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13.10.2021 |  Markus Barnay

Heilige Berge und böse Ketzer - 5. Montafoner Gipfeltreffen zum Thema „Religion in den Bergen“

Was haben der Olymp, der Uluru, der Fudschijama und der Berg Zion gemeinsam? Sie gelten als heilige Berge – oder zumindest als wichtige Projektionsflächen für religiöse Vorstellungen. Sie wurden oder werden verehrt und gefürchtet, angebetet oder glorifiziert. Und was unterscheidet die heiligen Berge in aller Welt voneinander? In erster Linie, dass sie auf verschiedenen Kontinenten stehen – und vor allem, dass es ganz unterschiedliche Religionen sind, in denen diese Berge eine wichtige Rolle spielen. Es liegt also offenbar nicht an der Religion, wenn Berge mystifiziert werden – sondern an den Bergen.

Was haben der Olymp, der Uluru, der Fudschijama und der Berg Zion gemeinsam? Sie gelten als heilige Berge – oder zumindest als wichtige Projektionsflächen für religiöse Vorstellungen. Sie wurden oder werden verehrt und gefürchtet, angebetet oder glorifiziert. Und was unterscheidet die heiligen Berge in aller Welt voneinander? In erster Linie, dass sie auf verschiedenen Kontinenten stehen – und vor allem, dass es ganz unterschiedliche Religionen sind, in denen diese Berge eine wichtige Rolle spielen. Es liegt also offenbar nicht an der Religion, wenn Berge mystifiziert werden – sondern an den Bergen.

„Unvergleichbar in Tiefe und Dimension“

Das Thema „Religion in den Bergen“ steht im Mittelpunkt des bereits fünften Montafoner Gipfeltreffens, das im Oktober in Schruns stattfinden wird. Und zur Debatte stehen da natürlich nicht nur Berge als Orte, mit denen religiöse Vorstellungen verbunden werden, sondern auch die Frage, inwiefern sich in gebirgigen Landschaften besondere Spielarten von Religion herausbildeten – etwa, weil sich dort auch Rückzugsorte für Gruppen fanden, die wegen ihrer religiösen Orientierung verfolgt wurden. „Berge haben für viele Religionen eine herausragende Bedeutung“, sagt Robert Rollinger, Professor für Alte Geschichte und Altorientalistik an der Universität Innsbruck, der das Programm des Montafoner Gipfeltreffen federführend zusammenstellte. Rollinger ist auch hörbar stolz auf die geographische, zeitliche und inhaltliche Breite der Vorträge: Sie reichen vom Schamanismus in Chile bis zu Bergerfahrungen „im Spiegel der japanischen Literatur“, von der Mythologie der Sumerer bis zur Votivbilder-Kultur in Westösterreich und von der Tibetologie bis zur Kunstgeschichte. „Ich kenne nichts Vergleichbares in der Dimension und Breite“, meint der gebürtige Bludenzer, der das Konzept des „Gipfeltreffens“ gemeinsam mit Andreas Rudigier, dem Direktor des vorarlberg museums, entwickelte. 

Die ÖAW ist mit an Bord

Die von den Montafoner Museen durchgeführte Veranstaltung hat heuer neben dem Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik der Universität Innsbruck und dem vorarlberg museum noch einen prominenten Kooperationspartner: Die Österreichische Akademie der Wissenschaften beteiligt sich nicht nur an den Kosten, sondern ist auch personell präsent: Die Archäologin Sabine Ladstätter leitet unter anderem die Grabungen in Ephesos, Österreichs größtem Wissenschaftsunternehmen im Ausland. Sie stellt eine der Grundsatzfragen des diesjährigen Gipfeltreffens: „Waren die Berge heilig?” Ihr Kollege Bert Fragner leitete bis zu seiner Pensionierung das Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und ist unter anderem Islamwissenschafter. Als solcher beleuchtet er die Polemik eines mittelalterlichen islamischen Staatsmannes gegen die „bösen Ketzer in Bergen und Schluchten“.

