Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Collection for Letzte Kritiken

Mit Klangsinn und musikalischer Entschlusskraft – Jubel und Standing Ovations für die Musiker:innen der Orchesterakademie und Daniel Cohen
Einen kraftvolleren Anfang für die neu initiierte Orchesterakademie im Rahmen der Bregenzer Festspiele ist kaum denkbar. Unter der Leitung von Daniel Cohen brachten 85 junge Erwachsene drei Teile aus Herbert Willis Orchesterwerk „Dsong“ zur Uraufführung. Die mit dieser Werkdeutung entstandene Energie und das feinsinnige Gespür für die Klangbalance führten die voll motivierten Musiker:innen weiter in die fünfte Symphonie von Dmitri Schostakowitsch. Als Kontrapunkt musizierte die Trompeterin Selina Ott Haydns berühmtes Trompetenkonzert und beeindruckte mit ihrer feinsinnigen und eleganten Spielart.
Nope
Die Ranch einer afroamerikanischen Familie wird eines Tages von einem UFO heimgesucht. Da heißt es, Stellung beziehen. Aber wozu genau? Der neue Film von Horror-Regie-Star Jordan Peele lässt einen etwas ratlos zurück.
Aktuell in den Filmclubs (12.8. - 18.8. 2022)
FKC Dornbirn und Filmforum Bregenz zeigen diese Woche Sabine Derflingers Dokumentarfilm „Alice Schwarzer". Einen schonungslosen Blick auf die Ränder der US-Gesellschaft bietet Bastian Günthers Spielfilm „One of These Days", der beim Filmforum Bregenz auf dem Programm steht.
Oberflächliche „Wohlfühlmusik“ bei den Bregenzer Festspielen – die einen tauchten begeistert ein, die anderen wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt
Mit der Komponistin und Musikerin Éna Brennan gehen die Bregenzer Festspiele in die dritte Runde des Opernateliers. Nach den Opern „To the lighthouse“ von Zesses Seglias und „Wind“ von Alexander Moosbrugger soll das neue Werk in zwei Jahren zur Uraufführung gelangen. Gemeinsam mit dem Regisseur David Pountney und dem bildenden Künstler Hugo Canoilas arbeitet die aus Belgien stammende und in Dublin lebende Künstlerin an einem neuen Opernprojekt. Éna Brennan kuratierte eine Werkauswahl, die ihre musikalischen Präferenzen aufzeigte. Die minimalistisch angelegten Kompositionen, Soundtracks aus Filmen sowie Bearbeitungen elektronischer Musiknummern entfalteten Michal Majersky, Anita Martinek (Violine), Guy Speyers (Viola) und Detlef Mielke (Violoncello), am Vibraphon musizierte Hermann März.
Russisches Gemälde mit breitem Pinsel – Russland pur im dritten Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker mit Marie Jacquot und Kian Soltani
Während Veranstalter mehrerer europäischer Länder in vorauseilendem Gehorsam russische Komponisten aus ihren Programmen eliminieren, bleiben die Bregenzer Festspiele gelassen und präsentierten im dritten Orchesterkonzert am Montag, den 8. August ein rein russisches Programm. Allen Beteiligten ist klar, dass Tschaikowsky, Schostakowitsch und Rimsky-Korsakoff mit Vladimir Putins Politik rein gar nichts zu tun haben. Unter der Leitung der französischen Dirigentin Marie Jacquot zeigten sich die Wiener Symphoniker in Bestform.
... und nochmals 13 sehr spezielle Konzerte an zwei Tagen – die Jubiläumsedition der Bezau Beatz war auf der ganzen Linie erfolgreich; Teil 2
Hätten die vier hervorragenden Konzerte am Eröffnungstag mit Glotze, Skylla, Bon Bon Flamme und einer Solo-Performance des Schlagzeugers Christian Lillinger andernorts für ein gesamtes Festival-Programm gereicht, so ging es bei den Bezau Beatz am zweiten Tag erst so richtig los. Und wie Festival-Macher Alfred Vogel immer betont: Man kann natürlich auch einzelne Konzerte besuchen, aber die volle Wirkung entfaltet sich erst so richtig, wenn man sich die ganze Ladung gibt. Der berühmte Spruch, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Einzelteile, bewahrheitet sich hier sogar in ganz besonderem Maße.
