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24.03.2014 |  Christina Porod

Die Tricks der Finanzwelt, ein Umarmungskurs und eine Opernarie – Chin Meyer begeistert im TAK in Schaan

Der Zeitpunkt, ein Finanzkabarett auf der Bühne zu zeigen, könnte treffender nicht sein. Das Thema ist seit Jahren aktuell und spätestens seit dem Skandal um einen bekannten bayerischen Fußballmanager und Wurstfabrikanten in aller Munde. So hat auch Chin Meyer seine Bühnenfigur, Steuerfahnder Siegmund von Treiber, bereits im Jahr 2000 kreiert. Gemeinsam mit dem Pianisten Andreas Gundlach machte der deutsche Kabarettist am gestrigen Sonntagabend Station im TAK in Schaan. Die Tricks der Finanzwelt, einen Umarmungsschnellkurs und viel Gesang waren Teile des Programms „REICHmacher!- Reibach sich wer kann!“, das mit viel Charme und Witz umhüllt war.

Grauer Anzug, Krawatte, gescheiteltes und platt gegeltes Haar, schwarze Horn-Brille und Aktentasche – so taucht Chin Meyer alias Steuerfahnder „Siegmund von Treiber“ auf der Bühne auf. Doch dort harrt er nicht lange aus. Bereits in den ersten Sekunden steigt Treiber die paar Stufen von der Bühne herunter und verteilt Selbstanzeige-Formulare. Dies bleibt nicht die einzige Publikumsbeteiligung. Meyer erweist sich als witziger Improvisator. Dafür braucht er Futter von den Zuschauern. Immer wieder heißt es Licht an und mitmachen.

Darstellerisch überzeugt der ausgebildete Schauspieler und Musicalsänger beim Switchen zwischen seinen beiden Persönlichkeiten. Während der Kabarettist hinter einer Leuchtreklamewand verschwindet und Steuerfahnder Treiber auftaucht, wird der scheinbare Dialog zwischen den beiden von Andreas Gundlach am Piano begleitet.

Ein genussvoller Abend


Scharfblick gepaart mit Humor, Gesang und Bühnenpräsenz, das sind nur einige Zutaten, die den Abend zu einem Genuss machen.
Meyer erklärt was Reichmacher sind und nimmt dabei die Finanzwelt aufs Korn. Neben Begeisterung, Kontakt oder wirtschaftlich relevante Kommunikation ist auch die Risikokompetenz eines seiner Schlagworte: „Ein Gang durch Kabul ist sicherer als der Gang zum Altar“, so der 54-Jährige.
Auch was Reichmacher für sein Publikum sind, interessiert ihn: Vor der Pause legt er noch Karten auf, um sie nachher auszuwerten: Beim Resultat fallen die Begriffe Ehe, Liebe oder Kinder. Und beim Stichwort Kinder fällt Meyer gleich wieder etwas Thematisch-Passendes ein: „Ein Kind, das ist ein Sozialhilfe-Antrag, der gerade laufen lernt“.

In diesen Tagen kommt ein Finanzkabarettist nicht an Uli Hoeneß oder Alice Schwarzer vorbei. Im Gegensatz zu den Männern hat Alice Black, wie Meyer sie nennt, die weibliche Überlegenheit demonstriert, denn ihre Selbstanzeige war fehlerfrei. Und die Steigerung von „unversteuert“ lautet jetzt „unversteuert – schwarz - Schwarzer".
Der in Hamburg geborene Kabarettist lebt heute in Berlin. Als Berliner muss er auch das Flughafen-Projekt erwähnen. Bürgermeister Klaus Wowereit habe einen umweltfreundlichen Flughafen versprochen, erzählt Meyer. „Und siehe da! - Das Ding ist so umweltfreundlich, dass es unter Vögeln schon als Brut-Geheimtipp gehandelt wird!“ mokiert sich Meyer.
Raucher sieht er als Staatssponsoren und Nicht-Raucher als Steuerhinterzieher. Ökos entlarvt er als Belastung für die Rentenkasse, denn „die leben ewig und das auch noch schlecht gelaunt“.

Viele Talente und besondere Schmankerl


Chin Meyer überrascht mit vielen Talenten, begeistert nicht nur mit dem gesprochenen, sondern auch mit dem gesungenen Wort. Er präsentiert selbstgeschriebene Texte zu bekannten Melodien, so auch beim Schlager-Medley. Pianist Andreas Gundlach stellt Fragen wie: „Welche Richtung nimmt die Eurokrise?“ Meyer antwortet singend: „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo ....“.

Die circa 20-minütige Zugabe bietet ganz besondere Schmankerl: Den komödiantischen Umarmungsschnellkurs und die Improvisations-Opernarie für Liechtenstein. Der vermeintlich Freiwillige für den Umarmungskurs ist in der ersten Reihe schnell gefunden. An ihm führt der mit Entertainer-Qualitäten Ausgestattete die verschiedenen Formen der Umarmung vor, die keine Endorphine freischütten wie die Münchner-Bussi-Umarmung oder die Hells-Angels-Umarmung, um dann zum Schluss noch eine echte vorzuführen.

Für seine Arie braucht er ein letztes Mal die Unterstützung des Publikums. Er fragt nach Problemen vor Ort. Schnell werden auch die ersten ausgerufen. Zum Glück findet er Brigitte, eine nahezu waschechte Liechtensteinerin, die ihm die letzten Informationen für seine Arie liefert. Die Improvisation „Brigitte will auf die Seychellen“ verführt abermals zu herzhaftem Lachen.

Ein kurzweiliger Abend endet mit herzlichem und verdientem Applaus.

 

Die nächsten Kabarett-Abende im TAK Schaan:
11. April: Carolin Kebekus „PUSSYTERROR TOUR“

12. Mai: Piet Klocke „Kann ich hier mal eine Sache zu Ende!?”
24. Mai: Vortragskabarett mit Sexpertin Barbara Balldini: „Balldini kommt!“
04. Juni: Jack Nuri „Der getürkte Türke“

www.tak.li

Der Kabarettist Chin Meyer und ...

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… sein Alter Ego, Steuerfahnder Siegmund von Treiber, überzeugen mit viel Witz

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