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14.05.2021 |  Fritz Jurmann

Nach dem Jahr der Pandemie trumpft das SOV mutig mit glänzenden Programmideen für die nächste Saison auf

Wollte man in der Sprache der Musik bleiben, könnte man so etwas wie die abgelaufene Saison beim Symphonieorchester Vorarlberg ohne Bedenken auch als „Tragische Symphonie“ bezeichnen, wie sie etwa ein Franz Schubert mit seiner Symphonie Nr. 4 geschaffen hat. Ein solches Werk der Tonkunst würde freilich niemals jene Tragödie umschreiben, wie sie sich um das SOV in Zeiten der Pandemie wirklich zugetragen hat. Denn da war nicht nur das Covid-19-Virus, das letztlich nur eines von sechs geplanten Abo-Projekten zugelassen hat. Es waren vor allem auch das Unverständnis der Gesundheitsbehörden in Vorarlberg, die mit überzogenen Sicherheitsmaßnahmen und ohne jedes Verständnis für die Bedürfnisse von Kunst und Kultur darüber hinaus vieles zunichtegemacht haben. Die Veranstalter wurden damit zur ganz kurzfristigen Absage bereits geplanter und geprobter Projekte gezwungen, während im übrigen Österreich weit weniger einschneidende Maßnahmen angewandt wurden.

Auch Weltklasse-Dirigent Petrenko betroffen

SOV-Geschäftsführer Sebastian Hazod erläutert in einem Exklusiv-Interview in der Ende Mai erscheinenden Juni-Printausgabe der KULTUR minutiös die unglaublichen Vorgänge, die sich damals im Umgang zwischen Behörden und Kulturschaffenden im Land abgespielt haben.   Natürlich war auch die traditionelle Jahres-Pressekonferenz des Symphonieorchesters Vorarlberg am Freitag im Bregenzer Festspielhaus zunächst geprägt von diesen unliebsamen Ereignissen, die auch den Weltklasse-Dirigenten Kirill Petrenko betrafen. Er hat hier bislang zwei Mal vergebens versucht, mit dem SOV seinen Mahler-Zyklus mit dessen Symphonie Nr. 9 zu finalisieren. Ein hoffentlich endgültiger Termin steht außer Abo am 2. und 3. Oktober in Bregenz und Feldkirch in Planung.

In der von Vizepräsident Dr. Wolfgang Burtscher moderierten Präsentation ging der Präsident des Vereins, Dr. Manfred Schnetzer, auch auf die finanziellen Gegebenheiten dieses turbulenten Jahres für das SOV ein. So wurden von 2020 auf 2021 Produktionen im Wert von rund 460.000 Euro verschoben, damit ist das Gesamtbudget von 1,6 auf 1,1 Mill. Euro abgeschlankt. Der Subventionsbeitrag des Landes blieb trotz Pandemie unverändert. Das SOV konnte innerhalb eines Jahres seinen Musikern Gagen und Abschlagszahlungen in einer Gesamthöhe von 350.000 Euro ersetzen. „Das lag vor allem auch an der hohen Bereitschaft von Abonnenten und Kartenbesitzern, auf ihnen zustehende Kartenrückforderungen bei entfallenen Konzerten zu verzichten. Das gibt uns Rückhalt und Zuversicht, auch wenn wir infolge der Pandemie einen Abonnentenschwund von aktuell unter 12 Prozent hinnehmen müssen.“

Mehr Konzert, weniger Schutzmasken

Der positive und mutige Blick nach vorn auf das Programm für die kommende Saison 2021/22 versöhnte danach etwas mit diesen insgesamt unliebsamen Erfahrungen. Dazu kam die allseits geäußerte Hoffnung, dass nach dieser schwierigen Zeit ab Herbst wieder mehr Normalität einkehren werde, mehr die Musik und das Konzerterlebnis und weniger die Präventionsmaßnahmen, Schutzmasken, Testungen und Impfungen im Vordergrund stehen sollten.

Das Programm trägt deutlich die Handschrift des neuen britischen Chefdirigenten Leo McFall, der erst vor wenigen Tagen in der Kulturbühne AmBach in Götzis erstmals in seiner Amtszeit sein Orchester in kleinerer Besetzung geleitet hat. Ein Debüt im großen Format wird es als einziges reguläres, wenn auch verschobenes und auf vier Portionen aufgesplittetes Konzert mit Bruckners populärster Symphonie Nr. 6 vom 18. bis 20. Juni im Feldkircher Montforthaus geben. Leo McFall war bei der Pressekonferenz über Skype aus England zugeschaltet, weil ihm die Schweizer Behörden urplötzlich die Ein- und Durchreise in der Schweiz untersagt hatten.