Außergewöhnliche musikalische Eindrücke en masse – die Jubiläumsedition zum 15. Geburtstag der Bezau Beatz begeisterte, Teil 1
Beginnen wir mit dem Ende: Zwar stünde am Sonntagmorgen noch ein Frühschoppen mit dem Quartett des portugiesischen Saxophonisten João Pedro Brandão auf dem Programm, aber nach den letzten Klängen des englischen Trios Vula Viel Samstag nachts um halb zwölf waren dann die musikalischen Aufnahmespeicher des Rezensenten doch voll. Die rund zwanzig Stunden dauernden siebzehn Konzerte glichen einem Sprung in einen unglaublich erfrischenden, mit unzähligen musikalischen Konzepten und Ideen gefüllten Pool, aus dem man nach drei Tagen wieder auftaucht – erfüllt von einer unglaublichen Menge an Eindrücken, Überraschungen und neuen Erkenntnissen, die von der Menge her eigentlich für ein ganzes Jahr reichen würden. Die Bezau Beatz sind nun schon seit 15 Jahren DER alljährliche Jungbrunnen für die Fans qualitativ hochwertiger Musik jenseits von Genregrenzen und kommerziellen Überlegungen, jedes Jahr neu befüllt von einem, der sich weder um Quoten noch um Charts noch um die schnelle, große Kohle kümmert: von Alfred Vogel, der selbst Musiker ist, sein Programm – so schwülstig diese Formulierung auch klingen mag – mit Herzblut schreibt und es versteht, viele in der Bregenzerwälder Gemeinde für dieses aus dem gewöhnlichen Festivalreigen weit über die Region hinaus hervorstechenden Festival immer wieder als Mitarbeiter:innen, Unterstützer:innen und Sponsor:innen zu gewinnen.
Wenn man genau hinhört, wird’s interessant – der Wiener Concert-Verein unter der Leitung von Thomas Gertner holte neue Musik vor den Vorhang
Einen abwechslungsreichen Konzertabend bescherte der Wiener Concert-Verein den zahlreich erschienen Besucher:innen im Rahmen von Zeitklang im Museum II. Gut vorbereitet und motiviert musizierte das Streichorchester unter der Leitung von Thomas Gertner. Unter anderem drei Uraufführungen von Michael Amann, Johanna Doderer und Thomas Thurnher sowie Kompositionen von Christian Diendorfer und Gerald Resch brachten vielseitige musikalischen Ausdrucksformen und spannende Werkdeutungen ein, von romantisch konzipierten Werken bis hin zu Kompositionen, die Ton und Geräusch gleichberechtigt nebeneinander in Szene setzten.
Schloss-Festspiele Werdenberg: Die listigen Weiber und der eitle Playboy Falstaff
Bei der Werdenberger Schloss-Festspielen setzte Regisseur Matthias Harre mit seiner Version von Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ ganz auf Volkstheater – alles ist Spaß, eine Gaudi, nichts ist ernst zu nehmen – alle wollen doch nur spielen – Theater spielen. Er überarbeitete das Libretto, modernisierte die Texte, straffte die Musik, ließ die Komödie auf einem Campingplatz stattfinden, funktionierte die Sprechrolle des Wirts zu einem Erzähler um, der das Geschehen auf der Bühne für das Publikum kommentierte, was Dominik Roeske sicht- und hörbar Spaß machte. Zuschauerinnen und Zuschauer dankten bei der Premiere mit donnerndem Applaus und Standing Ovations.
Bullet Train
Ein japanischer Schnellzug wird zum Treffpunkt verschiedenster Auftragsmörder. Brad Pitt ist darunter selbstverständlich der Gute, Sandra Bullock steht ihm als Stimme im Ohrknopf bei. Wer auf variantenreiche Kampf-Choreographien ohne störenden Inhalt steht, wird hier gut bedient.
