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31.08.2020 |  Anita Grüneis

Literaturhaus Liechtenstein: Bewegende Manuskripte, neue Projekte

Die Bemühungen um das Literaturschaffen in Liechtenstein tragen offenbar Früchte. Gleich drei Bücher von Liechtensteiner Autoren sind dieses Jahr in renommierten Verlagen erschienen: Benjamin Quaderer «Für immer die Alpen» im Luchterhand Verlag, München, Anna Ospelts «Wurzelstudien» im Limmat Verlag, Zürich, und Simon Deckerts erster Roman «Siebenmeilenstiefel» im Rotpunkt Verlag, Zürich, der am 9. September im Literaturhaus vorgestellt wird. Damit wurde das Jahr 2020 zum wichtigsten Jahr der letzten zwei Jahrzehnte, meinte denn auch Roman Banzer, Präsident des Liechtensteiner Literaturhauses.

Das Programm für diesen Herbst quillt beinahe über von Lesungen: 19 Anlässe in fünf Monaten, davon alleine im September acht Veranstaltungen, dazu stehen neue Projekte und Vernetzungen an. Die Zusammenarbeit mit dem Liechtensteiner Kunstmuseum und der Ausstellung «Parlament der Pflanzen» zeigte sich bei der Lesung von Anna Ospelt, die ihr Erstlingswerk «Wurzelstudien» in einer Lesung vorstellte. Dazu passend hatte das Museum einen der «Waldbriefe» Werk von Sunhild Wollwage sowie ein Video des polnischen Künstler Artur Zmijewski mit nach Schaan gebracht.
«Ich betrachtete diesen Stammbaum und dachte, dass ich weder Eiche, Eichel noch Enkelin bin, keine Frucht, keine Blüte, kein Blatt und keine Wurzel. Ich bin Anna. Ich heiß Anna Barbara Ospelt, und aus den Buchstaben meines Namens kann man weder Baum noch Stamm scheiben. Aber Sonne findet sich in meinem Namen, Post und Barbar.» Dieser Passus ist signifikant für den Schreibstil von Anna Ospelt. Sie schreibt wie sie denkt, sie denkt sich in Gegenstände, Gegebenheiten und Lebewesen hinein, schreibt das dabei Erlebte auf und findet so wieder heraus in ihre Welt. Und diese Welt ist groß und tief und breit und voller Überraschungen.

Das Buch "Wurzelstudien" lädt ein zum Schmökern, es ist voller kurzer Konnexionen,  dann wieder finden sich längere Abschnitte zum Eintauchen in die Gedankenwelt der Poetin, die feinfühlig und gewissenhaft in den Tiefen von Lebe-Wesen gründelt.

Für den literarischen Nachwuchs

Eine weitere Neuheit bietet Anna Ospelt mit ihrem Projekt «JuLi» ab 2. September jeweils mittwochs im Literaturhaus an, und zwar von 14.30 bis 16.30 Uhr für die 8- bis 12-Jährigen und von 17.30 bis 19.30 Uhr für die 13- bis 18-Jährigen. Sie alle können mit einem Schreibcoach nach Herzenslust Erfinden, Fantasieren, Fabulieren, frei und kreativ Formulieren – ohne Wertung und Leistungsdruck. Gefördert wird dieses Projekt durch die Kulturstiftung Liechtenstein und die Guido Feger Stiftung.  

Von Orchideen und dem Vergessen

Ebenfalls auf Spurensuche war Anna Hilti mit ihrem Buch «Die wesentliche Eigenart aber liegt in der Blüte», das sie am 20. September im Literaturhaus vorstellt. Auch dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum. Gemeinsam mit den Autoren Georg Tscholl, Krispin Heé, Laura Locher begab sich Anna Hilti auf eine künstlerisch-literarische Spurensuche nach der ausgestorbenen Orchideenart Ophrys sphegodes (Spinnen-Ragwurz). Das bei Spector Books (Leipzig) erschienene Buch zeichnet den Versuch nach, unserem Gedächtnis das Vergessen auszureden.

Wurzelvernetzung über Grenzen

Davor, am 6. September heißt es um 11 Uhr «Cara Roberta» - Lesung aus dem Briefwechsel. Vorlesen werden Gabriele Bösch, Peter Gilgen und Antonie Schneider. Sie stellen jene Briefe vor, die während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen und geschlossener Grenzen von 14 Autorinnen und Autoren aus Österreich, Liechtenstein, der Schweiz, Deutschland, Italien und den USA verfasst wurden. Über fünf Wochen lang hatten sich jeweils zwei bisher fremde Autor*innen jede Woche einen Brief geschrieben. So entstanden sehr persönliche Dokumente einer außergewöhnlichen Zeit. Cara Roberta ist ein Kooperationsprojekt von Literaturhaus Liechtenstein, Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung, Literaturhaus & Bibliothek Wyborada und literatur:vorarlberg netzwerk.

Anna Ospelt las aus ihrem Erstlingswerk "Wurzelstudien"

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Neu im Literaturhaus: Kreatives schreiben für Kinder und Jugendliche

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Cara Roberta: Grenzüberschreitendes Briefeschreiben am 6. September

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