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26.03.2022 |  Silvia Thurner

Im Traum regiert nicht die Vernunft – Hubert Dragaschnig und der Komponist Herwig Hammerl interpretierten Dostojewski facettenreich

„Der Traum eines lächerlichen Mannes“ von Fjodor M. Dostojewski stand im Theater Kosmos im Mittelpunkt einer Konzertlesung. Aus mehreren Gründen passt die psychologisch-philosophische Erzählung gut in unsere Zeit. Hubert Dragaschnig las mit viel Ausdruckskraft. Dazu hat der Kontrabassist Herwig Hammerl eine feinsinnige Musik geschaffen, die den Sprachfluss des Rezitators unterstrich, die Erzählatmosphäre ausdeutete sowie die Stimmungen des Ich-Erzählers widerspiegelte. Monica Tarscay an der Violine, Bianca Riesner am Violoncello, Andreas Broger mit Flöte und Klarinette und Herwig Hammerl am Kontrabass musizierten in einem sensiblen Dialog miteinander.

Dostojewskis im Stil einer Erweckungsprosa konzipierte Novelle „Der Traum eines lächerlichen Mannes“ ist vielschichtig angelegt. Wertvorstellungen, idealisierte Zustände und rauhe Wirklichkeiten setzte der Autor in Beziehung zu seiner Sicht auf die Dinge. Religiöse Wertvorstellungen und trostlose Gottverlorenheit, naturwissenschaftlicher Erkenntnisdrang im Gegensatz zur vorbehaltlosen Naturverbundenheit und Egozentrik versus Nächstenliebe waren einige Pole, die in dieser Novelle zum Weiterdenken anregten. 
Hubert Dragaschnig belebte den langen Monolog des Protagonisten mit seiner sensiblen und wortdeutlichen Lesart.

Es war für Herwig Hammerl kein Leichtes, die Lesung musikalisch zu „untermalen“, ohne die Aufmerksamkeit zu stark vom Inhalt abzulenken. Mit sphärischen Tonschichtungen schufen Monica Tarscay (Violine), Bianca Riesner (Violoncello), Herwig Hammer (Kontrabass) und Andreas Broger (Klarinette, Flöte und Basskarinette) zu Beginn einen harmonischen Klangteppich aus Liegetönen. Eindrücklich spielte der Komponist mit den Klangfarben, wenn er beispielsweise erdige Stimmungen und das vom Protagonisten geschilderte Begräbnis mit Bassklarinette in tiefe Regionen führte, während die Transformation in die Fantasiewelt ohne Bassfundament in hohe Streicherpassagen führte. Eine charakteristische aufstrebende Floskel wirkte ebenso leitmotivisch wie ein zum Schluss hin erklingendes Motiv, das die mit einer unterschwelligen Spannung die Schlussfolgerungen des Ich-Erzählers ausdeutete. Ein liedartiger Abschnitt verlieh dem verzweifelten Mädchen, das Dostojewskis Protagonist vorerst gefühlskalt überging, eine eindringliche musikalische Deutung. Choralartige Sequenzen untermalten jene Passagen, in denen sich Dostojewski der christlichen Lehre des paradiesischen Lebens zuwandte. Diese Erweckungsszenen in Dostojewskis Novelle unterstrich Herwig Hammerl auch mit harmonischen Akkordzerlegungen, die die Idylle gut nachvollziehbar werden ließen, jedoch auch beinahe zum schöngeistigen Kippen brachten.

Dostojewskis Erzählung, die auch der fantastischen Literatur zuzurechnen ist, ließ mythologische, religiöse, gesellschaftskritische und philosophische Deutungen zu. Diese mehrdeutigen literarisch-musikalischen Zugänge wurden spannend ausgelotet.

Hubert Dragaschnig sowie der Komponist und Kontrabassist Herwig Hammerl stellten im Theater Kosmos die Novelle „Der Traum eines lächerlichen Mannes“ von Fjodor M. Dostojewski in den Mittelpunkt. Zusammen mit Monica Tarscay an der Violine, Bianca Riesner am Violoncello sowie Andreas Broger mit Flöte und Klarinette entwickelten sie eine eindrückliche Konzertlesung.

Hubert Dragaschnig sowie der Komponist und Kontrabassist Herwig Hammerl stellten im Theater Kosmos die Novelle „Der Traum eines lächerlichen Mannes“ von Fjodor M. Dostojewski in den Mittelpunkt. Zusammen mit Monica Tarscay an der Violine, Bianca Riesner am Violoncello sowie Andreas Broger mit Flöte und Klarinette entwickelten sie eine eindrückliche Konzertlesung.

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  • Hubert Dragaschnig sowie der Komponist und Kontrabassist Herwig Hammerl stellten im Theater Kosmos die Novelle „Der Traum eines lächerlichen Mannes“ von Fjodor M. Dostojewski in den Mittelpunkt. Zusammen mit Monica Tarscay an der Violine, Bianca Riesner am Violoncello sowie Andreas Broger mit Flöte und Klarinette entwickelten sie eine eindrückliche Konzertlesung. Hubert Dragaschnig sowie der Komponist und Kontrabassist Herwig Hammerl stellten im Theater Kosmos die Novelle „Der Traum eines lächerlichen Mannes“ von Fjodor M. Dostojewski in den Mittelpunkt. Zusammen mit Monica Tarscay an der Violine, Bianca Riesner am Violoncello sowie Andreas Broger mit Flöte und Klarinette entwickelten sie eine eindrückliche Konzertlesung.