Aktuell in den Filmclubs (5.8. - 11.8. 2022)
Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche mit "Competencia official - Der beste Film aller Zeiten" eine bissige Satire auf Filmregisseure und Schauspieler:innen. Beim Filmforum Bregenz steht mit "Navalny" ein spannender Dokumentarfilm über den russischen Oppositionellen auf dem Programm.
Die Gletscher packen ihre Koffer – Kunstforum Montafon thematisiert das Schmelzen und Schwinden des Eises
Der Rückzug der Gletscher und das Abschmelzen von Schnee und Eis zählen zu den sichtbarsten Mahnmalen des Klimawandels und der Erderwärmung. Das Kunstforum Montafon (KFM) nähert sich diesem wichtigen Thema im Rahmen der Ausstellung „Vom Schmelzen und Schwinden“ mit teils beeindruckenden Werken von zwölf Kunstschaffenden. Die Schau visualisiert mit unterschiedlichsten Techniken den teils verheerenden Zustand der Gletscher und wartet neben guten Kunstwerken auch mit etlichen Denkanstößen auf.
Ex-Direktor des KUB Eckhard Schneider †
Eckhard Schneider, der als zweiter Direktor nach Edelbert Köb das Kunsthaus Bregenz (KUB) von 2000 bis 2008 leitete, ist nach längerer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben, wie das KUB via Aussendung bekannt gibt. Der gebürtige Deutsche zeichnete für insgesamt 44 Ausstellungen, von denen die meisten eigens für das KUB produziert wurden, verantwortlich. Mit seinem Programm setzte er die Arbeit von Vorgänger Köb fort und hob das Kunsthaus Bregenz auf einen neuen Standard internationaler Bedeutung.
Dem Abend gesungen – Marlis Petersen, Stephan M. Lademann und Ulrich Reinthaller zogen die Zuhörenden in ihren Bann
Seit über zehn Jahren sind die frühen Sonntagabende bei den Bregenzer Festspielen der „Musik & Poesie“ gewidmet. Hier verbinden Musiker:innen und Künstler:innen Texte auf vielfältige Weise mit Kammermusik. Meistens werden Sprache und Töne themenbezogen zueinander in Verbindung gebracht. Die Sopranistin Marlis Petersen und der Pianist Stephan M. Lademann sowie der Schauspieler Ulrich Reinthaller bescherten den Zuhörenden ein eindrückliches Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Bregenzer Festspiele - der österreichische Tenor Andreas Schager glänzt im zweiten Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker als Siegfried in Richard Wagners gleichnamiger Oper
Andreas Schager ist ein Ereignis. Wer immer Wagner-Gesang mag, sollte sich einen Liveauftritt dieses Künstlers nicht entgehen lassen. Ein geborener Heldentenor, schlank, sympathisch, gutaussehend. Die Stimme mit 80% Metall und 20% lyrischem Schmelz ist eine perfekte Cuvée für dieses Repertoire. Seine Interpretation klingt vollkommen mühelos, mit enormer dynamischer Bandbreite, wortdeutlich, alles sitzt: Höhe, Tiefe, Mittellage - nie sieht es nach Arbeit oder Anstrengung aus. Man hat den Eindruck die Stimme macht in jedem Augenblick genau das, was Andreas Schager von ihr will. Und er will viel, zum Beispiel sich auch im Forte vom Orchester nicht übertönen zu lassen. Auch schauspielerisch stellt er seine Kollegen in den Schatten, Schager "spielt" Wagner. Durch seine stimmliche Überlegenheit hat er genügend Potenzial, um jede musikalische Wendung körperlich und mimisch zu illustrieren. Für einige Zuschauer war das fast schon zu viel des Guten ("Gestik wie in einer Operette"), aber vermutlich kann er gar nicht anders, Andreas Schager hat den Siegfried zu "seiner" Figur gemacht. Ab 3. August wird er diese Rolle im Rahmen der neuen "Ring"-Inszenierung in Bayreuth verkörpern.
