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16.06.2022 |  Dagmar Ullmann-Bautz

Berg- und Talfahrt der Emotionen – „Der Wutschweiger“ im Vorarlberger Landestheater

Ich habe geweint, gelacht und die Fäuste geballt. Das Jugendtheaterstück „Der Wutschweiger“ entpuppte sich als eine 60 Minuten andauernde Achterbahnfahrt wechselnder Gefühle und starker Emotionen! Das Werk des belgischen Autorenduos Jan Sobrie und Raven Ruëll feierte am Mittwoch in der Box des Landestheaters in Bregenz seine Premiere und wurde vom Publikum euphorisch bejubelt.

Dass das Stück für Kinder und Jugendliche ab 10 unter die Haut geht, ist kaum verwunderlich, erzählt es doch von sehr aktuellen Themen wie wachsender Armut und wie diese und der damit einhergehende soziale Abstieg das Leben von Kindern beeinflusst und verändert. Der Text präsentiert sich witzig und traurig zugleich, kommt unprätentiös in kurzen Sätzen, trifft Probleme punktgenau und ist dennoch voller magischer Momente.

Viel Gefühl und Liebe

Ebenso gestaltet sich die Inszenierung von Danielle Fend-Strahm, die die Geschichte mit unheimlich viel Gefühl und Liebe erzählt, mit großer Empathie und Leidenschaft. Es ist die Geschichte des Jungen Ebenezer, der nach Kündigung seines Vaters mit seinen Eltern aus einer schönen großen Wohnung in eine kleine Wohnung und eine eher heruntergekommene Gegend umziehen muss. Und es ist die Geschichte von Sammy, dem starken und trotzigen Mädchen, deren Mutter gestorben und deren Vater schon seit Jahren arbeitslos ist. Fend-Strahm folgt dem Bogen der Erzählung sehr genau, setzt Kipppunkte exakt dort, wo es sie braucht – dort wo die Traurigkeit fast unerträglich wird und dann wieder in dem Moment, bevor die Heiterkeit zu hohe Wellen schlägt. Wie auf einer Achterbahn der Gefühle steuert die Regisseurin durch das Stück, fesselt, nimmt mit und erreicht allergrößte Anteilnahme.

Die magische Welt der Kinder

Die Schauspielerin Maria Lisa Huber und der Schauspieler Sebastian Schulze als Sammy und Ebenezer machen einen großartigen Job. Schweißtreibend jagen sie durch den Raum, setzen alle Emotionen frei, sind absolut authentisch, lebendig und wunderbar angekommen in der magischen Welt der Kinder. Schmerzhaft überzeugend entschleiern sie die verletzlichen, traurigen und wütenden Seelen der beiden Jugendlichen. Sie zeigen eindrücklich, wie grausam Ausgrenzung und Einsamkeit wirkt, sowie die riesengroße Bedeutung von Freundschaft und Solidarität. Genau das ist es, was Ebenezer und Sammy verbindet und sie so unglaublich stark macht!

Funktionales Bühnenbild

Matthias Strahm hat ein ebenso einfaches wie funktionales Bühnenbild entworfen und Kostüme, die im ersten Moment durch ihre schreiende Vordergründigkeit irritieren, dann jedoch wie von Zauberhand mit der Geschichte verschmelzen. Florian Wagners Musik unterstützt, vertieft, tut wohl und nimmt mit.

Einfühlsamer Begleittext

Eine rundum einmalig gut gelungene Produktion, eine Produktion, die man den Schulen nur ans Herz legen kann. Und keine Angst, die Lehrpersonen und die Schüler:innen werden mit der Geschichte und den aufgewühlten Emotionen nicht alleine gelassen. Es gibt einerseits einen sehr einfühlsamen Begleittext darüber, was Grundbedürfnisse für uns Menschen sind und bedeuten, über die Dringlichkeit, Gespräche zu führen und sich Hilfe zu holen sowie eine Auflistung aller Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche in Vorarlberg. Zusätzlich bietet das Theater nach der Vorstellung ein gemeinsames Gespräch, eine gemeinsame Auseinandersetzung zum Thema an, denn es ist ein ganz besonderes Anliegen von Regisseurin Fend-Strahm, die Kinder und Jugendlichen nicht alleine zu lassen mit der emotionalen Wucht der Geschichte.
Dieses Stück ist wieder einmal ein wunderbares Beispiel dafür, dass gut gemachtes und gut durchdachtes Theater Probleme ansprechen kann und muss, dass es zum Nachdenken anregt und Dinge ins Rollen zu bringen vermag.

Vorarlberger Landestheater: „Der Wutschweiger“ von Jan Sobrie und Raven Ruëll
weitere Vorstellungen: 20./21./23.6 jeweils um 9 Uhr; 21./22./23.6. jeweils um
11.30 Uhr
Theater am Kornmarkt, Bregenz

www.landestheater.org

Ein großartiges Gespann: Sebastian Schulze und Maria Lisa Huber

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... starke Emotionen

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... unbändige Energie

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... mit magischen Momenten

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... tragisch und

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... lustvoll!!! Fotos: Anja Köhler

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