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28.01.2010 |  Walter Gasperi

Aktuell in den Filmclubs (1.2. - 7.2. 2010)

Iris: Die 1919 geborene Iris Murdoch zählte zu den renommiertesten britischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. 1978 wurde sie mit dem Booker-Preis ausgezeichnet. Doch erkrankte gerade diese Frau, die so viel Wert auf das Wort und den Verstand legte, an Alzheimer.
Richard Eyres Film setzt mit einer Ehrung für Murdoch ein und führt dann bald zur Diagnose Alzheimer. Immer wieder schneidet Eyre in diese Szenen des Alters und Verfalls aber Momente der Jugend, ihrer Unbekümmertheit und Lebensfreude und lässt so, das was ist, mit dem, was war, zusammenstoßen. Eindringlich werden so die Vergänglichkeit und die Hinfälligkeit des Lebens, aber auch seine Schönheiten, gerade angesichts des Verfalls sichtbar. – „Carpe diem!“, sagt dieser Film.
Das Leben Murdochs zeichnet Eyre dabei nicht nach, berufliche Erfolge interessieren ihn nicht. Der Fokus liegt vielmehr ganz auf der Beziehung von Iris zu John Bayley, den sie in der Studentenzeit als leicht stotternden Tollpatsch kennenlernte und in den sie sich verliebte. - Bis zu ihrem Tod wird Bayley Iris pflegen.
So erzählt Eyre auch eine große Liebesgeschichte, erzählt davon, wie einzig die Liebe bleibt. – Rund und schwungvoll, am Beginn sogar ungemein dynamisch ist das inszeniert, kunstvoll in der Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart, und natürlich phantastisch gespielt von Judi Dench als alte Iris, hervorragend kontrastiert von Kate Winslet als junge lebensfrohe Studentin, und Jim Broadbent als alter John Bayley.
Das ist emotional mitreißend, aber eben auch sehr kalkuliert, wie am Reißbrett entwickelt und mit den Emotionen des Zuschauers – nicht zuletzt durch exzessive Streichermusik - spielend, eher auf dramatische Szenen schielend als wirklich den Alltag schildernd. Und auch in der realistischen Schilderung der Entwicklung der Krankheit kann dieser Film mit beispielsweise Andreas Kleinerts „Mein Vater“ nicht mithalten. Aber sorgfältig gemachtes großes Gefühlskino bietet „Iris“ allemal.
Spielboden Dornbirn: Mi, 3.2. und Fr, 19.2. – jeweils 20.30 Uhr


Erzähl mir was vom Regen: Mit den geschliffenen Gesellschaftskomödien „Le gout des autres“ und „Comme une image“ haben sich das Paar Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri, die zuvor als Drehbuchautoren vor allem für Alain Resnais arbeiteten, auch als eigenständige Filmemacher einen Namen gemacht. Mit „Erzähl mir was vom Regen“ setzen sie diese Richtung fort: Im Mittelpunkt steht der dilettantische Filmemacher Michel (Jean-Pierre Bacri), der mit der feministischen Schriftstellerin und angehenden Politikerin Agatha Villanova (Agnes Jaoui), ein filmisches Porträt drehen will. Als Gehilfen und Kameramann hat er sich den algerischstämmigen Karim geholt, der an der Rezeption eines Hotels jobbt, aber vom Filmemachen träumt. Von Michels Unfähigkeit weiß er nichts, kennt aber die Interviewpartnerin seit seiner Kindheit, da seine Mutter in dieser Familie als Haushälterin arbeitete.
Während Karim auf die Villanovas schlecht zu sprechen ist, weil sie seine Mutter und ihn als Migranten  immer abschätzig behandelten, erhofft sich die publicitysüchtige Agatha vom geplanten Film eine Steigerung ihrer Popularität. Gleichzeitig bieten Michel die Dreharbeiten die Möglichkeit, seiner Geliebten nahe zu sein, hat er doch eine Affäre mit Agathas verheirateter Schwester.
In teilweise fast bühnenhaft gestalteten Szenen decken Jaoui/Bacri in starken Dialogen wie schon in ihren bisherigen Filmen menschliche Schwächen und Fehler auf, verzichten aber auch nicht auf recht platte Situationskomik. Das ist elegant und ohne Schnörkel inszeniert und zumal von Bacri lustvoll gespielt, aber so richtig zünden will der Funke nicht, da „Erzähl mir was vom Regen“ in der Genauigkeit der Beobachtung von Figuren und Situationen doch hinter den bisherigen Filmen des Duos zurückbleibt. 
Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Mi, 3.2., 20 Uhr; Fr, 5.2., 22 Uhr
FKC Dornbirn in den Weltlichtspielen Dornbirn: Do, 18.2., 19.30 Uhr; Fr, 19.2., 21.30 Uhr


El Sistema: Vor mehr als dreißig Jahren begann der Ökonom, Politiker und Musiker José Antonio Abreu in Venezuela das "Sistema" - ein Netzwerk von Kinder- und Jugendorchestern und Musikzentren zu errichten, in dem heute über 300.000 Kinder und Jugendliche ein Instrument erlernen. Die Regisseure Paul Smaczny und Maria Stodtmeier erzählen die Erfolgsgeschichte des Netzwerkes aus der Sicht der Schüler, Lehrer und Eltern.
Die Kritik äußerte sich weitgehend begeistert über diesen Film. Wolfgang Hamdorf meint im „Filmdienst“: „Mitreißend von einer konkreten Utopie und ist zutiefst menschlich und optimistisch gerade weil er den Hintergrund von Gewalt und Hoffnungslosigkeit, in dem viele der jungen Musikschüler aufwachsen, gegenwärtig hält. Dabei unterscheidet er sich wohltuend von Beispielen jenes sozialen Voyeurismus, wie er sonst oft die Darstellung lateinamerikanischer Elendsviertel charakterisiert. Dem scheinbar unabänderlichen Rhythmus von Drogen, Gewalt und Verwahrlosung setzt er ein neues Lied entgegen." Und laut Peter Gutting (kino-zeit.de) entfaltet der Film eine Kraft und Lebensfreude, die an den thematisch ähnlichen, höchst erfolgreichen ‚Rhythm Is It!’ (mehr als 600.000 Besucher in einem Jahr) erinnert. Vielleicht wird er ja ein vergleichbarer Publikumsmagnet. Und vielleicht wird man diese staunenden Kinderaugen lange im Gedächtnis behalten. Denn dann glaubt man all das eigentlich Unglaubliche, wovon dieser Film handelt."
FKC Dornbirn in den Weltlichtspielen Dornbirn: Do, 4.2., 19.30 Uhr; Fr, 5.2., 21.30 Uhr

 

Iris

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Erzähl mir was vom Regen © Filmladen Filmverleih

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