Wasser als Sinnbild musikalischer Energie und Erlebnistiefe – Standing Ovations für den großartigen Jugendchor Österreich unter der Leitung von Benjamin Lack
Als Präsident des Jugendchores Österreich luden Oskar Egle und der Chorverband Vorarlberg 42 Sänger:innen aus den Bundesländern und dem Südtirol nach St. Arbogast. Dort probten die jungen Erwachsenen eine Woche lang ein anspruchsvolles Konzertprogramm und gaben zum Abschluss zwei mitreißende Konzerte. Bis auf den letzten Platz war die Bregenzer Pfarrkirche St. Gallus besetzt. Staunend und konzentriert erlebten die Zuhörenden ein chorisches Klangerlebnis, das niemanden unberührt ließ. Das Wasser als vielstimmige Metapher stand im Zentrum der Uraufführung von „Quiet Water“ von Thomas Thurnher sowie in weiteren Kompositionen von Ola Gjeilo, Eric Whitacre, Ēriks Ešenvalds, Palestrina und Schütz. Unter der Leitung von Benjamin Lack entfaltete der Jugendchor Österreich alle Werke klanglich wunderbar austariert, intonationssicher und voller Elan.
Beschwingte Sommerfrische – Matthias Honeck und befreundete Musiker aus den Reihen der Wiener Symphoniker boten gute Unterhaltung
Musikerinnen und Musiker der Wiener Symphoniker bereichern den Vorarlberger Kulturkalender an zahlreichen Orten auch außerhalb der Bregenzer Festspiele. Bereits seit zehn Jahren konzertiert das „Matthias Honeck Quartett“ im Rittersaal des Hohenemser Palastes. Im Rahmen des diesjährigen Sommerkonzertes ergänzten Nikolay Orininskiy (Violine) und Martin Kabas (Kontrabass) das Ensemble. In einer freundschaftlichen und konzentrierten Atmosphäre erklangen einesteils sehr bekannte Werke von Vivaldi und Mozart und andernteils Raritäten von Haydn, Schubert und Pleyel in Duo- und Triobesetzungen. Genau in diesen Werkdeutungen lag der Reiz des Konzertabends.
„Roter Faden grüner Zweig“ – Friederike Feldmann und Alexander Wagner in der Bludenzer Galerie allerArt
Die aktuell laufende Ausstellung in der Bludenzer Galerie allerArt trägt den kryptischen Titel „Roter Faden grüner Zweig“ und ist dem Schaffen der 1962 in Bielefeld geborenen Künstlerin Friederike Feldmann sowie Alexander Wagner, Jahrgang 1978, gewidmet. Zu sehen sind Wandmalereien von Feldmann, die formal Assoziationen an schablonenhafte Fragmente einer Schere evozieren, sowie abstrakte Acryl-auf-Pappe-Arbeiten von Wagner. Beide in Berlin lebenden und arbeitenden Kunstschaffenden sind der Malerei und der Zeichnung verhaftet und beide zeigen ihre Werke häufig anhand von installativen, raumbezogenen Anordnungen. Wobei bei Feldmann vor allem malerische Grundfaktoren wie Gestus, Textur, Repräsentation und Autorschaft in den Fokus rücken, während Wagner gegensätzliche Aspekte wie Abstraktion und Gegenstand oder Fläche und räumliche Illusion ausbalanciert.
Der perfekte Chef
Javier Bardem als der gute Chef, der seine Fabriksarbeiter als Kinder und sich selbst als Vater stilisiert - bis die schöne alte Ordnung und mit ihr die patriarchale Macht Stück für Stück in Brüche geht. Eine hintersinnige Komödie.
Herrlich komisches Horrorstück! Frankensteins Monster auf den Trümmern der Welt beim Festival Poligonale in Hohenems
Zum zweiten Mal findet in Hohenems vom 27. Juli bis 14. August das Open-Air-Festival „Poligonale – The mixed reality festival“ statt. Zur Eröffnung feierte die Eigenproduktion des Festivals seine Premiere im Hof der Volksschule Markt. Das Hybrid-Theater-Drama „Frankenstein“ vereint konventionelles Theater mit Motion Capture und VR-Technik und wird live vertont.
Artikelaktionen