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Collection for Letzte Kritiken

Schloss-Festspiele Werdenberg: Die listigen Weiber und der eitle Playboy Falstaff
Bei der Werdenberger Schloss-Festspielen setzte Regisseur Matthias Harre mit seiner Version von Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ ganz auf Volkstheater – alles ist Spaß, eine Gaudi, nichts ist ernst zu nehmen – alle wollen doch nur spielen – Theater spielen. Er überarbeitete das Libretto, modernisierte die Texte, straffte die Musik, ließ die Komödie auf einem Campingplatz stattfinden, funktionierte die Sprechrolle des Wirts zu einem Erzähler um, der das Geschehen auf der Bühne für das Publikum kommentierte, was Dominik Roeske sicht- und hörbar Spaß machte. Zuschauerinnen und Zuschauer dankten bei der Premiere mit donnerndem Applaus und Standing Ovations.
Bullet Train
Ein japanischer Schnellzug wird zum Treffpunkt verschiedenster Auftragsmörder. Brad Pitt ist darunter selbstverständlich der Gute, Sandra Bullock steht ihm als Stimme im Ohrknopf bei. Wer auf variantenreiche Kampf-Choreographien ohne störenden Inhalt steht, wird hier gut bedient.
Aktuell in den Filmclubs (5.8. - 11.8. 2022)
Das TaSKino Feldkirch zeigt diese Woche mit "Competencia official - Der beste Film aller Zeiten" eine bissige Satire auf Filmregisseure und Schauspieler:innen. Beim Filmforum Bregenz steht mit "Navalny" ein spannender Dokumentarfilm über den russischen Oppositionellen auf dem Programm.
Die Gletscher packen ihre Koffer – Kunstforum Montafon thematisiert das Schmelzen und Schwinden des Eises
Der Rückzug der Gletscher und das Abschmelzen von Schnee und Eis zählen zu den sichtbarsten Mahnmalen des Klimawandels und der Erderwärmung. Das Kunstforum Montafon (KFM) nähert sich diesem wichtigen Thema im Rahmen der Ausstellung „Vom Schmelzen und Schwinden“ mit teils beeindruckenden Werken von zwölf Kunstschaffenden. Die Schau visualisiert mit unterschiedlichsten Techniken den teils verheerenden Zustand der Gletscher und wartet neben guten Kunstwerken auch mit etlichen Denkanstößen auf.
Ex-Direktor des KUB Eckhard Schneider †
Eckhard Schneider, der als zweiter Direktor nach Edelbert Köb das Kunsthaus Bregenz (KUB) von 2000 bis 2008 leitete, ist nach längerer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben, wie das KUB via Aussendung bekannt gibt. Der gebürtige Deutsche zeichnete für insgesamt 44 Ausstellungen, von denen die meisten eigens für das KUB produziert wurden, verantwortlich. Mit seinem Programm setzte er die Arbeit von Vorgänger Köb fort und hob das Kunsthaus Bregenz auf einen neuen Standard internationaler Bedeutung.