Von Bruckner bis Herbert Willi

Er sprach in einer ersten Stellungnahme von einem gut gelungenen Mix aus Elementen, die in der vergangenen Saison entfallen sind, und wunderbaren, neu aufgetauchten Ideen, in einem Bogen vom französischen Hochbarock bis zu Neuer Musik aus Vorarlberg. Dabei wusste er sich über weite Strecken eines Sinnes mit Geschäftsführer Hazod, der diese Vorgaben ja in der Praxis umzusetzen hat und freut sich wie ein Schneekönig darauf, jene drei Programme mit dem Orchester zu erarbeiten, die er sich in der kommenden Saison selber vorbehalten hat.

Das Programm ist, objektiv vorab betrachtet, eine durchaus gesunde, ambitionierte Mischung aus Populärem und Unbekanntem, ohne damit das eher traditionsverwöhnte Publikum zu verschrecken. Das reicht von einigem von Mozart bis zur viel strapazierten „Fünften“ Beethovens, die man dem ehemaligen Chef Gérard Korsten als Klassikspezialisten anvertraut hat, und beginnt am anderen Ende mit dem 2001 komponierten Trompetenkonzert „Eirene“ aus dem Zyklus „Montafon“ von Herbert Willi, einem der international bekanntesten Vorarlberger Komponisten, um den es zuletzt etwas stiller geworden ist. Eine besondere Rarität hat McFall mit der österreichischen Erstaufführung einer frühromantischen Symphonie der deutschen Komponistin Emilie Mayer (1812-1883) ins zweite Programm eingebracht, man darf gespannt sein. Bruckners Neunte, in Analogie zu der in derselben Saison aufgeführten Neunten Mahler, wird McFall in seinem dritten Konzertprogramm präsentieren: „Das ist wie ein großer Berg für jedes Orchester, a great challenge für uns alle!“ Überhaupt soll Bruckners symphonisches Werk einen Schwerpunkt in der Zukunft bilden.

Großartige Händel-Oper in Planung

Der am SOV-Pult neue Dirigent Christoph Altstaedt widmet sich der französischen Klangwelt von Reameau bis César Franck, Kolja Blacher wird fast identisch jenes Programm mit Beethoven, Haydn und Bernstein wiederholen, das am Beginn der letzten Saison den Repressalien zum Opfer gefallen ist. Und dann ist da noch die jährliche Oper mit dem Landestheater, ein fantastisches, wenig bekanntes Werk namens „Jephta“ von Händel, das heuer im Februar bis zur Generalprobenreife geprobt und dabei von journalistischen Kiebitzen, die Einlass hatten, über den grünen Klee gelobt wurde. Diese Produktion wird im März/April 2022 in zehn Aufführungen am Kornmarkt gezeigt. Die Abendprogramme der Konzerte wurde auch heuer wieder vom heimischen Künstler Harald Gfader mit seinen farbenfrohen, interessanten bildlichen Deutungen illustriert.

Bereits heuer im Sommer ist das SOV wieder mehrfach auch bei den Bregenzer Festspielen verpflichtet, wenn dort die letzten Bedenken und Beschränkungen fallen sollten. Neben dem Orchesterkonzert unter Leo McFall mit der österreichischen Erstaufführung einer Symphonie von Thomas Larcher wirkt das Orchester auch beim Opernstudio mit Rossinis „Die Italienerin in Algier“ in der Inszenierung der großen Brigitte Fassbaender mit. Das jährliche Treffen der Neuen Musik des Landes im ORF-Format „texte & töne“ wird am 6. November wieder in der Kulturbühne AmBach in Götzis stattfinden, die man inzwischen als idealen Raum für kleinere Konzerte entdeckt hat. So wird dort auch das unmittelbar nächste Auftreten des Orchesters am Wochenende 15./16. Mai stattfinden, mit Nicholas Milton am Dirigentenpult und dem international arrivierten Dornbirner Pianisten Aaron Pilsan.

