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15.10.2014 |  Peter Füssl

„I am here to spread my heart over you like a Butterbrot“ – Erika Stucky mutierte am Dornbirner Spielboden von der Black Widow zum Spidergirl

Vor genau einem Jahr präsentierte Erika Stucky ihr Tom Waits-Programm, das sich vor allem dadurch auszeichnete, dass zwar kein einziger Titel vom amerikanischen Großmeister in Sachen schräger Genialität stammte, aber dennoch dessen Geist stets ein bisschen spürbar war. Zumal damals mit David Coulter, Michael Blair und Terry Edwards Musiker an Bord waren, die alle schon mal im Waits’schen Kosmos ihr Plätzchen gefunden hatten. Das „Spidergirl“-Programm schöpft über weite Strecken aus demselben Reservoir an Songs, von der „Black Widow“-Band blieb aber nur Edwards übrig. Was aber nicht heißen soll, dass man etwas gemütlicher zur Sache gegangen wäre, denn Drummer Lucas Niggli, ebenfalls ein alter Weggefährte Stuckys, setzte sich so richtig rumpelnd und ruppig in Szene.

Hardrock, Blues, Jazz, alpine Juchzer, Krachorgien und Murmelattacken

 

Die Spidergirl-Maske im Gesicht überdauerte nur den höchst dramatischen Auftakt der gleichermaßen ungestümen wie unverfrorenen Performerin, dann tauchte Erika Stucky mit Leadbellys „Black Betty“ tief in den Blues ab, dort wo er noch richtig roh und erdig klingt. Darauf folgten einige ihrer genial durchgeknallten Eigenkomposition: Zu „I’m Good“ begleitete sie sich selbst am Akkordeon – anfangs noch lieblich, dann immer mehr ins Psychedelische umschlagend. Darauf das lässige „One more“ und „Knees“ inklusive Louis Armstrong-Imitation. Die gleichermaßen witzige wie unter die Haut gehende Mischung aus Hardrock, Blues, Jazz, alpinen Juchzern, Krachorgien und Murmelattacken nimmt zunehmend an Fahrt auf. Terry Edwards beweist an Gitarre, Bass, Keyboards, Trompete und Saxophon dass er sich seinen exzellenten Ruf als Multiinstrumentalist redlich verdient hat, und Lucas Niggli lässt es immer wieder mal ordentlich krachen, was aber nicht heißen soll, dass es an Sensibilität fehlen würde. Ganz im Gegenteil.

Erika Stucky fühlt sich natürlich im Auge des Orkans am wohlsten, schöpft ohne Rücksicht auf Verluste alle Nuancen ihrer Stimme aus, verzaubert im Balladenton und reißt mit voller Röhre von den Stühlen. Stets musikalisch perfekt in Szene gesetzt von den beiden Männern an ihrer Seite.

(Selbst-)ironie und Kommunikation

 

„Sniff me, and I sniff you back“ – lasziv verlangsamt – ein weiterer Hit! Ironie und vor allem Selbstironie sind Erika Stuckys Markenzeichen, in Sachen witziger Kommunikation mit dem Publikum ist sie anderen Sängerinnen ohnehin um Lichtjahre voraus. Alles wirkt cool und lässig und ist dennoch Produkt harter Arbeit und exakter Planung. Selbst die scheinbar dilettantischen Hintergrundfilmchen und die permanenten Licht- und Schattenspiele erfüllen ihre Aufgaben bei der Kreation der typischen Stucky-Konzertatmosphäre in perfekter Weise. „If I give my heart to you, I’ll have none und you’ll have two“ – „Spiderlegs“ schunkelt zärtlich im Fifties-Stil und hat es ebenso faustdick hinter den Noten wie die Beatles-Bearbeitung „Sorry Darling“. Erika Stuckys Umgang mit Stilen und Klischees ist souverän.

Sie wolle jetzt mit ihrem wunderschönen „Schutzengel“-Song „Watching Over Me“ alle wieder herunterholen, denn dies sei der letzte Song und sie wolle niemanden so aufgeputscht nach Hause schicken. Ein Narr, wer’s glaubt, denn als Zugabe spielt das geniale Trio eine mitreißende, hard rockende „Helter Skelter“-Interpretation und rappt auf den funkigen Spuren Eminems. Das Appenzeller Zäuerli als letztes Tüpfelchen auf dem i und freundlicher Hinausschmeißer ist dann schon gute, alte Stucky-Tradition. Sie kam, sah und siegte wieder einmal – auf ganzer Linie.

Und wer diese Urgewalt versäumt hat, bekommt ausnahmsweise bald einmal die nächste Chance – im November gastiert Erika Stucky mit dem Duo „Ping Pong“ in  Schaan und im Dezember mit der neuesten Produktion „Wally und die 7 Geier“ in Nüziders.

 

Erika Stucky – Ping Pong
Erika Stucky (Stimme, div. Instrumente)
Knut Jensen (Ukulele, Electronics)
Mi, 19.11.2014, 20.09
TaK Schaan
www.tak.li

Erika Stucky & Blechhauf’n
„Wally und die 7 Geier“
Erika Stucky (Stimme, Akkordeon)
Blechhauf'n:
Bernhard Holl (Posaune)
Georg Steiner (Bassposaune)
Alexander Krenn, Christoph Geza Haider Kroiss, Christian Wieder (Trompete, Flügelhorn)
Reinhold Bieber (Posaune, Basstrompete)
Albert Wieder (Helikon)
Sa, 27.12.2014, 20 Uhr
Sonnenbergsaal Nüziders
www.kultpur.at

Erika Stucky mal ganz brav: Aber Achtung, die Gute hat Feuer im Hintern

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Terry Edwars, La Stucky und Lucas Niggli: ein grandioses, mit allen Wassern gewaschenes Trio

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Terry Edwards - neben Erika Stucky bedienten sich auch Madness, Nick Cave, Siouxsie Sioux, PJ Harvey, Cold Specks, die Tindersticks, The Blockheads und viele andere seines multinstrumentalen Könnens

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Der hochsensible Drummer, Perkussionist und Komponist Lucas Niggli versteht es bestens, auch mal richtig zuzupacken

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Am 19.11. mit "Ping Pong" im Tak und am 27.12. mit dem Blechhauf'n und der neuesten Produktion "Wally und die 7 Geier" in Nüziders - so long, Erika! (alle Fotos: © Spielboden Dornbirn)

Am 19.11. mit "Ping Pong" im Tak und am 27.12. mit dem Blechhauf'n und der neuesten Produktion "Wally und die 7 Geier" in Nüziders - so long, Erika! (alle Fotos: © Spielboden Dornbirn)

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