Von Ketzern, Schamanen und Radikalen

„Ich bin froh, dass auch Regionen wie Afrika auf dem Gipfeltreffen vertreten sind“, sagt Robert Rollinger, „denn die werden bei wissenschaftlichen Tagungen oft vergessen“. Gemeint ist in dem Fall ein Vortrag über die orthodoxe Kirche Äthiopiens. Aber auch andere Regionen, von denen die Rede sein wird, wie das Siedlungsgebiet der Lakota Sioux in den USA, dasjenige der Mapuche in Chile oder das Uraträische Reich rund um den Van-See in Kleinasien stehen nicht gerade häufig im Fokus der Wissenschaft. Für regionalhistorisch Interessierte gibt es aber auch genügend Inspiration: Der ehemalige Direktor des Landesarchivs, Alois Niederstätter, beschreibt „Die pfarrliche Erschließung der Gebirge“, sein Kollege Manfred Tschaikner den „Schamanismus im Bodenseeraum“ und der Historiker und Theologe Mathias Moosbrugger widmet sich wieder einmal der „Radikalen Reformation im Bregenzerwald“, also der erwähnten Täufer-Bewegung. Ob all das wirklich stattfinden darf, bedarf allerdings möglicherweise der Fürsprache eines gütigen Berggottes oder einer anderen höheren Instanz – und wird erst nach Erscheinen dieser KULTUR entschieden.

Markus Barnay ist Redakteur des ORF Landesstudios Vorarlberg

Dieser Artikel ist bereits in der Oktober-Ausgabe 2020 erschienen, das Gipfeltreffen musste damals pandemiebedingt kurzfristig abgesagt bzw. um ein Jahr verschoben werden. Das Programm hat sich jedoch nicht/kaum verändert und ist einzusehen auf: https://stand-montafon.at/kultur-wissenschaft/veranstaltungen/tagungen/montafoner-gipfeltreffen 

Votivbild in der Rüti-Kapelle, das dem Lawinenunglück von 1817 auf der Rüti in Gargellen gewidmet ist. Es zeigt die Opfer des Unglücks, die betend ihr Schicksal erwarten, während die Überlebenden davonlaufen (darunter der Gründervater der Montafoner Künstlerfamilie Bertle). Andreas Rudigier wird über dieses und andere referieren.

Votivbild in der Rüti-Kapelle, das dem Lawinenunglück von 1817 auf der Rüti in Gargellen gewidmet ist. Es zeigt die Opfer des Unglücks, die betend ihr Schicksal erwarten, während die Überlebenden davonlaufen (darunter der Gründervater der Montafoner Künstlerfamilie Bertle). Andreas Rudigier wird über dieses und andere referieren.

Der Ursprung dieses Fotos ist nicht ganz geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Fronleichnam-Prozession in der Zwischenkriegszeit in Schruns

Der Ursprung dieses Fotos ist nicht ganz geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Fronleichnam-Prozession in der Zwischenkriegszeit in Schruns

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  • Votivbild in der Rüti-Kapelle, das dem Lawinenunglück von 1817 auf der Rüti in Gargellen gewidmet ist. Es zeigt die Opfer des Unglücks, die betend ihr Schicksal erwarten, während die Überlebenden davonlaufen (darunter der Gründervater der Montafoner Künstlerfamilie Bertle). Andreas Rudigier wird über dieses und andere referieren. Votivbild in der Rüti-Kapelle, das dem Lawinenunglück von 1817 auf der Rüti in Gargellen gewidmet ist. Es zeigt die Opfer des Unglücks, die betend ihr Schicksal erwarten, während die Überlebenden davonlaufen (darunter der Gründervater der Montafoner Künstlerfamilie Bertle). Andreas Rudigier wird über dieses und andere referieren.
  • Der Ursprung dieses Fotos ist nicht ganz geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Fronleichnam-Prozession in der Zwischenkriegszeit in Schruns Der Ursprung dieses Fotos ist nicht ganz geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Fronleichnam-Prozession in der Zwischenkriegszeit in Schruns