werden. Einmal mehr von einem Mann, der zuerst verkannt wurde und durch persönlichen Einsatz zum Vorzeigebürger gerät Neu ist das alles nicht, eigentlich sogar ziemlich lahm.

Mann (Channing Tatum als Cale) bewirbt sich als Leibwächter des US-Präsidenten, wird abgelehnt, schließlich aber doch noch zur Lichtgestalt im Moment der Katastrophe. Bei einem Terrorangriff geleitet er, bar jeder Unterstützung, den Präsidenten durch die Wirren des von Mördern und Granaten verwüsteten Weißen Hauses. Mit dem braven Burschen Cale begegnet einem im US-Kino wieder einmal das Motiv des verkannten Menschen. Jene böse Macht, die die menschlichen Qualitäten des verkannten Individuums nicht anerkennen will ist nicht selten ein normativer Apparat, hier der Sicherheitsapparat des Weißen Hauses selbst. In „White House Down“ tritt der Apparat, als kleine Pikanterie, in Person der Ex-Lebensgefährtin von Cale auf: Finnerty (Maggie Gyllenhaal) hat Cale als unzuverlässig in Erinnerung, während es ihm nicht gelingt, ihr – noch so ein US-Motiv: der gewandelte Mensch – seine neue Persona glaubhaft zu vermitteln. Geknickt schleicht er davon. Beste Voraussetzungen also für ein Heldenepos, das in seiner Version „kleiner Mann zeigt wahres Potenzial“ am besten funktioniert. Und um Cale noch eins auf die Schnauze zu geben, wird er doppelt und dreifach als Verlierer ausgewiesen. Seine Tochter, ein Trennungskind, das nicht gut auf ihren Wochenend-Paps zu sprechen ist, hat aus unerfindlichen Gründen eine besondere Passion für das Weiße Haus. Um ihr nicht die Wahrheit beichten zu müssen, nimmt Cale sie auf eine exklusive Besuchertour dorthin mit. Das ist auch der Zeitpunkt, um das White House schließlich zum Kulminationspunkt sämtlicher unterdrückter Bedürfnisse zu machen. Als die Söldner in das Oval Office eindringen und die Bomben explodieren, sich James Woods zudem als gar nicht verlässlicher Sicherheitsbeauftragter des Präsidenten erweist, hat Cale seinen großen Auftritt. Touchdown: er schützt den Präsidenten in einer Art One-Man-Show.

 

Eine Prise Revanchismus

Unter der Leitung von Roland Emmerich setzt sich die Erzählung nicht minder formelhaft fort. Die kleinen Komplikationen so einer Rettung mit all ihren flachen Gags, Gewalteinlagen, pseudopolitischen Anspielungen (das Militär ein Haufen von Duckmausern!) und geliehenen Emotionen wirken dann überraschend lustlos abgespult. Im Vergleich zum unlängst angelaufenen „Olympus Has Fallen“, der eine fast idente Geschichte – nur mit einem weißen Präsidenten und Nordkoreanern als Gefahrenquelle – wirkt Emmerichs Inszenierung regelrecht lahm. Das liegt vielleicht daran, dass er sich stärker sozialen Beziehungen zuwenden wollte. Tatsächlich versteht sich Emmerich darauf deutlich weniger gut als sein deutscher Hollywood-Kollege Wolfgang Petersen. Emmerich fühlt sich in kühlen, monströsen Zerstörungsdramaturgien wie in „2012“ deutlich sicherer an.

Einzig die halbwüchsige Tochter des Helden beschert Lichtblicke. Sie kombiniert präzise wie in einem Detektivfilm und erweist sich zudem als Social-Media-affin. Mit einem Handy-Clip, den sie unter Lebensgefahr aus ihrem Versteck im Weißen Haus ins Netz überspielt, kann sie die Täter outen. Später wird sie mit einer US-Fahne am Rasen des Weißen Hauses gesichtet, ein Medienstar, der nicht nur durch Taten, sondern sein Verständnis der Regeln unserer Welt umzugehen weiß. Für ihren Vater bleibt der handwerkliche Part: Er geleitet den schwarzen Präsidenten (Jamie Foxx) geschickt durch die Wirren des Weißen Hauses, immer auf seine Rehabilitation bedacht. Dass das Publikum auch eine Prise Revanchismus in seine Akklamation für diesen derart gedemütigten Mann mischt, darf als Teil des filmischen Konzepts verstanden werden.

Black Hawk Down, oder so ähnlich. Der Krieg zieht im Weißen Haus ein.

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Channing Tatum kann ihn stoppen. Als fast Einziger.

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Präsidentenrettung (Jamie Foxx) durch beherzten Bürger.

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Maggie Gyllenhaal tut es nachher leid, diesen Mann für den Sicherheitsdienst abgelehnt zu haben. Aber da ist er schon ein Held.

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