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10.11.2022 |  Anita Grüneis

Meret Becker im TAK: Wo ich bin, will ich nicht bleiben

Manege frei für „Le grand Ordinaire“: Aber so gewöhnlich sollte der Abend dann gar nicht sein. Skurril, aber dennoch charmant, verspielt und gleichzeitig wehmütig, schräg und lieblich, eigenwillig und poetisch, gestaltete die bekannte deutsche Künstlerin Meret Becker ihr eigenes Zirkusprogramm.

Dabei überraschte sie immer wieder durch ihre Vielseitigkeit; ihr Humor und ihre Originalität begeisterten das Publikum, das zu Beginn so gar nicht recht wusste, was es mit dem Dargebotenen anfangen sollte. Denn Meret Beckers eigenwilliges Programm lässt sich nicht in eine Schublade stecken – und das ist auch gut so. Das Publikum ließ sich darauf ein und wurde von der Künstlerin und ihrer großartigen Band The Tiny Teeth voller Spielfreude und Witz in eine Zirkuswelt der etwas anderen Art entführt.

Auch noch Akrobatin

Die Bühne quoll geradezu über von Instrumenten – ein Trapezring sowie eine Leiter hingen zirkusgleich von der Decke, vermeintlicher Schnickschnack, der schlussendlich aber doch zum Einsatz gelangte, lag verstreut auf der Bühne. Im weißen Tüll-Schleier-Rüschen-Hochzeitskleid spielte Meret Becker zu Beginn auf der singenden Säge und sang mit tiefem Timbre „Was ich habe, will ich nicht verlieren. Aber wo ich bin, will ich nicht bleiben. Wo ich lebe, will ich nicht sterben. Aber wo ich sterbe, will ich nicht hin“. Eine Anspielung auf das nomadenhafte Leben der Zirkuskünstler?
Sie spielte Klavier, Gitarre, blies auf einer Muschel und Kindertrompete, machte Ansagen durch die Flüstertüte, sang von Artisten und ihren Träumen, weckte Sehnsüchte, tanzte und wurde selbst zur Akrobatin. Ihres langen Kleides entledigt, turnte Meret Becker gekonnt im Trapezring in luftiger Höhe, hing auch mal kopfunter darin, machte den Spagat oder hielt sich nur mit einem Bein. Beeindruckend, was diese Frau alles draufhat!

Ohne rosarote Brille

Auch auf das weniger Märchenhafte des Zirkuslebens spielte Meret Becker an, etwa wenn sie wie eine Marionette ohne Fäden regungslos zusammengesunken auf der Bühne hing oder zu einer imperfekten Version von „La vie en rose“ anstimmte. Da wurde die rosarote Brille abgenommen und das Kaputte, Unvollkommene gezeigt: In einen künstlichen Pelzmantel gehüllt, eine Zigarette im Mundwinkel und einen (aufgeblasenen) Mops an der Hand, nuschelte sie ihren Text, vergaß ihn schon mal, gestikulierte wild, bis einem ihr Ballon-Mops fast leidtat, behalf sich mit einer Stärkung aus ihrem Flachmann und beendete das Lied dann aber in wunderschön gegurgelten Koloraturen – ganz im Sinne von „The Show must go on“.

Akrobat schööön

Gegen Ende trat tatsächlich noch ein waschechter Akrobat auf. Tim Kriegler, ein staatlich geprüfter Artist, zeigte seine herausragende Kunst an den Strapaten. Das war „Akrobat schööön“, um mit Charlie Rivel zu sprechen, und ein Kontrast zum sonst eher nach Improvisation und Spontanität anmutenden Bühnengeschehen, das auch der Band The Tiny Teeth viel (Spiel-)raum gewährte. Das waren Ben Jeger an der Glasharfe, am Piano und am Akkordeon, Buddy Sacher an der Gitarre, am Banjo und der Mandoline sowie Rachel Maio am Cello, welche einen facettenreichen musikalischen Boden für Meret Beckers Kreativität schufen.
Den Schlusspunkt setzte Meret Becker mit einem Trinklied, das ihr Buder Ben Becker gemeinsam mit Harald Juhnke verfasst hatte und das auf ihrem letzten Album „Deins & Done“ zu finden ist. Das Lied wiederum beendete sie, indem sie den Bügelverschluss einer Flasche (Liechtensteiner!) Biers öffnete und die Flasche in einem Zug leerte: „In meiner Familie ist das eine Frage der Ehre“, meinte sie anschließend und das waren zugleich ihre Schlussworte.

Das Publikum bedankte sich mit frenetischem Applaus für die hinreißende, alles andere als gewöhnliche Mischung aus Konzert, Varieté, Zauberei und Akrobatik.

https://www.tak.li/

 

Meret Becker und ihre magische ZIrkuswelt

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