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Tanz

Wenn das Gehirn zum Käfig wird – die belgische Choreographin Ann Van den Broek und ihre Compagnie WArd/waRD präsentierten bei „tanz ist surprises“ am Dornbirner Spielboden das Demenz-Stück „Zooming in on Loss“
Louis Combeaud, Marion Bosetti und Gregory Frateur in der zentral positionierten, als Schaltzentrale dienenden Rauminstallation, die das Gehirn eines Demenzkranken symbolisiert (Foto © Spielboden)
Tanz
03.11.2022 Peter Füssl

Nach dem letzten Black-out verharrte das Publikum minutenlang regungslos und in absoluter Stille und führte das auch fort, als die Lichter langsam wieder angingen. Erst als die Akteur:innen Marion Bosetti, Louis Combeaud und Gregory Frateur zurück auf die Bühne kamen, brandete Applaus auf. Eine irgendwie gespenstische Szenerie machte sich nach dem Finale von „Zooming in on Loss“ am Dornbirner Spielboden breit, was wohl die Gefühlslage der Zuschauer:innen zwischen Verstörtheit, Betroffenheit und Ratlosigkeit widerspiegelte. Ann Van den Broek und ihre Compagnie WArd/waRD stellten mit ihrer längst überfälligen Österreich-Premiere im Rahmen von „tanz ist surprises“, der Herbst-Ausgabe des von Günter Marinelli kuratierten tanz ist Festivals, eindrucksvoll unter Beweis, dass sie völlig zu Recht zu den experimentierfreudigsten und außergewöhnlichsten Ensembles Europas gezählt werden.

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Eine quicklebendige Tanz-Ikone – Louise Lecavalier wurde beim tanz ist Festival mit Standing Ovations gefeiert
Louise Lecavalier präsentierte sich in ihrem Solo-Stück "Stations" technisch perfekt ... (© Dieter Wuschanski)
Tanz
18.06.2022 Peter Füssl

Sie wollte eigentlich niemals Tänzerin werden, erzählte die freundlich alle Fragen beantwortende Louise Lecavalier im Publikumsgespräch nach der Aufführung beim tanz ist Festival am Spielboden. Im Rahmen einer Schulaufführung habe man ihr dann aber statt der gewünschten Sprechrolle eine Tanzrolle zugewiesen, auch weil sie die Kleinste und somit für die beteiligten Burschen leicht zu heben war – das brachte den Stein ins Rollen, der Rest ist Tanz-Geschichte: 1981 war die in Montreal geborene Kanadierin bei der Gründung der von Édouard Lock geleiteten Kult-Compagnie La La La Human Steps dabei, deren umjubelte Frontfrau sie bis 1999 blieb. Ihren ungemein kraftvollen, hochenergetischen und eigenwilligen Tanzstil fanden in den 1990er Jahren auch prominente Kooperationspartner wie David Bowie (Sound+Vision Tour, Fame ‘90) und Frank Zappa („The Yellow Shark“) aufregend. Nach ihrem verletzungsbedingten Rückzug aus der Compagnie folgten Babypause und Operation. Mit zwei neuen Hüften endete 2012 die nervenzehrende Durststrecke, als Lecavalier die Premiere ihres ersten selbst choreographierten Solostücks „So Blue“ feiern konnte. Am Spielboden begeisterte die mittlerweile 63-jährige, quicklebendige Tanz-Ikone nun mit ihrer neuesten Solo-Produktion „Stations“ – und die Begeisterung des Publikums schien überbordend, denn Standing Ovations sind beim tanz ist Festival wirklich eine große Ausnahme.

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Glutvoll Getanztes zum neuen Feminismus – Mercedes Dassy beeindruckt mit der österreichischen Erstaufführung ihrer schonungslosen Solo-Performance „I-CLIT“ beim tanz ist Festival am Spielboden
Mercedes Dassy verwendet in ihrer tänzerischen Abhandlung zum "new feminism" viele Bilder aus der Welt des Hip-Hop (alle Fotos © Stefan Hauer)
Tanz
15.06.2022 Peter Füssl

Man konnte es schon erahnen, wenn man die 31-jährige belgische Tänzerin Mercedes Dassy am tanz ist Festival-Eröffnungsabend als Energiebündel in „Forces“ der belgischen Compagnie Mannès/Turine/Lemaître erlebt hatte: Ihre eigene Produktion „I-CLIT“ – zum Festival-Motto „A new wave of feminism“ passend – wird keine trockene, verkopfte, bitterernste, getanzte Lehrstunde zu zeitgenössischen Feminismus-Theorien, sondern eine körpernah intensive Auseinandersetzung mit der Thematik, eine Performance aus Fleisch und Blut und themengemäß – auch viel Haut.

