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18.03.2010 |  Silvia Thurner

Das „Brodsky Quartet“ bot höchste musikalische Qualität bei „DornbirnKlassik“

Im Rahmen des 3. Abonnementkonzertes von „DornbirnKlassik“ gastierte das „Brodsky Quartet“ im Kulturhaus. Den Höhepunkt erreichte der spannende Kammermusikabend gleich zu Beginn mit der Werkdeutung von Schostakowitschs Streichquartett Nr. 4. Aber auch Robert Schumanns Klavierquintett, op. 44 und das Klaviersextett Opus 110 von Felix Mendelssohn-Bartholdy boten musikalische Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau.

Seit drei Jahren spielt Daniel Rowland im „Brodsky Quartet“ die erste Geige. Zwar fügt er sich wegen des jugendlichen Alters und seines etwas überspannten Auftretens optisch nicht in das Quartett ein, aber umso mehr bereichert er musikalisch das Ensemble. Dies war beeindruckend in Schostakowitschs viertem Streichquartett zu erleben.

Verhaltene Energie

Von Daniel Rowland ging ein großer Aufforderungscharakter aus, als im Eröffnungssatz über einem schwebenden Klangfluss die einzelnen Linien nach Halt und musikalischer Formgebung suchten. Dies geschah mit nuancenreichen Klangfarbenschattierungen und einem gut nachvollziehbaren gemeinsamen Atem. Die lyrische Anlage des langsamen Satzes und das vielsagend formulierte Hauptthema in der ersten Violine sowie der anschließende Dialog mit der Cellistin Jacqueline Thomas ergab eine beeindruckende energetische Kraft. Bemerkenswert ist dabei, dass sich diese Kraft nie mittels Lautstärke einen Weg suchte, sondern mit einem verhaltenen Duktus und in einer bewundernswert ausbalancierten Pianokultur einen Ausdruck fand. Auf diese Art schaffte das „Brodsky Quartet“ mit feinsten Artikulationen und höchst spannend – mit teilweise mikrotonal intonierten Tönen – eine selten erlebte, konzentrierte Spannung. Ebenso beziehungsreich erklangen die beiden folgenden Sätze, bevor der musikalische Fluss in einem imaginären Flageolett des Violoncellos verstummte.

Die Musik auskosten

Schumanns „Klavierquintett“, op. 44 musizierte das „Brodsky Quartet“ mit dem Pianisten Piers Lane, der am Anfang zu zurückhaltend agierte. Das Klavier bildete über weite Strecken die Schaltstelle zwischen den hohen und tiefen Stimmregistern des Streichquartetts. Vor allem die transparente Linienführung machte Schumanns Quintett zu einem Hörereignis. Neben virtuos angelegten Passagen ließen sich die Musiker im langsamen Satz Zeit und kosteten die Pausen aus. Schumanns kompositorische Nähe zu Schubert war hier besonders gut spürbar. Spätestens im Finale hatte der Pianist seinen Platz im Quintett gefunden.

Lockere Musizierart

Fast einen orchestralen Charakter nahm die Deutung des Klaviersextettes, op. 110 von Felix Mendelssohn-Bartholdy an. Das Werk ist mit einer Violine, zwei Bratschen (Ian Belton, und Paul Cassidy), Violoncello und Kontrabass (Leon Bosch) besetzt, diese Stimmregister führte das Ensemble zu orchestraler Strahlkraft. Gelöst und in einem kommunikativen Miteinander wurde das unterhaltsame Werk belebt. Als Zugabe spielten die „Brodskys“ drei Bearbeitungen aus Schumanns „Kinderszenen“. Obwohl ich derartigen Arrangements sehr skeptisch gegenüber stehe, waren diese drei doch bemerkenswert gesetzt. Die Klangpunkte, die die Streicher auf die Klavierstimme setzten, ließen die Linien in einem facettenreichen Licht strahlen.

Kammermusik im Orchesterabonnement

Besonders an diesem Abend war spürbar, dass es durchaus Sinn macht, in eine Orchester-Abonnementreihe auch Kammermusik mit einzubeziehen. Hier konnten die BesucherInnen erstklassige Kammermusiker kennen lernen, die spannende musikalische Aspekte erfahrbar machten.

"Brodsky Quartet", Piers Lane, Klavier und Leon Bosch, Kontrabass fanden viel Zustimmung

"Brodsky Quartet", Piers Lane, Klavier und Leon Bosch, Kontrabass fanden viel Zustimmung

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