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18.03.2013 |  Christina Porod

Peter Shub – „about two hours“

Mit einnehmend fröhlicher Leichtigkeit kreierte am gestrigen Sonntagabend der berühmte Clown Peter Shub auf der Kulturbühne AmBach einen ausgelassenen Pantomime-, Clown-, Slapstickabend. Gemeinsam mit dem Publikum entfaltete sich sein Solo-Programm, das unter dem Titel „Für Garderobe keine Haftung“ stand.

Peter Shub ist schon in weltweit übertragenen Fernsehshows aufgetreten, hat in Roman Polanskis Theaterinszenierung „Amadeus“ begeistert und sein Können im Zirkus Roncalli, im New Yorker Big Apple oder im Cirque Du Soleil gezeigt. Zudem ist er Preisträger des Silver Clown Award des internationalen Monte Carlo Circus Festivals.

„What is the show about“

Der 1957 in Philadelphia geborene Peter Shub kommt im Trenchcoat und Hut, bepackt mit einem Koffer in der einen und einer Papiertüte in der anderen Hand auf die Bühne. Umgehend hängt er sich selbst auf einen Kleiderbügel und dann an die Garderobe. Er lässt ein Basilikumtöpfchen zu J.S. Bachs „Air“ tanzen, bevor er es – erinnernd an Edward mit den Scherenhänden - zurechtschneidet, bis lediglich ein bescheidenes Stängelchen übrigbleibt. Klopapier wirbelt mit Hilfe eines Laubgebläses durch die Lüfte in den Zuschauerraum. Der Clown will es selbstverständlich nicht irgendwo hinfliegen lassen, sondern direkt in einen Plastikbecher, den er zuvor einem Herrn in der zweiten Reihe überreicht hat.
Nach einer halben Stunde verabschiedet er sich mit einem - wie er es selbst nennt - gemischten Salat aus Englisch und Deutsch: „I want to say you have been a wonderful Publikum. Kommt gut nach Hause und good night.“ Wie zu erwarten lässt ihn das Publikum nicht gehen und so folgen weitere eineinhalb Stunden ausgelassenes und wohltuendes Lachen in einer Show, die ohne Botschaft auskommt. Denn, wenn man ihn fragt „What is the show about?“ lautet seine schmucklose Antwort „about two hours“. Und es folgen viele Szenen, die zum Bersten komisch sind, wie sein Kampf mit der eigenen Jacke, die mit Hilfe eines Stativs, eines Huts und der eigenen Hand Gestalt annimmt und ein kampflustiges Eigenleben entwickelt.

Abwechslungsreich und lebendig

Lebendig und abwechslungsreich arrangiert Shub sein Programm, das zeigt, dass ein Clown nicht auf eine rote Nase angewiesen ist. Der Clown, Pantomime und Komiker braucht nicht die großen Gesten, um sein Publikum zum Lachen zu bringen, ihm Magie einzuhauchen. Mitunter guckt er nur. Und das stellt zufrieden.

Im ersten Teil der Show bleiben Sprache und Geräusche eingedämmt. Man muss sich erst einmal hineinhorchen in die Stille und einlassen auf das bloße Visuelle. Was zunächst noch ein wenig ungewohnt anmutet, lässt einen doch rasch hineinfallen. Man wird entführt in eine stille, skurrile Welt, die dank Peter Shubs verführerischer und animierender Art schnell leichtfällt.
Nach der Pause tritt Shub eleganter auf, mit Anzug, Weste und Stecktuch. Nach wie vor spielen seine Mimik und die Pantomime eine entscheidende Rolle, aber der zweite Teil wird deutlich lauter, da er der Sprache mehr Raum lässt. So erzählt er, anhand einiger Beispiele, wie wichtig Spaß ist: In der Pause habe er sich in der Toilette die Hände mit Schokolade eingerieben, um sie dann unter der Kabinentür durchzustecken und zu fragen: „Excuse me, haben Sie noch Toilettenpapier?“

Interaktion mit dem Publikum

Die Augen des Publikums sind wachsam auf den Künstler gerichtet. Auch weil er es immer mal wieder aktiv einbezieht. Und die Publikumsanimation gelingt ihm mühelos. Der verführerische Clown lockt es mit Lolipops auf die Bühne, klaut Schuhe, füttert die Zuschauer der ersten Reihe mit Hilfe chinesischer Essstäbchen oder dirigiert mit denselben das Publikum nach Ahh-, Uhh- und Klatschlauten. Der Kontakt wird auch physisch. Er verlässt die Bühne, berührt die Zuschauer oder spielt mit ihnen mit einem Luftballon. Es ist nicht nur bemerkenswert, dass scheinbar alle mitmachen, sondern auch, dass alle wissen, was der gebürtige Amerikaner von seinem Publikum erwartet.

Am Ende der vergnüglichen Show bietet der charismatische Clown noch einen bezaubernden Abschied. Er winkt, und winkt, und winkt... Die Zuschauer beginnen zurückzuwinken, applaudieren kurz, wenn er andeutet die Bühne zu verlassen. Das macht er aber nicht. Er winkt weiter, minutenlang, verabschiedet sein Publikum bis der Saal leer ist.

Peter Shub verzaubert sein Publikum mit Pantomime, Slapstick und Clownkunst. (© Peter Shub)

Peter Shub verzaubert sein Publikum mit Pantomime, Slapstick und Clownkunst. (© Peter Shub)

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Bilder
  • Peter Shub verzaubert sein Publikum mit Pantomime, Slapstick und Clownkunst. (© Peter Shub) Peter Shub verzaubert sein Publikum mit Pantomime, Slapstick und Clownkunst. (© Peter Shub)