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Getanzte Frauenpower – begeisternder Auftaktabend des tanz ist Festivals am Spielboden mit Aiko Kazuko Kurosaki und Mannès/Turine/Lemaître
Leslie Mannès, Mercedes Dassy und Thi-Mai Nguyen entwickeln in ihren Tanzritualen befreiende, fast schon hypnotisch wirkende Energien (alle Fotos © Stefan Hauer)
Tanz
10.06.2022 Peter Füssl

Die Freude, dass endlich wieder einmal ein von jeglichen Corona-Beschränkungen unbeschwerter Besuch einer Kulturveranstaltung möglich ist, war den zahlreichen Tanz-Fans, die zum Auftakt des tanz ist Festivals am Dornbirner Spielboden strömten, sichtlich anzumerken. Die freudige Grundstimmung, endlich wieder einmal mit Freunden und Bekannten etwas Exzeptionelles erleben zu dürfen, war gepaart mit einer großen Offenheit gegenüber den künstlerischen Darbietungen, die es an diesem Abend wahrlich in sich hatten. Denn die seit Jahrzehnten in Wien lebende Japanerin Aiko Kazuko Kurosaki und die belgische Compagnie Mannès/Turine/Lemaître boten zwar keine leichte Kost, aber durchaus Originelles, Bewegendes und Faszinierendes, was vom Publikum mit langanhaltendem Beifall quittiert wurde.

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OnStage - ein Querschnitt der Vorarlberger Tanzszene
Cie. Bewegungsmelder am Domplatz mit «Telefonzellen» (alle Fotos: Sarah Mistura).
Tanz
15.04.2022 Manuela Liberata

Am Mittwoch, den 13. April präsentierte OnStage einen Querschnitt der Vorarlberger Tanzszene. Vier von einer Jury ausgewählte Kurzstücke wurden an zwei verschiedenen Orten in Feldkirch aufgeführt.

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Ein Stück wie ein Erdbeben – Akram Khans „Outwitting the Devil“ beim Bregenzer Frühling
„Outwitting the Devil" von der Akram Khan Company beeindruckte im Bregenzer Festspielhaus. (© Udo Mittelberger)
Tanz
29.03.2022 Mirjam Steinbock

Die zweite Produktion des diesjährigen Tanzfestivals Bregenzer Frühling fegte wie eine Naturgewalt durch das Festspielhaus. Das Tanztheater „Outwitting the Devil“ von der Akram Khan Company flutete in 80 Minuten die sinnliche Wahrnehmung eines nach internationaler Bühnenkunst dürstenden Publikums und ging bis an die Grenzen des Zumutbaren. Am Ende dieses perfekt inszenierten Wechselspiels von Musik und Sound, Körper- und Lichtkunst, Schnelligkeit und Stagnation sind Wälder abgeholzt, Gottheiten erzürnt, Leben vernichtet und die Sintflut scheint in fühlbarer Nähe. Durch einen Kunstgriff verbleibt das Meisterwerk des britischen Choreografen jedoch nicht als Dystopie auf der Bühne, es erschüttert vielmehr im aktuellen Kontext und entwickelt sich zu einem dringenden Appell an die Menschheit.

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Ein Stück, das duftet - Silvia Salzmann und Sarah Mistura begeistern mit „Souvenir“ in der Remise Bludenz
Silvia Salzmann hochakrobatisch in "Souvenir", ihrer mit Sarah Mistura entwickelten neuen Tanzperformance (© Stefanie "Momo" Beck)
Tanz
04.11.2021 Mirjam Steinbock

Man nehme ein Thema, das alle betrifft, ein Ensemble mit inspirierenden Künstler*innen, kraftvolle Choreographien, sensibel gefilmte Außenaufnahmen, ein ausgeklügeltes Bühnenbild, Live-Musik verquickt mit Soundcollagen, ein dramatisches Lichtkonzept, persönliche Geschichten arrangiert in Text, Tanz und Musik und „Bing!“, fertig ist das Gesamtkunstwerk. Was nach einer Backmischung klingt, hat sich anlässlich der Uraufführung von „Souvenir“, der neuen multimedialen Produktion von Silvia Salzmann und Sarah Mistura, tatsächlich so ereignet – inklusive jenes süßen Dufts, den man von einem Gugelhupf erwarten darf.