Symphonieorchester Vorarlberg
Abosaison 2021 | 22

Konzert 1
18. | 19. | September 2021
Leo McFall · Selina Ott · Nicholas Angelich
Willi · Rachmaninow

Konzert 2 der Saison 20 | 21
2. | 3. Oktober 2021
Kirill Petrenko
Mahler

Konzert 2
23. | 24. Oktober 2021
Christoph Altstaedt · Ana Maria Labin
Rameau · Debussy · Britten · Franck

texte & töne
6. November 2021

Konzert 3
27. | 28. November 2021
Gérard Korsten · Daniel Loipold
Mozart · Beethoven

Konzert 4
15. | 16. Jänner 2022
Leo McFall · Eldbjørg Hemsing
Mendelssohn Bartholdy · Dvořák · Mayer

Oper im Landestheater
März/April 2022
Heinz Ferlesch · Michael Schneider · Stefan Otteni
Händel · Jephtha

Konzert 5
9. | 10. April 2022
Kolja Blacher
Beethoven · Haydn · Bernstein

Konzert 6
14. | 15. Mai 2022
Leo McFall · Christopher Park
Mozart · Bruckner 

Weitere Details unter www.sov.at, Kartenbestellungen unter abo@sov.at

Nach einer durch die Pandemie arg dezimierten letzten Saison hofft das Symphonieorchester Vorarlberg mit neuen Ideen auf Besserung der Situation (© SOV/Gerhard Klocker)

Nach einer durch die Pandemie arg dezimierten letzten Saison hofft das Symphonieorchester Vorarlberg mit neuen Ideen auf Besserung der Situation (© SOV/Gerhard Klocker)

Programm-Präsentation im Propter Homines-Saal des Festspielhauses, v.l.n.r. Vizepräsident Wolfgang Burtscher, Präsident Manfred Schnetzer, Geschäftsführer Sebastian Hazod, am Bildschirm zugeschaltet Chefdirigent Leo McFall (© SOV/Mathis Fotografie)

Programm-Präsentation im Propter Homines-Saal des Festspielhauses, v.l.n.r. Vizepräsident Wolfgang Burtscher, Präsident Manfred Schnetzer, Geschäftsführer Sebastian Hazod, am Bildschirm zugeschaltet Chefdirigent Leo McFall (© SOV/Mathis Fotografie)

Der Engländer Leo McFall ist seit vergangenen Herbst neuer Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg, in Zukunft will er einen Bruckner-Schwerpunkt machen (© SOV/Thomas Schrott)

Der Engländer Leo McFall ist seit vergangenen Herbst neuer Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg, in Zukunft will er einen Bruckner-Schwerpunkt machen (© SOV/Thomas Schrott)

Der in Vorarlberg aufgewachsene russische Weltklasse-Dirigent Kirill Petrenko hofft, dass er nach zwei Absagen im Herbst seinen Mahler-Zyklus mit dem SOV abschließen kann (© SOV/Wilfried Hösl)

Der in Vorarlberg aufgewachsene russische Weltklasse-Dirigent Kirill Petrenko hofft, dass er nach zwei Absagen im Herbst seinen Mahler-Zyklus mit dem SOV abschließen kann (© SOV/Wilfried Hösl)

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  • Nach einer durch die Pandemie arg dezimierten letzten Saison hofft das Symphonieorchester Vorarlberg mit neuen Ideen auf Besserung der Situation (© SOV/Gerhard Klocker) Nach einer durch die Pandemie arg dezimierten letzten Saison hofft das Symphonieorchester Vorarlberg mit neuen Ideen auf Besserung der Situation (© SOV/Gerhard Klocker)
  • Programm-Präsentation im Propter Homines-Saal des Festspielhauses, v.l.n.r. Vizepräsident Wolfgang Burtscher, Präsident Manfred Schnetzer, Geschäftsführer Sebastian Hazod, am Bildschirm zugeschaltet Chefdirigent Leo McFall (© SOV/Mathis Fotografie) Programm-Präsentation im Propter Homines-Saal des Festspielhauses, v.l.n.r. Vizepräsident Wolfgang Burtscher, Präsident Manfred Schnetzer, Geschäftsführer Sebastian Hazod, am Bildschirm zugeschaltet Chefdirigent Leo McFall (© SOV/Mathis Fotografie)
  • Der Engländer Leo McFall ist seit vergangenen Herbst neuer Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg, in Zukunft will er einen Bruckner-Schwerpunkt machen (© SOV/Thomas Schrott) Der Engländer Leo McFall ist seit vergangenen Herbst neuer Chefdirigent des Symphonieorchesters Vorarlberg, in Zukunft will er einen Bruckner-Schwerpunkt machen (© SOV/Thomas Schrott)
  • Der in Vorarlberg aufgewachsene russische Weltklasse-Dirigent Kirill Petrenko hofft, dass er nach zwei Absagen im Herbst seinen Mahler-Zyklus mit dem SOV abschließen kann (© SOV/Wilfried Hösl) Der in Vorarlberg aufgewachsene russische Weltklasse-Dirigent Kirill Petrenko hofft, dass er nach zwei Absagen im Herbst seinen Mahler-Zyklus mit dem SOV abschließen kann (© SOV/Wilfried Hösl)