Dem Abend gesungen – Marlis Petersen, Stephan M. Lademann und Ulrich Reinthaller zogen die Zuhörenden in ihren Bann
Seit über zehn Jahren sind die frühen Sonntagabende bei den Bregenzer Festspielen der „Musik & Poesie“ gewidmet. Hier verbinden Musiker:innen und Künstler:innen Texte auf vielfältige Weise mit Kammermusik. Meistens werden Sprache und Töne themenbezogen zueinander in Verbindung gebracht. Die Sopranistin Marlis Petersen und der Pianist Stephan M. Lademann sowie der Schauspieler Ulrich Reinthaller bescherten den Zuhörenden ein eindrückliches Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Bregenzer Festspiele - der österreichische Tenor Andreas Schager glänzt im zweiten Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker als Siegfried in Richard Wagners gleichnamiger Oper
Andreas Schager ist ein Ereignis. Wer immer Wagner-Gesang mag, sollte sich einen Liveauftritt dieses Künstlers nicht entgehen lassen. Ein geborener Heldentenor, schlank, sympathisch, gutaussehend. Die Stimme mit 80% Metall und 20% lyrischem Schmelz ist eine perfekte Cuvée für dieses Repertoire. Seine Interpretation klingt vollkommen mühelos, mit enormer dynamischer Bandbreite, wortdeutlich, alles sitzt: Höhe, Tiefe, Mittellage - nie sieht es nach Arbeit oder Anstrengung aus. Man hat den Eindruck die Stimme macht in jedem Augenblick genau das, was Andreas Schager von ihr will. Und er will viel, zum Beispiel sich auch im Forte vom Orchester nicht übertönen zu lassen. Auch schauspielerisch stellt er seine Kollegen in den Schatten, Schager "spielt" Wagner. Durch seine stimmliche Überlegenheit hat er genügend Potenzial, um jede musikalische Wendung körperlich und mimisch zu illustrieren. Für einige Zuschauer war das fast schon zu viel des Guten ("Gestik wie in einer Operette"), aber vermutlich kann er gar nicht anders, Andreas Schager hat den Siegfried zu "seiner" Figur gemacht. Ab 3. August wird er diese Rolle im Rahmen der neuen "Ring"-Inszenierung in Bayreuth verkörpern.
Wasser als Sinnbild musikalischer Energie und Erlebnistiefe – Standing Ovations für den großartigen Jugendchor Österreich unter der Leitung von Benjamin Lack
Als Präsident des Jugendchores Österreich luden Oskar Egle und der Chorverband Vorarlberg 42 Sänger:innen aus den Bundesländern und dem Südtirol nach St. Arbogast. Dort probten die jungen Erwachsenen eine Woche lang ein anspruchsvolles Konzertprogramm und gaben zum Abschluss zwei mitreißende Konzerte. Bis auf den letzten Platz war die Bregenzer Pfarrkirche St. Gallus besetzt. Staunend und konzentriert erlebten die Zuhörenden ein chorisches Klangerlebnis, das niemanden unberührt ließ. Das Wasser als vielstimmige Metapher stand im Zentrum der Uraufführung von „Quiet Water“ von Thomas Thurnher sowie in weiteren Kompositionen von Ola Gjeilo, Eric Whitacre, Ēriks Ešenvalds, Palestrina und Schütz. Unter der Leitung von Benjamin Lack entfaltete der Jugendchor Österreich alle Werke klanglich wunderbar austariert, intonationssicher und voller Elan.
Beschwingte Sommerfrische – Matthias Honeck und befreundete Musiker aus den Reihen der Wiener Symphoniker boten gute Unterhaltung
Musikerinnen und Musiker der Wiener Symphoniker bereichern den Vorarlberger Kulturkalender an zahlreichen Orten auch außerhalb der Bregenzer Festspiele. Bereits seit zehn Jahren konzertiert das „Matthias Honeck Quartett“ im Rittersaal des Hohenemser Palastes. Im Rahmen des diesjährigen Sommerkonzertes ergänzten Nikolay Orininskiy (Violine) und Martin Kabas (Kontrabass) das Ensemble. In einer freundschaftlichen und konzentrierten Atmosphäre erklangen einesteils sehr bekannte Werke von Vivaldi und Mozart und andernteils Raritäten von Haydn, Schubert und Pleyel in Duo- und Triobesetzungen. Genau in diesen Werkdeutungen lag der Reiz des Konzertabends.
„Roter Faden grüner Zweig“ – Friederike Feldmann und Alexander Wagner in der Bludenzer Galerie allerArt
Die aktuell laufende Ausstellung in der Bludenzer Galerie allerArt trägt den kryptischen Titel „Roter Faden grüner Zweig“ und ist dem Schaffen der 1962 in Bielefeld geborenen Künstlerin Friederike Feldmann sowie Alexander Wagner, Jahrgang 1978, gewidmet. Zu sehen sind Wandmalereien von Feldmann, die formal Assoziationen an schablonenhafte Fragmente einer Schere evozieren, sowie abstrakte Acryl-auf-Pappe-Arbeiten von Wagner. Beide in Berlin lebenden und arbeitenden Kunstschaffenden sind der Malerei und der Zeichnung verhaftet und beide zeigen ihre Werke häufig anhand von installativen, raumbezogenen Anordnungen. Wobei bei Feldmann vor allem malerische Grundfaktoren wie Gestus, Textur, Repräsentation und Autorschaft in den Fokus rücken, während Wagner gegensätzliche Aspekte wie Abstraktion und Gegenstand oder Fläche und räumliche Illusion ausbalanciert.