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Elektrisierende Gegensätze – Demestri & Lefeuvres „Glitch“ beim tanz ist Festival am Spielboden
Florencia Demestri und Samuel Lefeuvre - idyllischer Aufakt (alle Fotos © Stefan Hauer)
Tanz
15.10.2021 Peter Füssl

Florencia Demestri und Samuel Lefeuvre brauchten eineinhalb Jahre und drei Anläufe, um ihre Produktion „Glitch“ endlich doch noch als österreichische Erstaufführung beim tanz ist Festival am Dornbirner Spielboden präsentieren zu können. Das Corona-Virus hatte sich mehrfach als Spielverderber in die Festival-Planung eingemischt, aber letztlich hat sich das Warten gelohnt. Das in Belgien lebende Tanz-Duo bot über eine Stunde hinweg eine intensive Performance, die in ihrer Vieldeutigkeit viele Interpretationsmöglichkeiten offen ließ und durchaus zu begeistern wusste.

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Atmen bis zur Atemlosigkeit – tanz ist exceptional präsentiert Simon Mayers Solo-Performance „Being Moved”
Simon Mayer in seiner Solo-Performance "Being Moved": Was in Ekstase endete ... (alle Fotos: Niklas Koch/Spielboden)
Tanz
12.09.2021 Peter Füssl

Der Oberösterreicher Simon Mayer gehört zu den gern gesehenen Gästen bei Günter Marinellis tanz ist Festival. Mit „SunBengSitting“ (2014) und „Sons of Sissy“ (2015) präsentierte er am Dornbirner Spielboden bereits zwei äußerst erfolgreiche Produktionen im Spannungsfeld von alpenländischer Tradition, Brauchtum und zeitgenössischem Tanz – eine sehr spezielle, zum Teil auch witzige Art getanzter Identitätssuche. Dort ließ Mayer nun auch sein Solo-Projekt „Being Moved“, das letztes Jahr in Belgien Premiere feierte, anschließend auch im Wiener Brut gezeigt wurde, dann aber durch die Pandemie bedingt nicht mehr aufgeführt wurde, wiederauferstehen. Ein effektvoll reduziertes Werk, das den Zusammenhang von Atmung und Bewegung in den Mittelpunkt stellt und dafür schamanistische Techniken verwendet.

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tanz ist Festival am Spielboden: Überragend! Liquid Loft mit „Stand-Alones (polyphony)“ im Parkhaus
Alle Tänzer*innen zeigten Performance-Kunst auf höchstem Niveau (© Niklas Koch/Spielboden)
Tanz
19.06.2021 Peter Füssl

Die Wiener Tanzcompagnie Liquid Loft und ihr Mastermind Chris Haring zählen seit vielen Jahren mit den unterschiedlichsten Produktionen zu den Fixstartern bei Günter Marinellis tanz ist Festival am Spielboden. Jede Aufführung endet mit begeistertem Applaus, und jedes Mal ist man versucht zu sagen: „Besser geht’s nicht mehr!“ Und dann kommen sie mit einer neuen Produktion, und gefühlt ist es doch noch einmal besser gegangen, weil im Hier und Jetzt die Vorzüge der älteren Produktionen gegenüber der neuesten etwas verblassen. Also ersparen wir uns am besten die müßige Überlegung, was den experimentierfreudigen Damen und Herren in Zukunft wohl noch so alles einfallen wird, und freuen uns über diese geniale Performance im Parkhaus von Rhomberg‘s Fabrik. Sollte jemand gedacht haben, dieser außergewöhnliche Aufführungsort sei eine Corona geschuldete Verlegenheitslösung, was er ursprünglich vielleicht sogar einmal war, so wird man rasch eines Besseren belehrt: Die räumlichen Bedingungen sind ideal!

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