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03.09.2021 |  Anita Grüneis

Gemischter Satz: Die 15. Liechtensteiner Literaturtage sind eröffnet

«Gemischter Satz» heißt das Programm der 15. Liechtensteiner Literaturtage. Der Titel bezieht sich auf das Spannungsfeld von AutorIn und Verlag. An drei Tagen lesen im Literaturhaus in Schaan mehrere AutorInnen aus ihren Werken, dazu ist mit «Steiner» eine musikalische Erzählung zu erleben, bei der die Texte von Roman Banzer mit Werner Hasler am Bass und Wilfried Marxer an der Gitarre musikalisch auf die Bühne gebracht werden. Bei der Eröffnung sprach Anya Schutzbach zum Thema «Betriebsverhältnis» zwischen Verlag/LektorIn und AutorIn. Zudem zeigte Helena Becker mit der Ausstellung «Rußige Brennstäbe» ihre Papierschnitte, die sie in den letzten drei Jahren geschaffen hat.

20 Jahre Literaturhaus, 30 Jahre Literaturtage, dazu 15 Heft-Ausgaben – diese Jubiläen sind zu feiern resp. nicht zu feiern, so Organisator Mathias Ospelt, der stattdessen auf das neue Heft hinwies und darauf, dass nur mehr sechs statt acht Autoren eingeladen wurden. «Leider reduzierte sich diese Zahl aufgrund der kurzfristigen Absage von Marcel Beyer auf fünf: vier Literatinnen und ein Literat. Auch dies ein Novum. Früher war das Verhältnis ein anders.» 

Papierschnitte von Helena Becker

Neu ist auch die kleine Ausstellung im Literaturhaus mit den Werken von Helena Becker. «Die Künstlerin traktiert die schwarze Materie mit den Mitteln des Papierschnitts. Es handelt sich um eine Operation am offenen Herzen, jeder Schnitt muss sitzen. Ein Kunstfehler wäre fatal», meinte dazu der Programmverantwortliche Hansjörg Quaderer. Helena Becker hat vor Jahren die Technik des Scherenschnitts erweitert und daraus den Papierschnitt entwickelt. Der Betrachter sieht vordergründig den vertrauten Aspekt des schwarz-weißen Scherenschnitts, doch dahinter öffnet sich eine andere, neue Welt. So ist es auch bei den «rußigen Brennstäben». Einige der Bilder erinnern im ersten Moment an menschliche Gestalten mit einer extrem deutlichen Wirbelsäule – gleichzeitig wirkt der Strich wie ein Zensurbalken. Und natürlich ist es ein Brennstab, der den ganzen Körper mit Energie versorgt. Ist der Mensch etwa ein Brennstab Gottes? Oder taugt er nicht dazu und ist schon verbrannt? Helena Becker zeigt magische Welten und Wesen mit starken Konturen, die keine Farben brauchen, um ihre Kraft zu offenbaren. 

Lektoren sind vor allem Dienstleister

Die Beziehungen von Verlag/Lektor und Autor untersuchte Anya Schutzbach in ihrem Referat. Die ehemalige Weissbooks-Verlegerin und langjährige Lektorin übernahm am 1. November 2020 die Leitung des Literaturhauses Wyborad in St. Gallen. Die Japanologin hat in Bonn, Frankfurt und Tokio studiert, als Übersetzerin und Dolmetscherin gearbeitet und war dann in leitender Position bei Suhrkamp und Insel tätig. Es sei aber nicht ihr Mädchentraum gewesen, einmal eine «Bücherfrau» zu werden, erklärte sie gleich zu Beginn. Anya Schutzbach kennt sich aus im Literaturbetrieb und meinte: «Der Betrieb fußt auf zwei Säulen: Geist und Geld.» Die Autoren/Urheber inklusive Übersetzer sind der Content, der Geist. Der Apparat, die Maschine, die den Rohstoff veredelt und vertreibt, der sich um das Betriebliche kümmert, ist das Geld. Auf beiden Seiten arbeiten Menschen – «und schon haben wir ein Verhältnis».

Der Wandel im Verlagswesen

«Der Beruf des Lektors ist ein klassischer Quereinsteiger-Job», so Anya Schutzbach, die vor allem auf die Dienstleistungsqualitäten in diesem Job hinwies. «Seinem Lektor kann man alles anvertrauen – er ist zuständig für dich, für dein Werk, für deinen Erfolg, für dein Glück und deine Nöte.» Ein Kümmerer also – aber auch dieses Berufsbild hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Lektoren wurden zu Produktmanagern, «müssen Werbestrategien vorschlagen und gleichzeitig den Autor bei Laune halten». Zum Schluss ging Anya Schutzbach noch auf den Wandel im Verlagswesen ein, auf die neuen Independent-Verlage, auf Literaturagenten und den Wandel durch das Online-Business mit Influencern und Social Media. Es war ein spannender Einstieg in diese 15. Literaturtage, die bis zum Sonntag dauern.

Mehr zum Programm:  http://www.lielit.li/

Anya Schutzbach sprach über das Verhältnis zwischen LektorInnen und AutorInnen

Anya Schutzbach sprach über das Verhältnis zwischen LektorInnen und AutorInnen

Helena Becker zeigt ihre Papierschnitte im Literaturhaus

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Helena Beckers "Rußige Brennstäbe"

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  • Anya Schutzbach sprach über das Verhältnis zwischen LektorInnen und AutorInnen Anya Schutzbach sprach über das Verhältnis zwischen LektorInnen und AutorInnen
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