Der perfekte Chef
Javier Bardem als der gute Chef, der seine Fabriksarbeiter als Kinder und sich selbst als Vater stilisiert - bis die schöne alte Ordnung und mit ihr die patriarchale Macht Stück für Stück in Brüche geht. Eine hintersinnige Komödie.
Herrlich komisches Horrorstück! Frankensteins Monster auf den Trümmern der Welt beim Festival Poligonale in Hohenems
Zum zweiten Mal findet in Hohenems vom 27. Juli bis 14. August das Open-Air-Festival „Poligonale – The mixed reality festival“ statt. Zur Eröffnung feierte die Eigenproduktion des Festivals seine Premiere im Hof der Volksschule Markt. Das Hybrid-Theater-Drama „Frankenstein“ vereint konventionelles Theater mit Motion Capture und VR-Technik und wird live vertont.
Wie kann man wissen, ob man ein Mensch ist? – Johannes Kalitzkes Oper „Kapitän Nemos Bibliothek“ war ein durchdringendes Klang- und Bühnenerlebnis
Als Koproduktion mit den Schwetzinger SWR Festspielen war nach der Uraufführung im vergangenen Mai nun bei den Bregenzer Festspielen die österreichische Erstaufführung der Oper „Kapitän Nemos Bibliothek“ des deutschen Komponisten Johannes Kalitzke zu erleben. Erzählt wird eine Geschichte mit katastrophalen Folgen. Zwei vertauschte Kinder, die Bigotterie und der Ordnungszwang der Gesellschaft lösen traumatische Verlusterfahrungen aus. Kalitzkes eindrückliche Musik, die herausragenden Sänger:innen, allen voran Iurii Iushkevich, und die fantasievolle Inszenierung von Christoph Werner mit Filmprojektionen von Conny Klar führten unmittelbar in den Handlungsverlauf hinein. Ein essentieller Kernpunkt der Produktion waren die als Alter Ego der Kinder mitspielenden Puppen, die eine zusätzliche Erlebnisebene einbrachten.
Aktuell in den Filmclubs (29.7. - 4.8. 2022)
Das Filmforum Bregenz zeigt diese Woche das leise, aber durch die Bildsprache beeindruckende georgische Drama "Wet Sand". Beim KUB Bregenz wird das Open-Air, das heuer Wes Anderson gewidmet ist, mit "The Royal Tenenbaums" fortgesetzt.
In Freundschaft verbunden – Martin Schelling, Paul Moosbrugger, Jessica Kuhn, und Rudi Spring verbreiteten eine euphorische Stimmung
Zum 60. Geburtstag machte der hierzulande bestens bekannte und geschätzte Klarinettist Martin Schelling sich selbst und vielen anderen ein besonderes Geschenk. Er bat seinen Freund und Jahrgänger Rudi Spring um ein neues Werk und lud die Cellistin Jessica Kuhn sowie seinen ehemaligen Schüler Paul Moosbrugger zum gemeinsamen Musizieren ein. Im Rahmen der Schattenburg Konzerte erklangen Triokompositionen von Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Brahms. Im Mittelpunkt stand die Uraufführung des fantasievollen Werkes mit dem maßgeschneiderten Titel „PrisM ART INvention“. Das gute Gefühl, Kammermusik unter Freunden, auf höchstem musikalischem Niveau und in allerbester Spiellaune zu erleben, übertrug sich sogleich auf die Zuhörenden im Rittersaal.
