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09.06.2022 |  Anita Grüneis

TAK Theater: „Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier“ – so das Motto der Spielzeit 22/23

In der nächsten Saison wird die Hölle los sein im TAK Theater Liechtenstein, denn die ist „leer und alle Teufel sind hier“ – das verspricht das Motto der Saison 2022/23. Aber das hat auch schon Gerhard Roth in seinem Roman behauptet und davor ließ William Shakespeare den Luftgeist Ariel bei einem Schiffbruch rufen: „Hell is empty, and all the devils are here“. Im „Sturm“ werden alle Menschen gerettet – und im TAK? Das Schauspiel-Programm setzt auf Bewährtes und auf das eigene Ensemble mit Regisseur Oliver Vorwerk.

Gleich zu Beginn am 17. September wird es revolutionär. TAK-Intendant Thomas Spieckermann hat die beiden Stücke „Dantons Tod“ von Georg Büchner und „Der Auftrag“ von Heiner Müller zusammengefasst. „Dabei geht es um die Fragen: Heiligt der Zweck die Mittel und wer heiligt den Zweck?“, wie Spieckermann auf der Medienkonferenz betonte. Regisseur Oliver Vorwerk setzt das Werk in Szene. Danton ist des Mordens müde und meint, der Mensch sei das Maß aller Dinge. Robespierre will mit Gewalt für die Ziele der Republik kämpfen. Zehn Jahre später wollen auf Jamaika drei Franzosen vor Ort eine Revolution beginnen, doch dann erfahren sie, dass Napoleon zum Kaiser Frankreichs gekrönt wurde, somit ist ihre Revolution zu Ende bevor sie begann, die Gesandten erkennen, dass die Ökonomie letztlich die stärkere Kraft ist. Wirtschaftliche Interessen stehen eben über den Idealen.   

„Die Welt im Rücken“ und „Der zerbrochene Krug“

Nach diesem umfangreichen Einstieg wird Oliver Vorwerk „Die Welt im Rücken“ von Thomas Melle inszenieren. Das Einpersonenstück basiert auf der Biografie des Autors, der sich seine bipolare Störung von der Seele schreibt. Auf monatelangen Größenwahn folgte die bodenlose Depression: „Weg sein wollte ich sehr.“ In seinen manischen Phasen hingegen drängte es ihn, „die Schönheit der Schande unserer Zeit zu fixieren". Die sprachliche Vorlage ist eine Wucht, spielen wird Julian Härtner.
Die dritte Eigenproduktion ist ein Klassiker: „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist. Das Stück ist wieder sehr aktuell, denn Fälle von älteren Männern mit Macht, die diese Macht ausnützen und sich an junge Frauen oder Männer heranmachen, gibt es zuhauf. „Uns ist es endlich gelungen, den vielbeschäftigten Ingo Ospelt ans Haus zu holen“, so TAK-Intendant Spieckermann. Ingo Ospelt wird den Dorfrichter Adam spielen, des Weiteren sind aus Liechtenstein dabei: Thomas Beck und Christiani Wetter, die Vierte im Bunde ist Sylvana Schneider, inszenieren wird das Kleist-Stück Oliver Vorwerk, Premiere ist am 14. Januar.

Von Goethe bis zu „Eurotrash“

Mit „Faust Hoch 3“ steht ein weiteres Einpersonenstück auf dem Programm. Im Dezember bringt das Kleist Forum die konzertante Lesung von „Faust I“ und „Faust II“ nach Johann Wolfgang von Goethe an einem Doppelabend auf die TAK-Bühne. Lesen wird Thomas Thieme, sein Sohn Arthur Thieme wird ihn auf der Bassgitarre begleiten. Der Schauspieler wurde vor allem mit Filmen wie „Der Untergang“, wo er Martin Bormann darstellte, oder „Das Leben der Anderen“ und vielen TV-Produktionen populär.
Aktuell sind zwei weitere Stücke, die nächstes Jahr gezeigt werden: Ibsens „Volksfeind“ kommt in einer Inszenierung von Stephan Kimmig vom Staatstheater Hannover, wobei das Grundthema behandelt wird: Wie gehen wir mit Diskussionen um? Haben wir noch eine Streitkultur? Ist das höchste Gut einer Gesellschaft die Wahrheit, der Kompromiss oder das einzelne menschliche Leben. Henrik Ibsen hat dazu mit seinem „Volksfeind“ eine Steilvorlage geliefert.
Brandaktuell ist das Gastspiel vom Thalia Theater Hamburg, inszeniert von Stefan Pucher. Der Regisseur schrieb gemeinsam mit Susanne Meister ein Theaterfassung des Buches „Eurotrash“ von Christian Kracht. Dabei handelt es sich um eine semiautobiografische Reise, die der Ich-Erzähler mit seiner Mutter mit dem Taxi durch die Schweiz 600.000 Franken in einer Plastik-Tüte und den Rollator mit dabei macht. Dazu schrieb NDR Kultur: „Auftritt: Mutti! Aus der Tiefe der Bühne stöckelt sie heran. Barbara Nüsse, im zerknautschten Chanel-Kostüm und mit Pelzhäubchen, krummem Rücken, wie eine gepanzerte Schildkröte. Und vorne, am Bühnenrand: Der Sohn! Jirka Zett mit nervös nestelnden Händen, blonder Schnösel-Frisur, edlen Schuhen und einem Öko-Pulli zum Weglaufen.“ 

„Moby Dick“ und die Rache

Vom Theater Basel kommt im April nächsten Jahres das Stück „Moby Dick“ in der Inszenierung von Antú Romero Nunes. Ein Gastspiel, das dem Intendanten vor allem aus technischer Sicht viele Probleme bereitete. Aber nun ist alles geklärt und das Schauspiel nach dem Roman von Hermann Melville kann im SAL gezeigt werden. Dabei geht es um Rache und um die Art, wie wir mit der Natur umgehen. Im Tagblatt hieß es: „Nach knapp zwei Stunden kommt es zum großen Showdown: Der große weiße Pottwal, den der amerikanische Schriftsteller Herman Melville in „Moby Dick“ zu einer der bekanntesten Roman-„Figuren“ der Weltliteratur gemacht hat, zerschmettert das Walfängerschiff und tötet mit Ausnahme eines Mannes die ganze Mannschaft.“
In Shakespeares „Sturm“ wurden alle Menschen gerettet – aber im TAK ist mit Moby Dick ja nicht Schluss. Das Stück „Für immer die Alpen“ von Benjamin Quaderer kommt wieder und auch „König Richard III“ in der Inszenierung von Oliver Vorwerk wird wieder gezeigt. Darüber hinaus gibt es mehrere Weltklasse-Konzerte – den Start macht am 16. Oktober das Nationale Sinfonieorchester der Ukraine unter der Leitung von Volodymyr Sirenko und dem Pianisten Nuron Mukumi.

www.tak.li

TAK-Intendant Thomas Spieckermann und Dramaturg Jan Sellke auf der Medienkonferenz.

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Drei Eigenproduktionen und hochkarätige Gastspiele prägen die kommende  Spielzeit.

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  • TAK-Intendant Thomas Spieckermann und Dramaturg Jan Sellke auf der Medienkonferenz. TAK-Intendant Thomas Spieckermann und Dramaturg Jan Sellke auf der Medienkonferenz.
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