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08.12.2019 |  Andreas Feuerstein

Audienz im Reich der Königin - Queensryche, Firewind und Dark Side Choir bildeten das Line-up für ein gelungenes Mini-Metal-Festival im Conrad Sohm

Musik für harte Jungs ist ein Bild, das man in der Szene-fernen Öffentlichkeit gerne mit dem Metal-Genre verbindet. Und natürlich ist da auch was dran, wie jeder am Donnerstagabend im Conrad Sohm feststellen konnten, der den Blick über das Publikum schweifen ließ: Metal, das ist vor allem Männermusik.

Dass sich hinter der zur Schau getragenen Maske fast immer freundliche Zeitgenossen verbergen, die im Sinne der Katharsis halt auch gerne und mit Inbrunst in die musikalischen Schlachtrufe einstimmen, wurde an diesem Abend mindestens so deutlich. Dazu beigetragen hat vor allem Henning Basse von Firewind. Die herzliche Ausstrahlung des grundsympathischen Frontmanns wirkte auf das Publikum sofort ansteckend. Das ist dann wohl klingende Resonanz.
Doch zurück an den Start. Der Dark Side Choir, eine Band aus New York/New Jersey an der Grenze zwischen Rock und Metal, gab den Support. Das Quartett bediente auf der Bühne schön die Klischees: von der ins Gesicht fallenden Mähne rapunzelscher Länge des Gitarristen bis zu den bösen Blicken des Sängers. Wie sich anschließend zeigte, waren die Posen natürlich ein Act: Bei den Sets der anderen Bands standen die Jungs handzahm, mit einem Lächeln im Gesicht neben der Bühne. Auch dies eine schöne Geste: der Support für die Kollegen. Vokalist Brian Allen demonstrierte im kurzen Set der Vorband immer wieder, wo die Metal-Stimme zu Hause ist: in den oberen Registern. Der Mix ließ die metallische Front aus Übersee leider etwas bröckeln. Zum Schluss wurde zum Familienfoto mit Publikum geladen.
Anschließend betraten mit Firewind die heimlichen Headliner des Abends die Bühne. Die von Gus G. alias Kostas Karamitroudis, der als Axeman von Ozzy Osbourne zu Berühmtheit gelangte, gegründete Band trug eines der Markenzeichen des Metals auffallend vor sich: hohe Virtuosität. Neben Gus G. fiel auf der anderen Seite der Bühne vor allem Babis „Bob“ Katsionis auf. Ist er ein Gitarrist, der auch Keyboard spielt, oder umgekehrt? Schwer zu sagen, der Musiker beherrscht beide Instrumente dermaßen, dass man nur noch staunen konnte. Ein persönliches Highlight des Sets: das dialogische Solo zwischen Gus G. an den Saiten und Katsionis an den Tasten.
Der Auftritt von Queensryche zu vorgerückter Stunde glich einem Museumsbesuch. Nicht, dass dies eine Kritik wäre: Die 1981 gegründete Band, die den Metalsound in seinen Anfängen prägte wie nur wenige, ist eine Institution, mit der man sich gerne auf Zeitreise begibt. Erstaunlich: Die Gründungsmitglieder Scott Rockenfield (Schlagzeug), Michael Wilton (Gitarre) und Eddie Jackson (Bass) mit den Neuzugängen Todd La Torre (seit 2012) und dem erst 32-jährigen Parker Lundgren als zweitem Gitarristen klingen auch beim alten Songmaterial überraschend frisch. Hervorgehoben seien das wunderschöne „Silent Lucidity“ aus dem Jahr 1990, das wohl auf jede Liste der „Greatest Power Ballads“ gehört,  „I am I“ vom Album „Promised Land“ und natürlich „Take Hold of the Flame“, bei dem selbst Todd La Torre als Ausnahmesänger gefordert war. Für viele Vokalisten wäre diese Aufgabe wohl ein Albtraum. Zum Finale des Songs kamen alle Musiker des Abends auf die Bühne: When you’re here, you’re family. „Eyes of A Stranger“ setzte den Schlussakkord. 

Firewind

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