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12.08.2021 |  Silvia Thurner

„Schnecken kriegen Hörner wie die Ziegen“ – Nikolaus Habjan und die Musicbanda Franui faszinierten mit Georg Kreisler

„Alles nicht wahr“ lautet der Titel der neuesten Produktion von Nikolaus Habjan. Mit der Musikbanda „Franui“ hat der vielseitige Künstler, Regisseurs, Puppenspielers, Sänger und Kunstpfeifer ideale Partner gefunden. Stimmig und sehr präsent, aber nie aufdringlich spielten sie die von Markus Kraler und Andreas Schett bearbeiteten Lieder von Georg Kreisler, Gustav Mahler und Peter I. Tschaikowsky. Im Mittelpunkt stand die herrlich direkte und temperamentvolle „Lady Bug“. Die von Nikolaus Habjan meisterhaft mit Leben erfüllte Puppe und die geistreiche Dramaturgie brachten unvorhergesehene inhaltliche Wendungen, die immer wieder aufhorchen ließen und eindrücklich wirkten. Mit standing ovations dankte das Publikum im großen Saal des Bregenzer Festspielhauses.

Der Komponist, Kabarettist und Schriftsteller Georg Kreisler ist vielen als zeitkritischer Künstler bekannt, der eine besondere Gabe hatte, mit Ironie und Humor, absurden Konfrontationen und Vergleichen, Grausiges zu erzählen und dabei zu unterhalten. Den Spiegel setzte er den Menschen genüsslich vor und brachte Themen aufs Tapet, die das Lachen oftmals im Hals stecken bleiben ließen.
Nikolaus Habjan und „Franui“ präsentierten im Rahmen der Bregenzer Festspiele eine Sammlung bekannter Kreislerlieder. Der Clou und die Hauptperson war die umwerfende „Lady Bug“, eine seit vielen Jahren ältere Dame. Sie ist sich ihrer Qualifikation bewusst, tritt bissig, humorvoll, charmant, sehr direkt und auch rechthaberisch auf, agiert im Kern jedoch immer auch melancholisch und kritisch hinterfragend.

Eine Handpuppe mit großer Persönlichkeit

Nikolaus Habjan lieh „Lady Bug“ seine Stimme in den dargebotenen Liedern und Chansons und hauchte ihr mit einer bewundernswerten Meisterschaft Leben ein. Von der ersten Minute an unterhielt „Lady Bug“ das Publikum und bestach durch ihre unübertroffene Bühnenpräsenz mit dem berühmten „Frühlingslied“ (besser bekannt als „Tauberl vergiften im Park“), „Das Triangel“ und dem „Lied für Kärntner Männerchor“ auf ihrer Seite.
Im „Staatsbeamten“ sowie im Text „Geflügelzucht“ aus Kreislers „Der Vielvölkerstaat“ setzte Nikolaus Habjan noch eins drauf und spielte durch die Hand von „Lady Bug“ eine weitere Puppe. Leise Melancholie kündigte sich mit dem aberwitzigen Lied „Der Witz“ an und Anspielungen auf Corona ermöglichte das Stück „Wien ohne Wiener“.

Unvorhergesehene Wendungen

Nikolaus Habjan und „Franui“ haben ihrem Liederabend eine bewegende Dramaturgie zugrunde gelegt, denn allmählich wandelte sich die mitreißende Eloquenz der „Lady Bug“. Zunehmend schwangen Töne mit, die die Rollenzuschreibungen auflösten. Fantasievoll trat Nikolaus Habjan aus dem Schatten der Puppe und wurde an der Seite von „Lady Bug“ fast so etwas wie ihr Kontrahent. Den Höhepunkt fand die intensiv erzählte Geschichte zuerst mit „Alles nicht wahr“ und sodann mit „Meine Freiheit, deine Freiheit“. „Der Mensch muss weg“, ein weiteres Kreislerlied, das in Anbetracht der Klimakrise ganz unmittelbar zum Denken anregte, bot einen weiteren Übergang hin zum Ende der Geschichte, in der die Puppe zur arrangierten Musik von Peter I. Tschaikowskis Klavierstücken aus dem Kinderalbum op. 39 und nach dem Text „Es kann so gut tun, über Nacht zu sterben“, in den Koffer-Sarg gebettet wurde.

Texte und Musik in Spannung zueinander

Die Intensität des eindrucksvollen „Puppentheater-Liederabends“ überhöhte „Franui“ durch die hervorragenden Bearbeitungen der Kreislerlieder. Nikolaus Habjan sang mit seiner hellen Stimme sehr textdeutlich und die Musicbanda unterstützte den Sänger dabei, ohne jemals in den Vordergrund zu drängen. Mit ihrer farbenreichen Instrumentation und zahlreichen originellen musikalischen „Einsprengeln“ unterstrichen die Musikerinnen und Musiker die absurde Doppelbödigkeit. Lustige Lieder und kritisch sarkastische Textinhalte erhielten dadurch eine ganz eigene Charakterisierung. Virtuos ist Georg Kreisler mit musikalischen Zitaten umgegangen. Ebenso vielgestaltig brachten sie „Franui“ zur Geltung und stellten damit eine zusätzliche Deutungsebene her.

"Lady Bug" und Nikolaus Habjan füllten mit Liedern von Georg Kreisler und ihrem Programm "Alles nicht wahr" den großen Saal im Bregenzer Festspielhaus und erhielten dafür jubelnden Applaus. (Fotos: Anja Köhler)

"Lady Bug" und Nikolaus Habjan füllten mit Liedern von Georg Kreisler und ihrem Programm "Alles nicht wahr" den großen Saal im Bregenzer Festspielhaus und erhielten dafür jubelnden Applaus. (Fotos: Anja Köhler)

Kongeniale musikalische Partner für die beiden waren die Musikerinnen und Musiker von "Franui", die mit ihren Bearbeitungen der Kreislerlieder eine zusätzliche Deutungsebene schufen.

Kongeniale musikalische Partner für die beiden waren die Musikerinnen und Musiker von "Franui", die mit ihren Bearbeitungen der Kreislerlieder eine zusätzliche Deutungsebene schufen.

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  • "Lady Bug" und Nikolaus Habjan füllten mit Liedern von Georg Kreisler und ihrem Programm "Alles nicht wahr" den großen Saal im Bregenzer Festspielhaus und erhielten dafür jubelnden Applaus. (Fotos: Anja Köhler) "Lady Bug" und Nikolaus Habjan füllten mit Liedern von Georg Kreisler und ihrem Programm "Alles nicht wahr" den großen Saal im Bregenzer Festspielhaus und erhielten dafür jubelnden Applaus. (Fotos: Anja Köhler)
  • Kongeniale musikalische Partner für die beiden waren die Musikerinnen und Musiker von "Franui", die mit ihren Bearbeitungen der Kreislerlieder eine zusätzliche Deutungsebene schufen. Kongeniale musikalische Partner für die beiden waren die Musikerinnen und Musiker von "Franui", die mit ihren Bearbeitungen der Kreislerlieder eine zusätzliche Deutungsebene schufen.