Tobias Wiklund: Silver Needle
Selten gelingt es jemand so perfekt, die Qualitäten des Old-Time-Jazz dermaßen stimmig in zeitgemäße musikalische Kompositionen einzubeziehen, wie dem 36-jährigen Schweden Tobias Wiklund. Als Trompeter spielt er unter anderem in der Danish Radio Big Band oder im Stockholm Jazz Orchestra, in seiner akustisch orientierten Working Band bevorzugt er aber das im Gegenwarts-Jazz eher selten zu hörende Kornett. Von den ersten Takten des Openers „Existence Is Your Perfume“ weg wird man vom dunklen, warmen und runden Ton dieses Instruments verzaubert, das zwar nicht die Höhe und Strahlkraft der Trompete erreicht, aber dafür über ganz besondere emotionale Qualitäten verfügt. Ur-Jazzer wie Bix Beiderbecke, Red Nichols, King Oliver, Rex Stewart oder Louis Armstrong wussten das durchaus zu nutzen.
Japanische Musik und Poesie mit dem Ensemble Modern und der Autorin Miki Sakamoto – ein eher mühsames Erlebnis
Die erste Ausgabe der beliebten Reihe „Musik und Poesie“ bei den Bregenzer Festspielen lud mit dem ansprechenden Motto „Schmetterlingseffekte“ ins Seestudio. Das renommierte Ensemble Modern präsentierte neue Werke japanischer Komponist:innen und die Autorin Miki Sakamoto trug Gedichte vor. Doch die Konzertlesung entpuppte sich als eher anstrengendes Hörerlebnis, denn die naturromantischen Gedichte der Autorin und die avancierten Kompositionen passten wenig zueinander. Unverständlich (um nicht zu sagen nachlässig) war die Art der Vermittlung der Kompositionen, denn den Zuhörenden wurden keinerlei Informationen zu den hierzulande völlig unbekannten Werken, unter anderem von Yu Kuwabara, Ondřej Adámek, Chikage Imai, geboten. Damit verspielten die hervorragenden Musiker:innen das große Potential der vielgestaltigen Werke.
Humorvolle Verzauberung – „Der Sturm“ von William Shakespeare bei den Bregenzer Festspielen
Am Freitag feierte „Der Sturm“ von William Shakespeare in einer Neuübersetzung von Jakob Nolte eine Premiere, die polarisierte – viele jubelten, einige verließen noch während des Applauses den Saal. Die Bregenzer Festspiele setzten, wie schon in den letzten Jahren auf eine Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin. Zwei weitere Aufführungen finden im Theater am Kornmarkt statt und ich empfehle einen Besuch.
Ehemaliger Bregenzer Kulturamtsleiter und Kurator Wolfgang Fetz †
Der 1958 geborene ehemalige Leiter des Kulturamtes Bregenz und Kurator Wolfgang Fetz ist vergangenen Donnerstag überraschend in Bregenz gestorben. Fetz prägte das Kulturleben in der Vorarlberger Landeshauptstadt fast drei Jahrzehnte lang, ehe er sich am 31.12.2016 offiziell aufgrund „unterschiedlicher Ansichten über die künftige kulturpolitische Ausrichtung und die Frage, wohin sich die Kulturstadt Bregenz in den nächsten Jahren weiter entwickeln soll“, aus dem Amt verabschiedete und fortan als freier Kurator und Autor tätig war.
Festspiel-Hausoper „Sibirien“ – Beziehungsdrama, das seine Wiederentdeckung verdient
„Sibirien“ – das ist in unserem Sprachgebrauch ein meist negativ besetzter Begriff. Er steht für Kälte, jene des Klimas und jene des Umgangs miteinander, auch für Einsamkeit, Verbannung politisch Unliebsamer. In der Oper „Sibirien“ des italienischen Komponisten Umberto Giordano, die die Bregenzer Festspiele am Donnerstag als Hausoper in ihrer Raritäten-Reihe zur Diskussion stellten, erhält dieser Begriff neue, positive Aspekte.
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